Siemens Velaro: Italo bestellt 26 Schnellzüge

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der italienische Bahnbetreiber Italo macht seinen geplanten Einstieg in den deutschen Fernverkehr konkret. Italo Holding und Siemens Mobility haben am 20. Juli 2026 in München einen Vertrag über 26 neue Hochgeschwindigkeitszüge geschlossen. Bestellt wurde der Siemens Velaro Multi System, kurz Velaro MS. Zusätzlich sicherte sich Italo eine Option auf 14 weitere Einheiten. Zusammen mit einem langfristigen Wartungsvertrag erreicht der Siemens-Auftrag ein Volumen von rund drei Milliarden Euro. Der Betriebsstart in Deutschland ist für Mitte 2028 vorgesehen.

Velaro MS statt Velaro Novo

Bei dem aktuellen Auftrag geht es nicht um den neu entwickelten Velaro Novo, sondern um den bereits erprobten Velaro Multi System. Diese Mehrsystemvariante bildet auch die technische Grundlage des ICE 3neo, den Siemens Mobility für die Deutsche Bahn produziert. Die neue Italo-Flotte soll jedoch eine eigenständige Innenausstattung und ein eigenes Erscheinungsbild erhalten.

Die Bezeichnung Multi System verweist auf die Fähigkeit der Fahrzeuge, unter unterschiedlichen europäischen Stromsystemen zu fahren. Nach Angaben von Siemens unterstützen die bestellten Züge 1,5 und 3 Kilovolt Gleichstrom sowie 15 und 25 Kilovolt Wechselstrom. Damit sind die Fahrzeuge grundsätzlich für den Einsatz in mehreren europäischen Ländern geeignet, auch wenn Italo die erste Serie zunächst für den deutschen Markt bestellt hat.

Auftrag umfasst 26 Züge und 30 Jahre Wartung

Der fest vereinbarte Teil des Auftrags umfasst 26 achtteilige Velaro-MS-Züge. Über die Option könnte die Flotte später um weitere 14 Einheiten auf insgesamt 40 Züge wachsen. Ob und wann Italo diese Option nutzt, ist bislang nicht entschieden.

Siemens beziffert den Wert seines Vertrags mit Italo auf ungefähr drei Milliarden Euro. Darin enthalten sind neben den Fahrzeugen auch ein Full-Service-Vertrag über 30 Jahre sowie digitale Leistungen für die Überwachung und vorausschauende Instandhaltung der Flotte. Die Wartung soll im Siemens-Depot in Dortmund erfolgen. Eingesetzt werden unter anderem die digitale Plattform Railigent X und KI-basierte Auswertungen von Fahrzeugdaten.

Italo nennt für das gesamte Deutschlandprojekt eine Investitionssumme von 3,6 Milliarden Euro. Diese Summe umfasst neben dem Siemens-Vertrag auch die Einstellung und Ausbildung von rund 2.500 Beschäftigten einschließlich indirekt entstehender Arbeitsplätze sowie Investitionen in Bahnhöfe und IT-Systeme. Frühere Medienberichte hatten den reinen Fahrzeugkauf teilweise auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Eine entsprechende Aufteilung des inzwischen unterzeichneten Drei-Milliarden-Euro-Vertrags haben Siemens und Italo jedoch nicht offiziell bestätigt.

Bis zu 320 km/h und rund 450 Sitzplätze

Die neuen Siemens Velaro bestehen aus jeweils acht Wagen und sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Bei der Sitzplatzkapazität weichen die beiden offiziellen Mitteilungen geringfügig voneinander ab. Siemens spricht von ungefähr 440 Sitzplätzen pro Zug, während Italo eine Kapazität von 450 Plätzen nennt. Eine detaillierte Sitzplatzverteilung wurde noch nicht veröffentlicht.

Italo plant drei unterschiedliche Reisebereiche. Diese sollen unter den Bezeichnungen Club Executive, Prima Business und Smart angeboten werden. Darüber hinaus kündigt das Unternehmen einen Bistrobereich an. Für die Internetversorgung sollen sowohl 5G-Technik als auch eine satellitengestützte Starlink-Verbindung eingesetzt werden. Siemens bestätigt, dass die Züge bereits für die Integration entsprechender Starlink-Antennen vorbereitet werden.

Die Differenz zwischen den Angaben von 440 und 450 Plätzen könnte auf unterschiedliche Rundungen oder einen noch nicht vollständig abgeschlossenen Innenausbau zurückgehen. Eine offizielle Erklärung dafür liegt bislang nicht vor. Gesichert ist lediglich, dass die Kapazität bei ungefähr 450 Fahrgästen pro Einheit liegen soll.

