
RTL Deutschland und Sky stehen vor einem weiteren umfangreichen Stellenabbau. Im Zuge der Zusammenführung beider Medienunternehmen sollen bis Ende 2027 rund 500 Stellen wegfallen. Der überwiegende Teil des Abbaus ist bereits für 2026 vorgesehen. RTL bestätigte die Pläne am 17. September. Für die Beschäftigten folgt damit nur wenige Monate nach dem Abschluss der Übernahme von Sky Deutschland eine weitere tiefgreifende Veränderung.
Der Stellenabbau bei RTL und Sky umfasst nach Angaben des Unternehmens rund 500 Positionen. Wie viele davon jeweils bei RTL Deutschland und bei Sky entfallen sollen, wurde zunächst nicht detailliert aufgeschlüsselt. Ebenso lagen zunächst keine vollständigen Angaben dazu vor, welche Unternehmensbereiche besonders betroffen sind.
RTL will den Abbau nach eigenen Angaben sozialverträglich und in Abstimmung mit den zuständigen Betriebsräten umsetzen. Dazu sollen unter anderem auslaufende Verträge teilweise nicht verlängert und bereits freie Stellen nicht wieder besetzt werden. Nach Angaben aus der Medienbranche sollen auf diese Weise rund 150 der vorgesehenen Stellen entfallen. Betriebsbedingte Kündigungen will das Unternehmen nach Möglichkeit vermeiden.
Bei der genannten Größenordnung handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft ver.di um Vollzeitäquivalente. Deshalb könnten tatsächlich mehr als 500 Beschäftigte von den Maßnahmen betroffen sein, wenn darunter Teilzeitkräfte sind. RTL selbst kommunizierte den Abbau von rund 500 Stellen beziehungsweise Positionen.
Hintergrund ist die Integration von Sky Deutschland in die RTL Group. Der Konzern hatte die Übernahme des Pay-TV- und Streaminganbieters am 1. Juni 2026 abgeschlossen. Die Europäische Kommission hatte dem Geschäft zuvor im April ohne Auflagen zugestimmt. Damit wurden unter anderem RTL+, Sky und WOW unter dem Dach derselben Unternehmensgruppe zusammengeführt.
RTL erwartet durch die Verbindung erhebliche Einsparungen. Innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Übernahme sollen jährliche Synergien von rund 250 Millionen Euro erreicht werden. Nach Angaben des Konzerns soll der größte Teil dieser Effekte aus Kosteneinsparungen entstehen. Dazu gehören Optimierungen bei Inhalten und Sachkosten sowie der Abbau von Doppelstrukturen. Verantwortlichkeiten und organisatorische Abläufe sollen ebenfalls zusammengeführt werden.
Mit der Übernahme will RTL zugleich seine Position gegenüber internationalen Streaminganbietern stärken. RTL Group bezifferte die Zahl der bezahlten Abonnements von RTL+, Sky Deutschland und WOW nach der Zusammenführung zuletzt auf rund 12,4 Millionen in der deutschsprachigen Region.
Der neue Stellenabbau folgt auf ein bereits Ende 2025 angekündigtes Sparprogramm bei RTL Deutschland. Damals hatte das Unternehmen den Abbau von rund 600 Stellen an seinen deutschen Standorten beschlossen. Als Gründe nannte RTL den strukturellen Wandel vom klassischen Fernsehen zum Streaming sowie die schwierige wirtschaftliche Lage des werbefinanzierten TV-Geschäfts.
RTL hatte damals darauf verwiesen, dass die linearen TV-Werbeumsätze in Deutschland seit 2019 deutlich zurückgegangen seien. Gleichzeitig wurde erheblich in RTL+ investiert. Der Streamingdienst entwickelte sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Schwerpunkt der Konzernstrategie.
Zusammengenommen umfassen das Ende 2025 angekündigte Programm und die jetzt bekannt gewordenen Maßnahmen damit rund 1.100 Stellen. Die beiden Programme haben allerdings unterschiedliche unmittelbare Hintergründe. Der erste Umbau wurde mit der stärkeren Ausrichtung von RTL Deutschland auf Streaming und veränderten wirtschaftlichen Bedingungen begründet. Die neuen Einschnitte stehen unmittelbar im Zusammenhang mit der Integration von Sky.
Deutliche Kritik kommt von Arbeitnehmervertretern. Der Deutsche Journalisten-Verband warnt vor Folgen für das journalistische Angebot und sieht die Gefahr eines Verlusts von Kompetenz und Vielfalt. Der Verband verweist dabei ausdrücklich auf die bereits zuvor gestrichenen Arbeitsplätze bei RTL.
Auch ver.di kritisiert die Folgen der Zusammenführung. Die Gewerkschaft spricht davon, dass die erwarteten Synergien auf Kosten von Arbeitsplätzen gingen. Nach ihrer Darstellung könnten wegen der Berechnung in Vollzeitäquivalenten mehr als 500 einzelne Beschäftigte betroffen sein.
Bei der zeitlichen Umsetzung gibt es unterschiedliche Darstellungen. RTL erklärte, dass die rund 500 Stellen bis Ende 2027 entfallen sollen und der überwiegende Teil bereits 2026 abgebaut werde. Ver.di erklärte dagegen, 500 Stellen würden noch in diesem Jahr gestrichen. Belastbar bestätigt ist damit die Konzernangabe von insgesamt rund 500 Stellen bis Ende 2027 mit einem Schwerpunkt des Abbaus im Jahr 2026.
Der Umbau findet in einer Phase statt, in der sich das Geschäftsmodell großer europäischer Fernsehanbieter verändert. Klassische TV-Werbung bleibt für RTL bedeutend, gleichzeitig wächst das Geschäft mit Streamingabonnements. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die TV-Werbeerlöse der RTL Group nach Konzernangaben um vier Prozent zurück, während die digitalen Werbeerlöse zulegten.
Das Streaminggeschäft entwickelte sich zugleich profitabel. RTL sieht in der Verbindung mit Sky die Möglichkeit, Unterhaltung, Nachrichten und umfangreiche Sportrechte stärker gemeinsam zu vermarkten. Für die Belegschaften bedeutet diese Strategie jedoch zugleich eine weitere Konsolidierungsrunde. Unklar blieb zunächst, welche Redaktionen und Unternehmensbereiche im Einzelnen vom neuen Stellenabbau betroffen sein werden.
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