
Der Mannheimer Lebensmittelkonzern Südzucker ist nach einem verlustreichen Vorjahreszeitraum wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die am Donnerstag, 8. Oktober 2026, veröffentlichten Südzucker Halbjahreszahlen 2026 weisen einen Überschuss von 61 Millionen Euro aus. Besonders das Geschäft mit erneuerbarem Ethanol und Spezialprodukten entwickelte sich positiv. Im klassischen Zuckergeschäft halten die Schwierigkeiten dagegen an. An der Börse reagierten Anleger zunächst mit Kursverlusten.
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27, das vom 1. März bis zum 31. August 2026 reicht, erzielte Südzucker einen Konzernumsatz von 4,188 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 4,199 Milliarden Euro gewesen. Die Erlöse blieben damit nahezu unverändert.
Deutlich besser entwickelte sich die Ertragslage. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz EBITDA, stieg von 189 auf 303 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 60,3 Prozent.
Unter dem Strich erwirtschaftete Südzucker einen Gewinn nach Steuern von 61 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern noch einen Verlust von 60 Millionen Euro verbucht. Auch das operative Ergebnis verbesserte sich deutlich von 42 auf 153 Millionen Euro.
Besonders deutlich fiel die Ergebnisverbesserung zwischen Juni und August 2026 aus. Im zweiten Geschäftsquartal erwirtschaftete Südzucker einen Umsatz von 2,13 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es 2,046 Milliarden Euro gewesen.
Das operative EBITDA erhöhte sich innerhalb dieses Zeitraums von 93 auf 168 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg das operative Ergebnis von 20 auf 91 Millionen Euro.
Auch nach Steuern fiel das Quartal positiv aus. Während Südzucker im Vorjahresquartal einen Verlust von 25 Millionen Euro ausgewiesen hatte, erreichte das Unternehmen diesmal einen Gewinn von 41 Millionen Euro. Damit trug das zweite Quartal wesentlich zum positiven Halbjahresergebnis bei.
Eine wesentliche Ursache der Ergebnisverbesserung liegt im Geschäft mit erneuerbarem Ethanol. Im Segment CropEnergies erhöhte sich der Umsatz von 402 auf 438 Millionen Euro. Das operative EBITDA sprang von vier auf 68 Millionen Euro.
Ausschlaggebend waren vor allem höhere Verkaufspreise für Ethanol und geringere Nettorohstoffkosten. Die Absatzmengen entwickelten sich hingegen leicht rückläufig.
Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des Energiegeschäfts innerhalb des Lebensmittelkonzerns. Südzucker profitiert dadurch nicht ausschließlich von der Entwicklung auf dem Zuckermarkt, sondern auch von Veränderungen bei Biokraftstoffen. Allerdings hängt die weitere Ergebnisentwicklung in diesem Bereich wesentlich davon ab, wie sich Verkaufspreise und Rohstoffkosten verändern.
Im traditionellen Kerngeschäft sieht die Situation weiterhin schwierig aus. Der Umsatz im Segment Zucker sank von 1,389 auf 1,269 Milliarden Euro. Verantwortlich waren niedrigere Verkaufspreise und geringere Absatzmengen.
Südzucker konnte die Verluste zwar reduzieren, erreichte aber noch keine Rückkehr in die Gewinnzone. Das operative EBITDA lag bei minus 24 Millionen Euro nach minus 46 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Verbesserung führte das Unternehmen insbesondere auf geringere Herstellungskosten während der Zuckerrübenkampagne 2025 zurück. Die Sparmaßnahmen zeigen damit Wirkung, können den Preis- und Mengendruck aber noch nicht vollständig ausgleichen. Das Zuckergeschäft bleibt somit eine wesentliche Belastung für den Konzern.
Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen durch die diesjährige Zuckerrübenernte. Nach einem zunächst günstigen Saisonbeginn verschlechterten sich die Anbaubedingungen seit Juni erheblich. Hohe Temperaturen und außergewöhnlich geringe Niederschläge führten insbesondere in Süddeutschland und Frankreich zu erheblichen Schäden.
Hinzu kommen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, die die Ertragserwartungen weiter belasten. Niederschläge im August konnten die Trockenheitsschäden nur teilweise ausgleichen.
