
Deutschland gehört weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen für private Haushalte. In einer internationalen Auswertung für das zweite Quartal 2026 liegt die Bundesrepublik auf Rang vier von 144 untersuchten Ländern. Zugleich zeigen amtliche Daten für Deutschland und die Europäische Union, dass das Preisniveau auch nach dem Rückgang von den Spitzenständen der Energiekrise deutlich über dem Niveau früherer Jahre liegt.
Der internationale Vergleich beruht auf einer Analyse des Vergleichsportals Verivox mit Daten des Energiedatendienstes GlobalPetrolPrices. Demnach lag der für den Vergleich ermittelte Haushaltsstrompreis in Deutschland im zweiten Quartal 2026 bei durchschnittlich 35,6 Cent je Kilowattstunde. Höhere Werte wurden für Irland mit 42,6 Cent, Bermuda mit 38,8 Cent und Belgien mit 37,4 Cent je Kilowattstunde ausgewiesen.
Bei der Einordnung der Zahlen ist die Erhebungsmethode entscheidend. GlobalPetrolPrices sammelt Stromtarife aus mehr als 140 Ländern. Berücksichtigt werden nach Angaben des Datendienstes unter anderem Energiekosten, Netzkosten, Steuern und Gebühren. In liberalisierten Märkten fließen Tarife großer Anbieter sowie Angaben von Regulierungsbehörden ein. Die Daten werden nach Marktanteilen und teilweise regional gewichtet.
Als Referenz verwendet GlobalPetrolPrices für private Haushalte den durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch des jeweiligen Landes. Dadurch wird nicht überall dieselbe Verbrauchsmenge miteinander verglichen. Auch unterschiedliche Tarifstrukturen, staatliche Zuschüsse und Wechselkurse beeinflussen die Rangfolge. Die Platzierung ist deshalb ein internationaler Preisindikator, aber keine amtliche Statistik mit weltweit vollständig einheitlicher Erhebungsmethode.
Für Europa stehen mit Eurostat besser harmonisierte Vergleichsdaten zur Verfügung. Danach lag Deutschland im ersten Halbjahr 2025 mit 38,35 Euro je 100 Kilowattstunden an der Spitze der EU. Im zweiten Halbjahr 2025 erreichte Irland mit 40,42 Euro je 100 Kilowattstunden den höchsten Wert. Deutschland folgte mit 38,69 Euro, vor Belgien mit 34,99 Euro. Der Durchschnitt der Europäischen Union lag im zweiten Halbjahr bei 28,96 Euro je 100 Kilowattstunden.
Damit bestätigt auch die amtliche europäische Statistik, dass die Strompreise für Haushalte in Deutschland im europäischen Vergleich besonders hoch sind.
Die deutschen Zahlen des Statistischen Bundesamtes fallen noch höher aus als der Wert aus dem internationalen Vergleich. Nach Destatis zahlten private Haushalte im zweiten Halbjahr 2025 im Durchschnitt 40,55 Cent je Kilowattstunde einschließlich Steuern, Abgaben und Umlagen.
Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 war das ein Anstieg um 1,6 Prozent. Verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2024 sank der Durchschnittspreis dagegen um 1,6 Prozent. Damals hatte er bei 41,20 Cent je Kilowattstunde gelegen. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2021 war Haushaltsstrom Ende 2025 noch 23,4 Prozent teurer.
Dass Destatis für Deutschland 40,55 Cent und die internationale Auswertung für das zweite Quartal 2026 35,6 Cent ausweist, ist kein Widerspruch. Zeitraum, Verbrauchsannahmen, berücksichtigte Tarife und Gewichtungsverfahren unterscheiden sich. Die Werte dürfen deshalb nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.
Auch die Bundesnetzagentur arbeitet mit einer eigenen Abgrenzung. Für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden ermittelte sie zum Stichtag 1. April 2025 einen durchschnittlichen Strompreis von 40,05 Cent je Kilowattstunde.
Der deutsche Haushaltsstrompreis besteht im Wesentlichen aus drei großen Kostenblöcken. Dazu gehören erstens Strombeschaffung, Vertrieb und die Marge des Lieferanten. Zweitens fallen Kosten für Stromnetze, Messung und Messstellenbetrieb an. Drittens kommen Steuern, Abgaben und Umlagen hinzu.
Nach dem Monitoringbericht der Expertenkommission entfielen 2025 rund 40 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises auf Beschaffung und Vertrieb. Rund 28 Prozent entfielen auf Netzentgelte und etwa 32 Prozent auf Steuern, Abgaben und Umlagen.
