
Die Zahl der besonders vermögenden Menschen in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Nach Berechnungen der Boston Consulting Group besitzen rund 5.000 Menschen hierzulande jeweils mehr als 100 Millionen Dollar. Diese Gruppe hält laut dem Global Wealth Report 2026 zusammen 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens. Das Finanzvermögen in Deutschland beziffert BCG auf 12,4 Billionen Dollar. Auf die Gruppe der Superreichen entfallen damit knapp 3,4 Billionen Dollar.
Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Menschen mit mehr als 100 Millionen Dollar Vermögen um rund 1.100. Als wesentlichen Treiber nennt die Studie die Entwicklung an den Kapitalmärkten. Wer bereits hohe Vermögen besitzt, kann stärker von Aktien, Fonds, Private Equity und anderen renditestärkeren Anlageformen profitieren. Die Zahlen zeigen damit nicht nur steigende Vermögen an der Spitze, sondern auch eine wachsende Bedeutung kapitalmarktnaher Anlagen für die Vermögensverteilung.
Der Abstand zwischen den obersten Vermögensgruppen und der breiten Bevölkerung bleibt groß. Rund 66 Millionen Menschen in Deutschland verfügen laut BCG über ein Finanzvermögen von weniger als 250.000 Dollar. Auf diese Gruppe entfallen 35,9 Prozent des gesamten Finanzvermögens. Dazwischen liegen etwa 3,2 Millionen Menschen mit Finanzvermögen zwischen 250.000 und einer Million Dollar. Sie halten 11,3 Prozent des Finanzvermögens.
Besonders deutlich wird die Konzentration am oberen Rand: Mehr als 700.000 Multimillionäre halten zusammen mit den rund 5.000 Superreichen 52,8 Prozent des deutschen Finanzvermögens. BCG rechnet damit, dass der Anteil der Menschen mit mehr als 100 Millionen Dollar Vermögen bis 2030 auf 29 Prozent steigt. Diese Angabe ist eine Prognose und hängt unter anderem von Kapitalmarktentwicklung, Wirtschaftslage und Anlageverhalten ab.
Das gesamte Nettovermögen in Deutschland stieg laut BCG im Jahr 2025 um rund 15 Prozent auf 23,3 Billionen Dollar. Besonders stark wuchsen die Finanzvermögen, die um fast 18 Prozent zulegten. Sachwerte, vor allem Immobilien, kamen auf 13,4 Billionen Dollar und machten damit weiterhin mehr als die Hälfte der Vermögen aus. Die Verbindlichkeiten stiegen leicht auf 2,5 Billionen Dollar.
Damit bleibt Deutschland ein Land mit hohem privaten Vermögen, aber einer vergleichsweise vorsichtigen Anlagekultur. Bargeld und Einlagen spielen weiterhin eine große Rolle. Gleichzeitig gewinnen ETFs, Aktien und andere kapitalmarktorientierte Anlagen an Bedeutung. Gerade an dieser Stelle zeigt sich ein struktureller Unterschied zwischen Haushalten mit sehr hohen Vermögen und Haushalten mit kleineren Rücklagen: Große Vermögen lassen sich breiter streuen und können stärker in Anlageklassen investiert werden, die langfristig höhere Renditen ermöglichen.
Im internationalen Vergleich gehört Deutschland weiter zu den großen Vermögensmärkten. Beim Finanzvermögen nennt BCG die USA mit 147 Billionen Dollar an erster Stelle, gefolgt von China mit 41,5 Billionen Dollar und Japan mit 15,6 Billionen Dollar. Deutschland folgt mit 12,4 Billionen Dollar. Weltweit stieg das Nettovermögen 2025 laut BCG um gut 9 Prozent auf 550 Billionen Dollar. Die Finanzvermögen legten weltweit um fast 11 Prozent zu, das stärkste Plus seit 2021.
Auch die internationale Vermögensverwaltung verschiebt sich. Nach dem BCG Global Wealth Report 2026 hat Hongkong die Schweiz als größten grenzüberschreitenden Vermögensstandort knapp überholt. Hongkong verwaltete demnach 2,95 Billionen Dollar an grenzüberschreitendem Vermögen, die Schweiz 2,94 Billionen Dollar.
Die neuen BCG-Zahlen fallen in eine Phase, in der Vermögensverteilung, Altersvorsorge und Kapitalmarktbeteiligung stärker diskutiert werden. Während steigende Aktienmärkte hohe Vermögen schnell wachsen lassen können, profitieren Haushalte ohne nennenswerte Wertpapierbestände davon nur indirekt oder gar nicht. Für Deutschland ist das besonders relevant, weil viele private Vermögen weiterhin in Immobilien, Einlagen und klassischen Sparformen gebunden sind.
Die Entwicklung sagt nicht automatisch etwas über Einkommen, Steuerlast oder Lebensstandard einzelner Haushalte aus. Sie macht aber sichtbar, wie stark sich Finanzvermögen an der Spitze bündelt. Für die kommenden Jahre erwartet BCG eine weitere Zunahme des Anteils sehr großer Vermögen am gesamten deutschen Finanzvermögen.
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