
Die Spritpreise in Deutschland sind Anfang November 2026 erneut gesunken. Trotz der Entspannung zahlen Autofahrer für Benzin und Diesel weiterhin deutlich mehr als vor Beginn des Iran-Kriegs. Besonders Diesel bleibt teuer. Gleichzeitig sorgen die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten für erhebliche Schwankungen am internationalen Ölmarkt. Der ADAC sieht bei den Kraftstoffpreisen weiteren Spielraum nach unten.
Am Donnerstag, 5. November 2026, kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 2,034 Euro. Für Super E5 wurden durchschnittlich 2,091 Euro verlangt. Diesel lag bei 2,271 Euro je Liter. Die Werte stammen aus einer Auswertung der gemeldeten Tankstellenpreise durch das Portal kraftstoffbilliger.de auf Grundlage der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Datenstand war 16:08 Uhr.
Damit bleibt Diesel rund 24 Cent je Liter teurer als Super E10. Die tatsächlichen Preise unterscheiden sich je nach Tankstelle und Tageszeit teilweise erheblich.
Bereits am Mittwoch hatte der ADAC einen Rückgang der durchschnittlichen Kraftstoffpreise gegenüber der Vorwoche festgestellt. Super E10 verbilligte sich um 4,3 Cent auf 2,041 Euro. Diesel wurde um 2,9 Cent günstiger und kostete im bundesweiten Mittel 2,260 Euro je Liter. Der Automobilclub hält weitere Preisnachlässe angesichts der jüngsten Entwicklung am Rohölmarkt für möglich.
Die aktuellen Spritpreise liegen unter den Höchstständen aus dem September. Damals hatten Benzin und Diesel im Zuge der internationalen Energiekrise neue Rekordwerte erreicht. Nach Berechnungen des ADAC kostete Super E10 im September durchschnittlich 2,266 Euro je Liter. Für Diesel wurden im Monatsmittel 2,386 Euro verlangt.
Im Oktober gingen die Preise wieder zurück. Super E10 kostete durchschnittlich 2,114 Euro und damit 15,2 Cent weniger als im September. Bei Diesel lag der Rückgang bei 12,5 Cent auf 2,261 Euro je Liter. Maßgeblich dazu beigetragen hat die erneute Senkung der Energiesteuer zum 1. Oktober.
Die finanziellen Auswirkungen bleiben dennoch erheblich. Schon ein Preisunterschied von 20 Cent je Liter führt bei einer Tankfüllung von 50 Litern zu Mehrkosten von zehn Euro. Für Berufspendler, Speditionen und andere Unternehmen mit hohem Kraftstoffbedarf können sich entsprechende Preisunterschiede deutlich bemerkbar machen.
Eine wesentliche Ursache für das hohe Preisniveau ist der seit Ende Februar 2026 andauernde Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die militärischen Auseinandersetzungen haben den internationalen Ölhandel erheblich beeinträchtigt. Besonders die Straße von Hormus ist von Bedeutung, weil unter normalen Bedingungen etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels über diese Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean abgewickelt wird.
Zuletzt hat sich die Situation am Rohölmarkt jedoch teilweise entspannt. Anfang November fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent deutlich. Nach Angaben des ADAC lag der Ölpreis am 3. November zum Handelsschluss bei rund 104 US-Dollar.
Am Donnerstag setzte zunächst eine Gegenbewegung ein. Laut Reuters wurde Brent am 5. November gegen 15:17 Uhr mit 97,56 US-Dollar je Barrel gehandelt. Das entsprach einem Anstieg von rund 3,1 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Am Mittwoch waren die Ölnotierungen um mehr als acht Prozent gefallen.
Die starken Schwankungen verdeutlichen, wie empfindlich der Markt auf Veränderungen der politischen und militärischen Lage reagiert. Neben der verfügbaren Rohölmenge beeinflussen auch Transportkosten, Raffineriekapazitäten und der internationale Handel mit fertigen Kraftstoffen die Preise.
Zusätzliche Risiken entstehen durch Angriffe auf die Energieinfrastruktur Saudi-Arabiens. Im September war die wichtige Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen vorübergehend außer Betrieb genommen worden. Sie transportiert Rohöl zum Hafen Yanbu am Roten Meer und ermöglicht Saudi-Arabien, die gefährdete Route durch die Straße von Hormus teilweise zu umgehen.
Nach der Wiederaufnahme des Pipelinebetriebs Ende September konnten die Ölexporte über Yanbu fortgesetzt werden. Saudi Aramco bestätigte Anfang November im Zusammenhang mit seinen Geschäftszahlen, dass die Leitung wieder genutzt wird.
Am 5. November meldete Saudi-Arabien erneut Sicherheitswarnungen für Yanbu. Hintergrund waren anhaltende Angriffe der Huthi im Jemen. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition erklärte, eine in Richtung Medina abgefeuerte Rakete abgefangen zu haben. Die Huthi hatten außerdem für den Vortag einen Angriff auf den internationalen Flughafen von Riad beansprucht. Eine Bestätigung durch saudische Behörden lag dafür zunächst nicht vor.
