
Über der russischen Region Kursk sollen zwei moderne Kampfjets vom Typ Su-35S in der Luft zusammengestoßen sein. Russische Militärkanäle verbreiteten die Meldung am Montagabend, am Dienstag wurde sie von mehreren Medien aufgegriffen. Eine offizielle Bestätigung durch das russische Verteidigungsministerium lag zunächst nicht vor. Damit sind sowohl der genaue Ablauf als auch die Folgen des mutmaßlichen Zwischenfalls weiterhin nicht abschließend gesichert.
Die ersten Angaben kamen aus dem russischen, militärnahen Telegram-Umfeld. Der auf Militärluftfahrt spezialisierte Kanal Fighterbomber berichtete von einem Zusammenstoß zweier Su-35S in der Region Kursk. Auch weitere russische Kanäle und Regionalmedien griffen die Darstellung auf. Nach diesen Berichten soll sich der Vorfall am Abend des 7. September ereignet haben.
Zu einem möglichen Absturzort verbreiteten sich anschließend Bilder, deren Zusammenhang mit dem gemeldeten Zwischenfall zunächst nicht unabhängig bestätigt werden konnte. Genaue Angaben zu Ort, Flughöhe oder Flugauftrag der Maschinen lagen ebenfalls nicht vor.
Auch zur Ursache gibt es bislang keine gesicherten Informationen. Die Darstellung, dass die Flugzeuge miteinander kollidiert seien, beruht weiterhin auf den Berichten aus dem russischen Militärumfeld. Behördliche Angaben dazu lagen zunächst nicht vor.
Mehrere der russischen Berichte behaupteten außerdem, einer der Piloten sei ums Leben gekommen. Der Pilot der zweiten Maschine habe sich demnach retten können beziehungsweise sei nach dem Vorfall geborgen worden. Auch diese Angaben sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Der russische Militärkanal Voevoda Veshchayet, der einem Offizier der russischen Luftstreitkräfte zugerechnet wird, verbreitete die Meldung über einen getöteten und einen geretteten Piloten. Das regionale Medium Pepel Kursk berichtete ebenfalls über einen Todesfall und einen Piloten, der sich mit dem Schleudersitz gerettet haben soll. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.
Damit bleibt offen, ob beide Flugzeuge vollständig verloren gingen und welchen Zustand der zweite Pilot hat. Ebenso gibt es keine gesicherten Angaben dazu, ob weitere Menschen durch den möglichen Absturz betroffen waren.
Die Su-35S ist ein einsitziges Mehrzweckkampfflugzeug des russischen Herstellers Suchoi und eine Weiterentwicklung der Su-27-Familie. Russische Stellen ordnen die Maschine der sogenannten Generation 4++ zu. Sie ist unter anderem für Luftüberlegenheit, Abfangmissionen und Angriffe auf Boden- und Seeziele vorgesehen.
Nach offiziellen Angaben des russischen Flugzeugbaukonzerns UAC erreicht die Su-35 eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,25 in großer Höhe. Sie kann bis zu acht Tonnen Bewaffnung an zwölf Aufhängungspunkten tragen. Die Maschine verfügt über zwei Triebwerke und ist für eine Besatzung von einem Piloten ausgelegt.
Russische Luftstreitkräfte setzen die Su-35S seit Jahren ein. Im Krieg gegen die Ukraine wird das Muster unter anderem für Luftverteidigungsaufgaben, Begleitschutz und Einsätze mit Luft-Boden-Bewaffnung genutzt. Der Hersteller Rostec erklärte erst Anfang September, eine weitere Charge neuer Su-35S sei an die Streitkräfte übergeben worden. Wie viele Maschinen diese Lieferung umfasste, wurde nicht öffentlich genannt.
Sollte sich der Verlust von zwei Su-35S bestätigen, wäre der Vorfall vor allem wegen der Bedeutung des Flugzeugtyps für die russische Kampfflugzeugflotte bemerkenswert. Über die Gesamtzahl einsatzfähiger Su-35S veröffentlicht Russland allerdings keine laufend überprüfbaren Angaben. Aussagen über die konkrete Größe der aktuellen Flotte beruhen deshalb vielfach auf externen Schätzungen.
Die Region Kursk grenzt unmittelbar an die Ukraine und gehört seit Beginn des russischen Angriffskrieges zu den militärisch stark beanspruchten Gebieten. Welche Aufgabe die beiden Maschinen bei dem gemeldeten Zwischenfall erfüllt haben sollen, blieb zunächst offen.
Eine Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums zum mutmaßlichen Zusammenstoß stand bis Dienstagabend aus. Deshalb lässt sich derzeit weder die Unfallursache bestimmen noch ausschließen, dass sich wesentliche Einzelheiten der bisherigen Berichte noch ändern. Offiziell bestätigt war zunächst auch nicht, dass Russland tatsächlich zwei Su-35S verloren hat.
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