Südzucker rechnet deshalb für die Verarbeitungskampagne 2026 mit einer deutlich geringeren Zuckerproduktion als im Vorjahr. Die erwartete schwächere Auslastung der Produktionsanlagen verursacht zusätzliche Kosten. Dadurch könnte die Verbesserung der Ertragslage im Zuckersegment erschwert werden, selbst wenn die Verkaufspreise wieder steigen.
Neben dem Ethanolgeschäft entwickelte sich auch das Segment Spezialitäten positiv. Der Umsatz erhöhte sich von 1,076 auf 1,131 Milliarden Euro. Das operative EBITDA stieg von 115 auf 140 Millionen Euro.
Verantwortlich waren insbesondere höhere Absatzmengen und teilweise geringere Kosten. Damit konnte der Bereich die Auswirkungen niedrigerer Verkaufspreise mehr als ausgleichen.
Im Segment Stärke verbesserte sich das operative EBITDA von 29 auf 36 Millionen Euro, obwohl der Umsatz leicht zurückging. Hier wirkten sich ebenfalls bessere Margen im Ethanolgeschäft aus.
Weniger erfreulich entwickelte sich das Fruchtgeschäft. Zwar stieg dessen Umsatz auf 894 Millionen Euro, das operative EBITDA verringerte sich jedoch von 87 auf 83 Millionen Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Südzucker weiterhin einen Konzernumsatz zwischen 8,3 und 8,7 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Prognose bei 8,1 bis 8,5 Milliarden Euro gelegen.
Beim operativen EBITDA geht das Unternehmen von 540 bis 680 Millionen Euro aus. Die vorherige Spanne hatte bei 480 bis 680 Millionen Euro gelegen. Damit wurde insbesondere die untere Grenze angehoben.
Diese Prognoseanpassung erfolgte bereits am 28. September 2026, nachdem Südzucker die verbesserte Entwicklung im zweiten Quartal festgestellt hatte. Mit der Veröffentlichung der vollständigen Halbjahreszahlen am Donnerstag bestätigte der Konzern die angepassten Erwartungen.
Gleichzeitig verweist Südzucker auf Unsicherheiten durch die geopolitische und weltwirtschaftliche Entwicklung, deren Auswirkungen auf die kommenden Monate schwer abzuschätzen seien.
Die Rückkehr in die Gewinnzone sorgte an der Börse zunächst nicht für steigende Kurse. Die Südzucker-Aktie notierte am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 12:20:59 Uhr im Xetra-Handel bei 11,82 Euro und damit 4,68 Prozent unter dem Vortagesschluss von 12,40 Euro.
Die Kursverluste stehen damit im Gegensatz zur verbesserten Geschäftsentwicklung. Allerdings hatte Südzucker die wichtigsten Ergebniszahlen für das zweite Quartal und die höhere Jahresprognose bereits Ende September veröffentlicht. Ein Teil der positiven Entwicklung war somit vor dem heutigen Bericht bekannt.
Eine eindeutige Ursache für die Kursverluste lässt sich aus den Geschäftszahlen allein nicht ableiten. Neben der Ergebnisverbesserung bleiben insbesondere die Probleme im Zuckersegment und die Unsicherheit über künftige Rohstoffpreise von Bedeutung.
Die Entwicklung der europäischen Zuckerpreise könnte für Südzucker in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle spielen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erwartet Konzernchef Niels Pörksen aufgrund geringerer Erntemengen wieder steigende Preise.
Im Juli lag der durchschnittliche Preis für Weißzucker in der Europäischen Union bei 499 Euro je Tonne. Das war nach Daten der Europäischen Kommission der niedrigste Stand seit August 2022.
Ein geringeres Angebot könnte die Preise künftig unterstützen. Allerdings verursacht eine schwache Zuckerrübenernte zugleich höhere Kosten durch die geringere Auslastung der Fabriken. Für Südzucker treffen damit zwei gegenläufige Entwicklungen aufeinander.
Der Konzern hat zwar wieder einen Halbjahresgewinn erzielt und seine Jahreserwartungen verbessert. Eine nachhaltige Erholung des klassischen Zuckergeschäfts ist damit jedoch noch nicht erreicht.
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