Die Entwicklung verdeutlicht die Bedeutung sicherer Transportwege für die globale Ölversorgung. Auch wenn Deutschland nur einen vergleichsweise geringen Teil seines Rohöls unmittelbar aus dem Nahen Osten bezieht, wirken sich internationale Lieferstörungen auf die Weltmarktpreise aus.
Neben dem Ölpreis steht die Preisbildung an deutschen Tankstellen weiterhin in der Kritik. Die Bundesregierung hatte die Energiesteuer auf Benzin und Diesel zum 1. Oktober um gut 14 Cent je Liter gesenkt. Einschließlich der Umsatzsteuer entspricht dies einer rechnerischen Entlastung von rund 17 Cent je Liter. Die Maßnahme ist bis Ende Dezember 2026 befristet.
Das Bundeskartellamt veröffentlichte am 4. November erste Berechnungen zur Weitergabe der Steuersenkung. Demnach lag die geschätzte Weitergabequote im Oktober bei rund 90 Prozent für Diesel und rund 60 Prozent für Benzin. Die Behörde betonte allerdings, dass die Berechnungen aufgrund unterschiedlicher Einflussfaktoren schwierig seien und weiter geprüft werden müssten.
Zu abweichenden Ergebnissen kam das Münchner ifo Institut. Dessen Untersuchung vom 22. Oktober zeigte für die ersten drei Wochen des Tankrabatts eine durchschnittliche Entlastung von etwa 16 Cent bei Super E5 sowie jeweils 14 Cent bei E10 und Diesel. Die unterschiedliche Methodik und die jeweiligen Untersuchungszeiträume erschweren einen unmittelbaren Vergleich der Ergebnisse.
Die Mineralölwirtschaft weist Kritik an der Weitergabe zurück. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte bereits Ende September, die Steuersenkung werde vollständig an die Kunden weitergegeben. Der Verband verweist darauf, dass sich neben den Steuersätzen auch die Beschaffungskosten für Benzin und Diesel verändern.
Der ADAC bewertet die Kraftstoffpreise trotz der jüngsten Rückgänge weiterhin als zu hoch. Insbesondere bei Diesel sieht der Automobilclub angesichts des gesunkenen Rohölpreises Spielraum für günstigere Preise.
Zugleich fordert der ADAC die Abschaffung der seit April geltenden sogenannten 12-Uhr-Regel. Diese erlaubt Tankstellen, ihre Kraftstoffpreise nur einmal täglich um 12 Uhr zu erhöhen. Preissenkungen sind dagegen jederzeit möglich.
Nach Einschätzung des Automobilclubs hat die Regelung zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen reduziert, zugleich aber die Preisunterschiede innerhalb eines Tages vergrößert. Besonders unmittelbar nach der mittäglichen Erhöhung müssen Autofahrer häufig deutlich mehr bezahlen.
Auch die Bundesregierung beschäftigt sich mit weiteren Eingriffen in den Kraftstoffmarkt. Geplant ist ein vorübergehender Spritpreisdeckel nach Vorbildern aus Luxemburg und Belgien, der spätestens zum 1. Januar 2027 eingeführt werden soll. Die genaue Ausgestaltung ist noch Gegenstand der politischen Abstimmung. Der Branchenverband en2x lehnt staatliche Preisobergrenzen mit Verweis auf mögliche Folgen für Wettbewerb und Versorgungssicherheit ab.
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt sammelt fortlaufend die gemeldeten Preise von rund 15.000 Tankstellen in Deutschland. Preisänderungen für Super E5, Super E10 und Diesel müssen innerhalb von fünf Minuten übermittelt werden. Diese Daten bilden die Grundlage zahlreicher Tankstellen-Apps und Preisvergleichsportale.
Das Bundeskartellamt überwacht darüber hinaus die Entwicklung des Kraftstoffmarkts und untersucht mögliche Wettbewerbsprobleme. Allein ein hoher Kraftstoffpreis stellt allerdings noch keinen Nachweis für einen kartellrechtlichen Verstoß dar.
Für Autofahrer empfiehlt der ADAC weiterhin, Preise vor dem Tanken zu vergleichen und nach Möglichkeit kurz vor 12 Uhr eine Tankstelle anzufahren. Dann liegen die Preise im Tagesverlauf häufig besonders niedrig. Auch die Wahl von Super E10 anstelle des teureren E5 kann Kosten sparen, sofern der Fahrzeughersteller den Kraftstoff freigegeben hat.
Trotz der jüngsten Entspannung bleibt die weitere Entwicklung der Spritpreise eng mit dem internationalen Ölmarkt verbunden. Entscheidend sind neben der militärischen Lage im Nahen Osten insbesondere die Verfügbarkeit von Rohöl und Kraftstoffen sowie die Entwicklung der Großhandelspreise.
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