
Im Landtag von Sachsen-Anhalt ist es zu einer scharfen verbalen Auseinandersetzung zwischen AfD-Politiker Ulrich Siegmund und ZDF-Reporter Fabian Köster gekommen. Der Politiker sprach den Mitarbeiter der Satiresendung „heute-show“ auf dessen berufliche Zukunft an und verwies auf die Pläne seiner Partei für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Köster reagierte mit kritischen Fragen zur AfD. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag, 6. Oktober 2026, nach der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags in Magdeburg.
Das Gespräch zwischen Siegmund und Köster wurde von mehreren Kameras festgehalten. Ausschnitte verbreiteten sich bereits vor einer möglichen Ausstrahlung im ZDF über verschiedene Videoplattformen. Unter anderem veröffentlichten AfD-nahe Kanäle Aufnahmen der Begegnung.
Köster, der für die politische Satiresendung „heute-show“ regelmäßig Politiker mit zugespitzten Fragen konfrontiert, sprach Siegmund unter anderem auf Vorgänge innerhalb der AfD an. Dabei ging es auch um umstrittene Beschäftigungsverhältnisse im Umfeld von Abgeordneten. Siegmund reagierte auf die Fragen zunächst mit Gegenfragen, bevor sich das Gespräch zunehmend auf den Reporter selbst verlagerte.
Die beiden waren bereits im August während des Landtagswahlkampfs in Oranienbaum aufeinandergetroffen. Schon damals hatten sie über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Politik der AfD diskutiert.
Im aktuellen Wortwechsel fragte Siegmund den Reporter, ob dieser sich bereits einen anderen Arbeitsplatz gesucht habe. Hintergrund war die Ankündigung der AfD, nach einer möglichen Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt den Medienstaatsvertrag kündigen zu wollen.
Köster antwortete mit einer ironischen Bemerkung über Beschäftigungsverhältnisse innerhalb der AfD. Damit spielte er auf Fälle an, in denen Abgeordnete Angehörige oder Partner anderer Parteimitglieder beschäftigt hatten. Auch die Besetzung politischer Mitarbeiterstellen wurde anschließend zum Thema.
Im weiteren Verlauf stellte Siegmund die politische Sachkenntnis seines Gesprächspartners infrage. Zudem rückte er näher an Köster heran, legte einen Arm um ihn und erkundigte sich nach dessen Nervosität. Der AfD-Politiker verband seine Aussagen mit einem Hinweis auf die veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt.
Schließlich stellte Siegmund dem Reporter scherzhaft eine mögliche Tätigkeit als Pressesprecher in Aussicht. Auch Köster reagierte mehrfach mit ironischen Kommentaren. Eine tatsächliche Beschäftigung oder ein konkretes Stellenangebot stand dabei nicht zur Debatte.
Die Begegnung fand an einem politisch bedeutenden Tag statt. Nach der Landtagswahl vom 6. September 2026 ist die AfD mit 43,8 Prozent der Zweitstimmen und 39 der insgesamt 83 Mandate die stärkste Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt.
Bei der konstituierenden Sitzung am 6. Oktober wurde der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch mit 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt. Er ist damit der erste AfD-Politiker in Deutschland, der dieses Amt übernimmt. Fünf Abgeordnete enthielten sich, 29 stimmten gegen ihn.
Da AfD und Bündnis Sahra Wagenknecht zusammen über 44 Mandate verfügen, erhielt Rausch mindestens vier Stimmen aus anderen Fraktionen. Wegen der geheimen Abstimmung lässt sich nicht feststellen, welche Abgeordneten ihn zusätzlich unterstützten.
Siegmund selbst strebt das Amt des Ministerpräsidenten an. Er hat angekündigt, sich im Dezember zur Wahl stellen zu wollen. Für eine absolute Mehrheit im 83 Sitze umfassenden Landtag wären 42 Stimmen erforderlich. Seine Fraktion verfügt damit allein nicht über genügend Mandate.