Italo plant zwei große Korridore in Deutschland

Ab Mitte 2028 will die deutsche Italo-Gesellschaft zwei zentrale Fernverkehrskorridore bedienen. Die erste Verbindung soll von München über Köln nach Dortmund führen. Als zweite Achse ist eine Verbindung von München über Berlin nach Hamburg vorgesehen. Insgesamt sollen 18 Städte an ein rund 1.300 Kilometer langes Netz angeschlossen werden. Italo kündigt 50 Zugfahrten pro Tag an.

Frühere Berichte beschrieben für den Korridor München–Köln–Dortmund einen Stundentakt. Auf der Verbindung München–Berlin–Hamburg war demnach ein Zweistundentakt vorgesehen. Für die westliche Strecke wurde außerdem Frankfurt als wichtiger Zwischenhalt genannt. Eine vollständige Liste aller 18 Bahnhöfe und ein endgültiger Fahrplan sind von Italo bislang nicht veröffentlicht worden.

Noch im Frühjahr 2026 war in einzelnen Berichten von bis zu 56 täglichen Verbindungen und einem möglichen Start im April 2028 die Rede. Die aktuelle offizielle Mitteilung nennt dagegen 50 tägliche Fahrten und einen Betriebsbeginn ab Mitte 2028. Diese neueren Angaben sind daher als aktueller Planungsstand maßgeblich.

Produktion der Velaro-Züge erfolgt in Krefeld

Gebaut und montiert werden die neuen Hochgeschwindigkeitszüge im Siemens-Mobility-Werk in Krefeld. Der Standort produziert bereits Velaro-MS-Fahrzeuge für die Deutsche Bahn. Für die langfristige Instandhaltung der Italo-Flotte ist dagegen das Siemens-Depot in Dortmund vorgesehen.

Der Vertrag wurde am 20. Juli 2026 unterzeichnet. Einen konkreten Termin für den Produktionsbeginn, die Fertigstellung des ersten Wagenkastens oder die Übergabe des ersten Zuges haben Siemens und Italo noch nicht genannt. Auch ein genauer Lieferplan für alle 26 Fahrzeuge ist nicht veröffentlicht worden.

Da Italo den Fahrgastbetrieb Mitte 2028 aufnehmen will, müssen die ersten Züge rechtzeitig zuvor fertiggestellt, getestet und für den deutschen Einsatz zugelassen werden. Diese zeitliche Schlussfolgerung ergibt sich aus dem geplanten Betriebsstart, stellt aber keinen offiziell bestätigten Auslieferungstermin dar. Angaben, nach denen die ersten Züge bereits im April 2028 eingesetzt werden könnten, stammen aus früheren Berichten und wurden in der aktuellen Vertragsmeldung nicht wiederholt.

Entscheidung der Bundesnetzagentur ebnete den Weg

Unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung hatte die Bundesnetzagentur am 17. Juli 2026 ihre endgültige Entscheidung zu den Wettbewerbsbedingungen auf stark ausgelasteten Fernverkehrsstrecken veröffentlicht. Bei Konflikten um knappe Kapazitäten darf DB InfraGO auf bestimmten Abschnitten künftig nur noch 60 bis 75 Prozent der verfügbaren Fernverkehrstrassen an ein einzelnes Bahnunternehmen vergeben. Dadurch soll mindestens ein konkurrierender Betreiber tatsächlich zum Zug kommen können.

Die Regelung soll für die Erstellung des Netzfahrplans 2028 gelten, die bereits im Jahr 2027 beginnt. Besonders wichtige Knoten wie München und Frankfurt dürften dann ebenfalls von Kapazitätsbeschränkungen betroffen sein. Italo hatte eine verlässlichere Vergabe von Trassen zur Voraussetzung für seine Milliardeninvestition gemacht. Nach der Entscheidung konnte der zuvor vorbereitete Siemens-Vertrag abgeschlossen werden.

Offiziell bestätigt sind damit die Fahrzeugvariante Velaro MS, 26 fest bestellte Züge, die Option auf 14 weitere Einheiten, der Vertragswert von rund drei Milliarden Euro, 320 Kilometer pro Stunde, ungefähr 440 bis 450 Sitzplätze, die Montage in Krefeld und die Wartung in Dortmund. Noch offen bleiben der genaue Produktionsbeginn, die einzelnen Liefertermine, der vollständige Fahrplan und die Liste aller vorgesehenen Halte.

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