
Eine der traditionsreichsten Papierfabriken Deutschlands stellt die Produktion ein. Schleipen Paper in Bad Dürkheim hat den Geschäftsbetrieb Ende August beendet. Für die 73 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Eine Fortführung des insolventen Unternehmens gelang nicht. Damit endet an dem Standort eine Geschichte, die bis ins Jahr 1737 zurückreicht.
Der Fall trifft eine Branche, die seit Jahren mit sinkenden Produktionsmengen, hohen Kosten und einem tiefgreifenden Wandel insbesondere bei grafischen Papieren kämpft. Schleipen Paper Bad Dürkheim war auf grafische Spezialpapiere ausgerichtet und damit in einem Markt tätig, der besonders stark unter dem strukturellen Nachfragerückgang steht.
Das Amtsgericht Baden-Baden hatte bereits am 24. Juni 2026 im Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der Schleipen Paper GmbH einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Zu diesem Zeitpunkt lief der Geschäftsbetrieb zunächst weiter. Die Löhne und Gehälter der 73 aktiven Beschäftigten waren vorübergehend über das Insolvenzgeld abgesichert. Schon vor dem Insolvenzantrag hatte das Unternehmen wegen fehlender Aufträge Kurzarbeit eingeführt.
Am 26. August wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung kam nicht zustande. Ende August wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. Die Beschäftigten verlieren damit ihre Arbeitsplätze. Die Papierfabrik selbst blickte zu diesem Zeitpunkt auf nahezu drei Jahrhunderte Industriegeschichte zurück. Bereits 1737 entstand im heutigen Bad Dürkheimer Stadtteil Hardenburg eine Papiermühle, aus der sich der spätere Produktionsstandort entwickelte.
Während des Insolvenzverfahrens wurde nach einer Möglichkeit gesucht, zumindest Teile des Betriebs zu erhalten. Im Mittelpunkt stand unter anderem der sogenannte Cutting-Bereich, in dem große Papierrollen auf die von Kunden benötigten Formate zugeschnitten werden. Für diesen Bereich hatte sich zeitweise ein Interessent gefunden. Eine Fortführung kam jedoch nicht zustande. Der potenzielle Investor zog sich Mitte August zurück.
Auch eine weitergehende Investorenlösung wurde nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren trotz entsprechender Bemühungen nicht gefunden. Die Papierproduktion selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt. Damit fehlte schließlich eine Grundlage für eine wirtschaftliche Weiterführung des Standorts.
Als zentrale Belastung für Schleipen Paper war bereits zu Beginn des Insolvenzverfahrens ein anhaltender Auftragsmangel genannt worden. Hinzu kamen steigende Energiekosten und daraus resultierende Probleme bei der Auslastung der Produktion. Für einen energieintensiven Papierbetrieb hat eine dauerhaft niedrige Auslastung besondere Folgen, weil ein erheblicher Teil der Kosten unabhängig davon anfällt, wie viel Papier tatsächlich produziert und verkauft wird.
Der Standort hatte schon einige Jahre zuvor eine wirtschaftliche Zäsur erlebt. 2021 wurde die traditionsreiche Fabrik nach einer früheren Insolvenz übernommen und anschließend innerhalb der Lenk-Gruppe weitergeführt. Der Betrieb konzentrierte sich unter anderem auf Buchdruckpapiere und weitere grafische Spezialpapiere. Die erneute Insolvenz konnte diesmal nicht durch einen neuen Eigentümer oder Investor aufgefangen werden.
Unmittelbar betroffen sind die 73 Beschäftigten des Unternehmens. Während der vorläufigen Insolvenz waren ihre Einkommen zunächst durch Insolvenzgeld abgesichert. Mit der endgültigen Betriebseinstellung entfällt diese vorübergehende Perspektive. Eine Fortführung, mit der Arbeitsplätze am Standort hätten erhalten werden können, gibt es nicht.
Die Gewerkschaft IGBCE hatte bereits während des vorläufigen Verfahrens auf die Unsicherheit in der Belegschaft hingewiesen. Nach der Entscheidung zur Schließung kritisierte sie zudem den Umgang mit den Beschäftigten im Vorfeld der Insolvenz. Für die weitere Entwicklung der einzelnen Arbeitsverhältnisse gelten die Regeln des Insolvenz- und Arbeitsrechts. Einzelheiten zu möglichen Anschlussbeschäftigungen oder weiteren Unterstützungsangeboten waren zunächst nicht umfassend öffentlich dokumentiert.
Die Schließung fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie. Nach Angaben des Branchenverbands DIE PAPIERINDUSTRIE wurden 2025 in Deutschland insgesamt rund 18,7 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert. Das waren 2,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank um 5 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro.
Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei grafischen Papieren. Ihre Produktion sank 2025 um 16,7 Prozent. Dahinter steht unter anderem ein langfristiger Wandel bei Zeitungen, Zeitschriften, Werbedrucksachen und anderen gedruckten Medien. Schleipen war mit seinen grafischen Spezialpapieren unmittelbar in einem Teil dieses Marktes aktiv.
Andere Segmente entwickeln sich stabiler. Verpackungspapiere verzeichneten 2025 beispielsweise ein Produktionsplus von 1,8 Prozent. Damit zeigt die Entwicklung, dass die Papierindustrie nicht einheitlich schrumpft. Besonders stark unter Druck stehen jene Bereiche, in denen digitale Anwendungen dauerhaft gedruckte Produkte ersetzen oder die Nachfrage deutlich reduzieren.
Auch 2026 setzte sich der schwierige Trend zunächst fort. Im ersten Halbjahr lag die Produktionsmenge der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie bei rund 9,4 Millionen Tonnen und damit 1,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Der Branchenumsatz ging um 7,1 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zurück.
Parallel hat sich die Zahl der Produktionsstandorte verringert. Ende 2025 waren nach Angaben des Branchenverbands noch 128 Werke mit 216 Papiermaschinen in Betrieb. Fünf Jahre zuvor waren es 152 Werke mit 260 Maschinen. Innerhalb dieses Zeitraums sank auch die Zahl der Beschäftigten von rund 45.600 auf etwa 41.000.
Die Schließung in Bad Dürkheim steht damit nicht für die gesamte deutsche Papierindustrie, sie fügt sich aber in einen längerfristigen Kapazitätsabbau ein. Neben der rückläufigen Nachfrage in einzelnen Produktgruppen belasten energieintensive Hersteller hohe Produktionskosten und ein internationaler Wettbewerb um Preise und Standorte. Für Bad Dürkheim endet diese Entwicklung nun mit dem Verlust eines Industrieunternehmens, dessen Wurzeln bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückreichen.
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