
Nico Schlotterbeck ist zurück bei Borussia Dortmund. 84 Tage nach einer Innenbandverletzung im linken Sprunggelenk stand der deutsche Nationalspieler wieder für den BVB auf dem Platz. Nun hat der 26-Jährige ungewöhnlich offen darüber gesprochen, wie sehr ihn die lange Pause belastet hat. Die Zeit nach seinem verletzungsbedingten WM-Aus bezeichnete Schlotterbeck als seine „bisher schwerste Zeit im Fußball“.
Auslöser der aktuellen Meldung ist ein Interview, das Borussia Dortmund am Freitag, 18. September 2026, auf der eigenen Vereinswebsite veröffentlichte. Die Aussagen wurden anschließend unter anderem von Sky Sport und dem Sport-Informations-Dienst aufgegriffen. Damit sind die zentralen Aussagen Schlotterbecks direkt beim Verein dokumentiert und nicht lediglich aus einem Medienbericht überliefert.
Schlotterbeck hatte sich am 20. Juni 2026 im zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen die Elfenbeinküste verletzt. Der Innenverteidiger war im ersten Durchgang umgeknickt und zur Halbzeit ausgewechselt worden. Nach einer Untersuchung im deutschen Mannschaftsquartier bestätigte Borussia Dortmund am 22. Juni eine Innenbandverletzung im linken Sprunggelenk.
Der BVB erklärte damals ausdrücklich, Schlotterbeck werde sowohl der Nationalmannschaft als auch seinem Verein „für mehrere Monate“ fehlen. Eine kürzere konkrete Ausfallzeit nannte Dortmund zu diesem Zeitpunkt nicht. Geschäftsführer Sport Lars Ricken bezeichnete den Ausfall als „sehr schade und unglaublich bitter“. Schlotterbeck sei zuvor sehr gut in Form gewesen und habe sich einen festen Platz in der deutschen Startelf erarbeitet.
Damit war die Verletzung auch für Borussia Dortmund erheblich. Schlotterbeck gehört seit Jahren zum Kern der Dortmunder Defensive und hatte seinen ursprünglich bis 2027 laufenden Vertrag erst im April 2026 langfristig verlängert. Der neue Kontrakt läuft bis 2031. Der BVB bezeichnete die Verlängerung damals als Personalentscheidung von großer Bedeutung für den Klub.
Die tatsächliche Pause fiel am Ende etwas kürzer aus, als die zunächst sehr vorsichtige Prognose von mehreren Monaten vermuten ließ. Am 12. September 2026 kehrte Nico Schlotterbeck im Dortmunder Heimspiel gegen den SC Paderborn zurück. Zwischen der Verletzung am 20. Juni und dem Comeback lagen nach Angaben des BVB genau 84 Tage.
Dabei wurde der 26-Jährige nicht langsam über Kurzeinsätze herangeführt. Er stand sofort in der Anfangsformation und führte Borussia Dortmund als Kapitän auf den Platz. Nach 76 Minuten wurde er ausgewechselt. Nach Angaben des Vereins gewann Schlotterbeck 16 seiner 22 Zweikämpfe und brachte 94 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler.
Schlotterbeck erklärte anschließend, dass seine Rückkehr bereits längere Zeit vorbereitet worden sei. Er habe vor dem Comeback schon mehrere Wochen wieder mit dem Ball gearbeitet. Mannschaftsarzt und Physiotherapeuten hätten ebenfalls grünes Licht gegeben. Wenige Tage später bestätigte Trainer Niko Kovač, dass Schlotterbeck die Belastung gut verkraftet habe und wieder fit sowie einsatzbereit sei.
Wie schwer die Pause für ihn persönlich war, machte Schlotterbeck im nun veröffentlichten BVB-Interview deutlich. Die Wochen nach dem WM-Aus seien „extrem hart“ gewesen. Er bezeichnete sie zugleich als die bislang schwierigste Phase seiner Fußballkarriere.
Dabei ging es offenbar nicht allein um die körperliche Rehabilitation. Schlotterbeck erklärte, seine Stimmung leide deutlich, wenn er nicht Fußball spielen könne. Während der Reha im Juli und August trainierte er in größeren Teilen gemeinsam mit BVB-Kapitän Emre Can, der sich von einem Kreuzbandriss erholte. Sein Ziel sei gewesen, möglichst schnell zurückzukehren und der Mannschaft wieder Stabilität zu geben.
Dass ihm insbesondere der Wettkampf fehlte, hatte Schlotterbeck bereits direkt nach seinem Comeback beschrieben. Fußball sei für ihn mit einem starken Adrenalinkick verbunden. Im Interview vom Freitag erklärte er erneut, dass ihm die Spiele vor den Fans und das Gefühl auf dem Platz gefehlt hätten.
Schlotterbeck wurde am 1. Dezember 1999 geboren, ist 26 Jahre alt und spielt als Innenverteidiger. Er wechselte 2022 vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund. In der Saison 2025/26 kam er laut offiziellem BVB-Spielerprofil auf 28 Bundesliga-Einsätze und verbuchte dabei sieben Scorerpunkte.
Über alle beim DFB erfassten Vereinswettbewerbe hinweg absolvierte Schlotterbeck in der Saison 2025/26 außerdem zwei Partien im DFB-Pokal und sieben Begegnungen in der Champions League. Damit kam er in diesen drei Wettbewerben zusammen auf 37 Einsätze.
Seine langfristige Bedeutung für Dortmund wurde bereits Monate vor der Verletzung deutlich. Am 10. April verlängerte der BVB den Vertrag des Nationalspielers bis 2031. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schlotterbeck seit seinem Wechsel nach Dortmund 155 Pflichtspiele für den Klub bestritten. Geschäftsführer Carsten Cramer erklärte damals, Schlotterbeck habe für Borussia Dortmund sowohl sportlich als auch als Persönlichkeit einen großen Wert.
Schlotterbecks Rückkehr verändert zugleich die Möglichkeiten von Trainer Niko Kovač in der Innenverteidigung. Der BVB hatte bereits im Frühjahr erklärt, sich auf dieser Position mit Schlotterbeck, Waldemar Anton und Ramy Bensebaini erfahren und gut besetzt zu sehen. Gleichzeitig sollen jüngere Spieler wie Filippo Mane und Luca Reggiani Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.
Hinzu kommt Joane Gadou. Der Innenverteidiger wechselte im Sommer 2026 nach Dortmund und unterschrieb ebenfalls einen langfristigen Vertrag bis 2031. Schlotterbeck spielte bei seinem Comeback bereits gemeinsam mit dem Neuzugang und lobte ihn anschließend ausdrücklich. Gadou habe für ihn bereits „höchste Klasse“.
Der aktuelle Dortmunder Kader unterstreicht den Konkurrenzkampf. Neben Schlotterbeck gehören Anton, Bensebaini, Gadou und Mane zum Aufgebot, zudem kann Emre Can defensiv eingesetzt werden. Im Champions-League-Kader stehen mit Luca Reggiani und weiteren jungen Spielern zusätzliche Optionen bereit.
Schlotterbeck nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Er ist deutscher Nationalspieler, besitzt einen Vertrag bis 2031 und führte Dortmund bei seinem ersten Einsatz nach der Verletzung sofort als Kapitän auf den Platz. Der Klub hat ihn damit nicht nur kurzfristig für die Defensive eingeplant, sondern langfristig gebunden. Seine Rückkehr nach 84 Tagen gibt dem BVB wieder eine seiner zentralen defensiven Kräfte zurück.
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