Siegmunds Ankündigung gegenüber Köster berührt eine zentrale Forderung der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundlegend verändern und bestehende Staatsverträge kündigen.
Allerdings werden unterschiedliche Bereiche des Rundfunks durch verschiedene Verträge geregelt. Der Medienstaatsvertrag enthält gemeinsame Bestimmungen der Bundesländer. Daneben bestehen unter anderem der ZDF-Staatsvertrag sowie der Staatsvertrag für den Mitteldeutschen Rundfunk.
Der MDR wird gemeinsam von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getragen. Sein Staatsvertrag enthält eine Kündigungsmöglichkeit mit einer Frist von zwei Jahren. Eine rechtmäßige Kündigung durch Sachsen-Anhalt könnte deshalb Veränderungen für den regionalen Rundfunk nach sich ziehen, würde den Sender jedoch nicht sofort abschalten.
Für das ZDF gelten gesonderte Regelungen. Der bundesweit tätige Sender wird von allen 16 Bundesländern getragen. Selbst die Kündigung des ZDF-Staatsvertrags durch ein einzelnes Land würde das Vertragsverhältnis der übrigen Länder nicht automatisch beenden.
Eine Kündigung des Medienstaatsvertrags durch Sachsen-Anhalt hätte somit weder die unmittelbare Abschaffung des ZDF noch automatisch das Ende von Kösters Tätigkeit für die „heute-show“ zur Folge. Hinzu kommen die verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine staatsferne Rundfunkordnung.
Das ZDF hat sich zu Siegmunds Aussagen geäußert. Auf eine Anfrage von t-online erklärte der Sender, dass das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt keinen Einfluss auf die durch das Grundgesetz geschützte Rundfunkfreiheit habe.
Regierungen und Parteien könnten dem ZDF keine Vorgaben für seine Berichterstattung machen. Außerdem betonte der Sender, dass die Sicherheit seiner Mitarbeiter grundsätzlich hohe Priorität habe. Welche konkreten Schutzmaßnahmen bei der Begegnung zwischen Siegmund und Köster getroffen wurden, blieb offen.
Die Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. Das Bundesverfassungsgericht hat wiederholt festgestellt, dass staatliche Stellen zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen des Rundfunks gestalten dürfen, seine journalistischen Entscheidungen jedoch nicht politisch steuern können.
Damit besteht ein Unterschied zwischen der politischen Forderung nach einer Reform der Rundfunkordnung und einer direkten Einflussnahme auf die Arbeit einzelner Journalisten oder Sendungen.
Die erneute Konfrontation knüpft an eine Begegnung während des Wahlkampfs im August an. Damals hatte Köster den AfD-Spitzenkandidaten unter anderem zu dessen Vorstellungen über Zuwanderung und die Bekämpfung des Fachkräftemangels befragt.
Siegmund wiederum kritisierte die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und stellte Kösters Tätigkeit infrage. Auch diese Diskussion wurde gefilmt und anschließend auf verschiedenen Plattformen verbreitet.
Für Freitag, 9. Oktober 2026, hat das ZDF eine neue Ausgabe der „heute-show“ angekündigt. Die Sendung beginnt laut Programmankündigung um 22.30 Uhr und beschäftigt sich unter anderem mit den politischen Mehrheitsverhältnissen in Sachsen-Anhalt. Fabian Köster gehört zu den angekündigten Mitwirkenden. Ob die vollständige Begegnung mit Siegmund darin zu sehen sein wird, war zunächst nicht bestätigt.
Der jüngste Wortwechsel fällt damit in eine Phase, in der die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals den Landtagspräsidenten stellt und zugleich eine Regierungsübernahme anstrebt. Während Siegmund eine weitreichende Veränderung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fordert, verweist das ZDF auf die rechtlichen Grenzen staatlicher Einflussnahme.
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