
Sarah Wedl-Wilson ist nicht mehr Berliner Kultursenatorin. Die parteilose Politikerin bat Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Freitag um ihre Entlassung – nach weniger als einem Jahr im Amt. Hintergrund ist eine Affäre um die rechtswidrige Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus, die der Berliner Rechnungshof öffentlich gerügt hatte. Die Nachricht schlug am Freitagvormittag in der Berliner Kulturpolitik ein.
„Ich habe eben den Regierenden Bürgermeister gebeten, meine Entlassung anzunehmen.“ Mit diesen Worten machte Sarah Wedl-Wilson am Freitagvormittag ihren Rücktritt öffentlich und ohne Umschweife. Der Schritt kam, nachdem der Berliner Rechnungshof in einem Bericht festgestellt hatte, dass die Kulturverwaltung Fördermittel für Projekte gegen Antisemitismus ohne ausreichende rechtliche Grundlage und ohne transparente Auswahlverfahren vergeben hatte. Wedl-Wilson war seit dem 22. Mai 2025 im Amt – weniger als ein Jahr. Damit ist sie nach ihrem Vorgänger Joe Chialo (CDU), der das Amt ebenfalls frühzeitig niederlegte, bereits die zweite Berliner Kultursenatorin in Folge, die den Job nicht zu Ende führte.
Der Kern der Affäre liegt in der Fördermittelvergabe der Berliner Kulturverwaltung. Laut Rechnungshof wurden Mittel für mindestens 18 Projekte gegen Antisemitismus vergeben, ohne dass dabei klare Auswahlkriterien galten oder Chancengleichheit für andere Antragsteller bestand. Sämtliche betroffenen Förderbescheide erklärte der Rechnungshof für rechtswidrig. Ausgangspunkt war dem Tagesspiegel zufolge eine Projektliste, die aus der Berliner CDU-Fraktion stammte. Die Kulturverwaltung habe diese Liste ohne eingehende Prüfung in konkrete Förderentscheidungen umgewandelt. Wedl-Wilson hatte in der Folge bereits ihren CDU-Staatssekretär aus dem Amt entlassen, ehe sie nun selbst die Konsequenz zog. Rund 2,5 Millionen Euro sollen für die betroffenen Projekte vergeben worden sein.
Sarah Wedl-Wilson ist eine parteilose britisch-österreichische Kulturmanagerin. Sie wurde 1969 in Watford, England, geboren, studierte Philologie an der Universität Cambridge und hat über Jahrzehnte als Kulturmanagerin in Deutschland, Österreich und der Schweiz gearbeitet. Zuletzt war sie Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Im Jahr 2023 wurde sie zur Staatssekretärin der Berliner Kulturverwaltung ernannt – noch unter Senator Chialo. Im Mai 2025 folgte sie diesem dann als Senatorin nach. Wedl-Wilson war damit die erste Berliner Senatorin ohne deutsche Staatsangehörigkeit – nach dem Brexit hatte sie die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen, um Europäerin zu bleiben. Dieser Umstand hatte bei ihrer Ernennung für besonderes Aufsehen gesorgt.
Der Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson stellt den Berliner Senat unter Kai Wegner vor eine schwierige Personalie. Gleichzeitig wirft die Fördermittelaffäre weiter politische Fragen auf. Die CDU-Abgeordneten Dirk Stettner und Christian Goiny sollen besonders aktiv auf die Aufnahme der Projekte in die Förderliste gedrängt haben. Die Opposition ließ nicht lange auf sich warten: Die Linke mit Spitzenkandidatin Eralp hatte die Entlassung von Wedl-Wilson öffentlich gefordert, bevor diese selbst die Konsequenz zog. Wie der Berliner Senat die vakante Position der Kultursenatorin neu besetzt und welche parlamentarische Aufarbeitung der Fördermittelaffäre folgt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Klar ist: Die Berliner Kulturpolitik steht vor einem schwierigen Neustart.
Quellen: Tagesspiegel, Spiegel, tagesschau.de, Berliner Zeitung, WELT
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu