Benzin und Diesel bleiben teuer: Neue Angriffe bewegen den Ölmarkt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Spritpreise in Deutschland bleiben nur wenige Tage nach neuen historischen Höchstständen auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Nach der jüngsten Auswertung des ADAC kostete Super E10 am Dienstag, 22. September 2026, im bundesweiten Durchschnitt 2,267 Euro je Liter. Für Diesel waren es 2,428 Euro. Damit lagen beide Kraftstoffsorten etwas unter ihren Rekordwerten vom 17. September, als Super E10 2,308 Euro und Diesel 2,471 Euro je Liter erreichten.

Der Benzinpreis auf Rekordhoch ist damit zwar kein Ereignis dieses Wochenendes. Die Ursachen für die hohen Kraftstoffpreise bleiben jedoch aktuell. Der internationale Ölmarkt reagiert weiterhin empfindlich auf militärische Entwicklungen im Nahen Osten. Angriffe auf Saudi-Arabien, Probleme an wichtigen Öltransportwegen und die eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus halten das Risiko von Lieferausfällen hoch.

Super E10 und Diesel bleiben nahe ihren Höchstständen

Im Wochenvergleich hatte sich Super E10 zuletzt etwas verbilligt. Nach Angaben des ADAC lag der Preis am 22. September 3,3 Cent je Liter unter dem Wert eine Woche zuvor. Diesel verteuerte sich dagegen innerhalb einer Woche noch um 0,6 Cent. Die Entspannung gegenüber den Rekordständen fiel damit begrenzt aus.

Der bisherige Höhepunkt wurde am 17. September erreicht. Besonders auffällig ist das Niveau beim Diesel. Mit 2,471 Euro je Liter lag der bundesweite Durchschnitt damals über dem bisherigen Dieselrekord vom 7. April 2026. Auch Super E10 erreichte einen neuen Höchstwert.

Der Kraftstoffpreis an deutschen Tankstellen hängt nicht allein vom Rohölpreis ab. Eine Rolle spielen außerdem die Preise für fertige Kraftstoffe auf den internationalen Märkten, Raffineriekapazitäten, Transportkosten, Steuern sowie der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar. Rohöl wird international überwiegend in Dollar gehandelt.

Ölpreis steigt nach Angriffen und gibt anschließend wieder nach

Wie nervös der Ölmarkt derzeit reagiert, zeigte sich in den vergangenen Tagen. Am Donnerstag, 24. September, stieg die Nordseesorte Brent um 3,4 Prozent auf einen Schlusskurs von 106,60 US-Dollar je Barrel. Auslöser waren neue Sorgen um die Versorgung, nachdem Saudi-Arabien nach eigenen Angaben sechs ballistische Raketen der vom Iran unterstützten Huthi abgefangen hatte. Betroffen waren demnach Angriffe in Richtung Taif und der Region Yanbu am Roten Meer.

Bereits am Freitag änderte sich das Bild wieder. Brent gab um 2,1 Prozent nach und schloss bei 104,32 Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte West Texas Intermediate sank um 2,3 Prozent auf 92,41 Dollar. Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran überwogen zeitweise die Sorgen vor weiteren Angriffen auf die saudische Energieinfrastruktur.

Der Ölpreis bewegte sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau, allerdings nicht in einer durchgehenden Aufwärtsbewegung. Die täglichen Ausschläge zeigen, wie stark militärische Nachrichten und mögliche diplomatische Lösungen derzeit auf die Preise wirken.

Beschädigte saudische Pipeline läuft wieder eingeschränkt

Ein weiterer Faktor ist die Lage an der saudischen Ost-West-Pipeline. Die wichtige Verbindung war nach einem Drohnenangriff am 11. September geschlossen worden. Saudi-Arabien machte irakische Milizen für den Angriff verantwortlich. Drei Pumpstationen wurden nach Angaben aus der Ölindustrie und der Auswertung von Satellitenbildern beschädigt.

Die Pipeline ist für den Weltölmarkt besonders wichtig, weil Saudi-Arabien über sie Rohöl zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportieren und damit die Straße von Hormus umgehen kann. Zuletzt wurden über diese Route rund vier Millionen Barrel Öl pro Tag transportiert. Das entspricht ungefähr vier Prozent des weltweiten Ölangebots.

Am 22. September nahm Saudi-Arabien den Betrieb der Pipeline wieder auf, zunächst allerdings mit reduzierter Leistung. Eine vollständige Wiederherstellung der Kapazität könnte mehrere Wochen beanspruchen. Die Nachricht über den Neustart hatte die Ölpreise zwischenzeitlich deutlich gedrückt.

Neue Huthi-Angriffe erhöhen die Unsicherheit

Die Sicherheitslage bleibt dennoch angespannt. In der Nacht zum Samstag, 26. September, erklärte die von Saudi-Arabien geführte Koalition im Jemen, zwei ballistische Raketen und zwei Drohnen der Huthi abgefangen zu haben. Die Raketen seien in Richtung Khamis Mushait unterwegs gewesen, die Drohnen in Richtung Riad. Über Schäden durch diese abgefangenen Flugkörper lagen zunächst keine Angaben vor.

Bereits zuvor hatten die Huthi wiederholt Ziele in Saudi-Arabien sowie Schiffe im Roten Meer angegriffen. Angriffe auf Energieanlagen und wichtige Verkehrswege können am Ölmarkt schon durch die Gefahr möglicher Lieferunterbrechungen deutliche Preisausschläge auslösen. Das gilt besonders, weil gleichzeitig der Verkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigt ist. Vor Beginn des aktuellen Konflikts wurden durch diese Meerenge rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots transportiert.

Warum sich niedrigere Ölpreise nicht sofort an der Tankstelle zeigen

Dass Brent am Freitag wieder günstiger wurde, bedeutet nicht automatisch, dass Benzin und Diesel in Deutschland unmittelbar im gleichen Umfang billiger werden. Der ADAC hatte bereits bei seiner jüngsten Auswertung darauf hingewiesen, dass der zuvor gesunkene Rohölpreis nur teilweise an den Zapfsäulen angekommen sei.

Neben Rohöl beeinflussen insbesondere die Preise auf den europäischen Kraftstoffmärkten die Entwicklung. Beim Diesel ist die internationale Versorgung besonders angespannt. Ausfälle und Einschränkungen von Raffinerien sowie Störungen bei Energieexporten wirken sich deshalb stärker auf den Produktpreis aus als eine einzelne Bewegung beim Rohöl.

Für Autofahrer bleibt die Lage deshalb zunächst von hohen Preisen und starken Schwankungen geprägt. Die Werte vom 17. September markieren weiterhin die bisherigen Allzeithochs. Ob sie erneut erreicht oder überschritten werden, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten, den tatsächlichen Ölströmen aus der Golfregion und der Preisentwicklung auf den internationalen Rohöl- und Kraftstoffmärkten ab.

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