Zu den staatlich bestimmten Bestandteilen gehören unter anderem die Umsatzsteuer und die Stromsteuer. Hinzu kommen die Konzessionsabgabe, die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, die Offshore-Netzumlage und der Aufschlag für besondere Netznutzung.
Die frühere EEG-Umlage wird dagegen seit Juli 2022 nicht mehr unmittelbar über die Stromrechnung der Verbraucher finanziert. Die Förderung erneuerbarer Energien wird inzwischen aus staatlichen Mitteln getragen.
Die Netzentgelte haben in den vergangenen Jahren zugleich an Bedeutung gewonnen. Nach Angaben der Expertenkommission stiegen sie von durchschnittlich 7,73 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2021 auf 10,95 Cent im Jahr 2025. Gegenüber 2024 gingen sie allerdings wieder um rund einen halben Cent zurück.
Die Entwicklung der einzelnen Preisbestandteile verlief zuletzt unterschiedlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Kosten für Energiebeschaffung und Vertrieb im zweiten Halbjahr 2025 um 8,6 Prozent unter dem Stand des zweiten Halbjahres 2024. Auch die Netzentgelte gingen im Jahresvergleich um 1,4 Prozent zurück.
Gleichzeitig erhöhten sich Steuern, Abgaben und Umlagen um 8,3 Prozent. Destatis führte dies vor allem auf die seit Anfang 2025 höhere Offshore-Netzumlage und den gestiegenen Aufschlag für besondere Netznutzung zurück. Dadurch kam der Rückgang bei Beschaffung und Netzen nur teilweise bei der gesamten Stromrechnung an.
Langfristig hat sich die Zusammensetzung deutlich verändert. 2021 machten Steuern, Abgaben und Umlagen noch mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises aus. Nach dem Wegfall der EEG-Umlage sank dieser Anteil erheblich. Dafür spielen Beschaffungskosten und Netzentgelte inzwischen eine größere Rolle.
Seit Januar 2026 greift eine weitere staatliche Entlastung. Der Bund stellt für das laufende Jahr 6,5 Milliarden Euro bereit, um einen Teil der Übertragungsnetzkosten zu übernehmen. Der Zuschuss aus dem Klima- und Transformationsfonds senkt die Kosten, die über die Netzentgelte auf Stromkunden umgelegt werden.
Nach Angaben der Bundesregierung kann die Entlastung bei einem privaten Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden rechnerisch rund 100 Euro im Jahr erreichen. Wie stark eine einzelne Stromrechnung tatsächlich sinkt, hängt unter anderem vom regionalen Verteilnetz und vom jeweiligen Vertrag ab.
Eine allgemeine Senkung der Stromsteuer für private Haushalte gehört dagegen nicht zu den beschlossenen Maßnahmen. Der seit 2026 dauerhaft geltende EU-Mindeststeuersatz bei der Stromsteuer betrifft rund 600.000 Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Auch über 2026 hinaus soll der Staat die Netzkosten dämpfen. Anfang September 2026 beschloss das Bundeskabinett Regelungen für Bundeszuschüsse in den Jahren 2027 bis 2029. Vorgesehen sind nach Angaben der Bundesregierung jährlich 5,525 Milliarden Euro für die Übertragungsnetzkosten. Das Gesetzgebungsverfahren ist damit noch nicht vollständig abgeschlossen.
Die staatlichen Maßnahmen verändern nichts daran, dass deutsche Privathaushalte im internationalen Vergleich weiterhin außergewöhnlich hohe Strompreise zahlen. Die weltweite Rangliste und die amtlichen Eurostat-Daten beruhen zwar auf unterschiedlichen Methoden, weisen aber in dieselbe Richtung.
Wie stark sich die Entlastung der Netzentgelte im gesamten durchschnittlichen Haushaltsstrompreis des Jahres 2026 niederschlägt, lässt sich mit amtlichen Destatis-Halbjahresdaten noch nicht abschließend beurteilen. Die aktuellsten vollständig veröffentlichten Durchschnittswerte des Statistischen Bundesamtes beziehen sich auf das zweite Halbjahr 2025.
Fest steht bereits, dass die Belastung gegenüber den Höchstständen der Energiekrise zurückgegangen ist, der Abstand zum Preisniveau vor 2022 aber weiterhin groß bleibt. Ob Deutschland in künftigen internationalen Vergleichen deutlich zurückfällt, hängt nicht allein von den deutschen Netzentgelten und Abgaben ab. Auch Großhandelspreise, Tarifentwicklung, Wechselkurse und politische Eingriffe in anderen Ländern beeinflussen die Rangfolge.
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