Trump gibt Kanada drei Tage Aufschub und bringt Keystone XL ins Spiel

Kuba Embargo Trump Demo Havanna 2026
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

US-Präsident Donald Trump hat die für Mittwoch geplanten zusätzlichen Zölle von 50 Prozent auf bestimmte Importe aus Kanada kurzfristig verschoben. Die neuen Abgaben sollen nach einer am 18. August veröffentlichten Proklamation des Weißen Hauses nun erst am 22. August um 00.01 Uhr US-Ostküstenzeit in Kraft treten. Trump setzt Kanada-Zölle aus, zunächst allerdings nur für drei Tage. Beide Regierungen wollen die zusätzliche Zeit nutzen, um ihre laufenden Handelsverhandlungen fortzusetzen.

Anzeige

Gleichzeitig brachte Trump das schon vor Jahren gestoppte Ölprojekt Keystone XL wieder ins Gespräch. Eine verbindliche Vereinbarung über den Bau der Pipeline oder eine offiziell dokumentierte Forderung, wonach Kanada das Projekt als Gegenleistung für die Zollaussetzung wiederbeleben müsse, lag am Mittwochmorgen jedoch nicht vor. Die Pipeline wird in der offiziellen US-Proklamation zur Zollaussetzung nicht erwähnt.

50-Prozent-Zölle nun bis zum 22. August verschoben

Das Weiße Haus hatte am 20. Juli 2026 drei Proklamationen auf Grundlage von Section 338 des US Tariff Act von 1930 erlassen. Vorgesehen waren zusätzliche Wertzölle von 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Waren. Begründet wurden die Maßnahmen mit aus Sicht Washingtons diskriminierenden kanadischen Regelungen bei alkoholischen Getränken, Milchprodukten sowie Kraftfahrzeugen und Autoteilen. Ursprünglich sollten die Zölle am 19. August um 00.01 Uhr US-Ostküstenzeit wirksam werden.

Am Dienstagabend änderte Trump den Termin per neuer Proklamation. Danach wird das Inkrafttreten auf den 22. August verschoben. Zuständig für die Umsetzung sind unter anderem die US-Zollbehörde Customs and Border Protection, das Handelsministerium und der US-Handelsbeauftragte. Die Verschiebung betrifft ausdrücklich nur die zusätzlichen Abgaben aus den drei Proklamationen vom 20. Juli. Andere bereits bestehende US-Zollmaßnahmen werden dadurch nicht automatisch aufgehoben.

Anzeige

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hätten die nun aufgeschobenen zusätzlichen Zölle kanadische Importe im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar erfasst. Diese Zahl bezieht sich auf den Umfang der betroffenen Waren und nicht auf den gesamten Handel zwischen beiden Ländern.

Washington verweist auf Zugeständnisse Kanadas

Das Weiße Haus begründet die dreitägige Aussetzung mit dem Stand der Verhandlungen. Nach Angaben hochrangiger US-Regierungsvertreter habe Kanada seine Bereitschaft erkennen lassen, die von Washington beanstandeten Maßnahmen in den drei Streitfeldern zu beseitigen. Die US-Regierung nennt dabei Alkohol, Milchprodukte und Kraftfahrzeuge. Section 338 erlaubt dem US-Präsidenten nach Darstellung des Weißen Hauses zusätzliche Zölle von bis zu 50 Prozent, wenn ausländische Maßnahmen den amerikanischen Handel benachteiligen. Die Vorschrift erlaubt auch die spätere Aussetzung oder Änderung solcher Maßnahmen.

Trump erklärte zudem, die USA und Kanada hätten vorbehaltlich der Fertigstellung von Dokumenten eine Einigung erzielt. Das Büro des US-Handelsbeauftragten kündigte nach Reuters-Angaben unter anderem einen umfassenderen Marktzugang für US-Waren, Vereinbarungen zur wirtschaftlichen Sicherheit sowie Regeln für den digitalen Handel an. Einzelheiten veröffentlichte Washington zunächst nicht. Die kanadische Regierung bestätigte diese konkreten Inhalte zunächst ebenfalls nicht.

Kanadas Premierminister Mark Carney formulierte zurückhaltender. Er bestätigte am 18. August erhebliche Fortschritte in den Gesprächen, erklärte aber zugleich, dass noch wichtige Arbeit zu erledigen sei. Offiziell bestätigte Ottawa außerdem die Verschiebung der neuen 50-Prozent-Zölle bis zum Ende des 21. August.

Keystone XL ist bislang keine bestätigte Bedingung

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein weiterer Teil von Trumps Mitteilung. Der Präsident brachte eine Wiederaufnahme des Keystone-XL-Projekts ins Gespräch. Nähere Angaben dazu machte er nicht. Reuters zufolge blieb insbesondere offen, ob die Pipeline tatsächlich Bestandteil der ausgehandelten Handelsvereinbarung ist. In der offiziellen Proklamation des Weißen Hauses, mit der die Zölle verschoben wurden, taucht Keystone XL nicht auf. Auch in Carneys offizieller Stellungnahme vom Dienstag wird das Projekt nicht genannt.

Damit ist zum derzeitigen Stand keine belastbare Grundlage dafür vorhanden, die Wiederbelebung der Pipeline als bereits vereinbarte Gegenleistung Kanadas darzustellen. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Trump das Projekt im Zusammenhang mit seiner Ankündigung erneut ins Spiel brachte. Zu möglichen Verhandlungen über Keystone XL gab es zunächst keine gesicherten Angaben.

Das frühere Keystone-XL-Projekt sollte Rohöl aus Alberta über die Grenze in die USA und weiter nach Nebraska transportieren. Die geplante Leitung war rund 1.897 Kilometer lang und für bis zu 830.000 Barrel Rohöl pro Tag ausgelegt. Der damalige Projektentwickler TC Energy stellte das Vorhaben 2021 endgültig ein, nachdem Präsident Joe Biden die grenzüberschreitende Genehmigung widerrufen hatte.

Eine Wiederaufnahme wäre deshalb nicht mit einer einfachen politischen Zustimmung erledigt. Das Flüssigpipelinegeschäft von TC Energy wurde 2024 in das eigenständige Unternehmen South Bow ausgegliedert. South Bow betreibt heute das bestehende Keystone-Pipelinesystem, das nicht mit dem eingestellten Keystone-XL-Erweiterungsprojekt gleichzusetzen ist.

Kanada gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der USA

Die wirtschaftliche Bedeutung des Konflikts reicht weit über die unmittelbar mit den zusätzlichen Zöllen belegten Waren hinaus. Nach den bislang jüngsten Daten des US Census Bureau belief sich der Warenhandel zwischen den USA und Kanada von Januar bis einschließlich Juni 2026 auf rund 376 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 175,8 Milliarden Dollar auf US-Ausfuhren nach Kanada und 200,2 Milliarden Dollar auf US-Importe aus Kanada. Die Zahlen sind auf Census-Basis berechnet, beziehen sich ausschließlich auf Waren und waren mit Stand Juni 2026 noch nicht revidiert. Kanada war damit im ersten Halbjahr nach Mexiko der zweitgrößte Handelspartner der Vereinigten Staaten im Warenhandel.

Der aktuelle Aufschub beseitigt den Handelskonflikt deshalb nicht. Nach der Proklamation des Weißen Hauses läuft die dreitägige Frist am 22. August um 00.01 Uhr US-Ostküstenzeit aus. Bis dahin müssen Washington und Ottawa entweder weitere Änderungen beschließen oder die zusätzlichen 50-Prozent-Zölle würden nach dem derzeit geltenden US-Rechtsakt wirksam.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu