Traditionsbetrieb Tullau Pappen gerät in schwere Krise

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der traditionsreiche Pappenhersteller Tullau Pappen steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Für die Gesellschaften an den Standorten Rosengarten-Tullau in Baden-Württemberg und Trauchgau im bayerischen Allgäu laufen vorläufige Insolvenzverfahren. Rund 90 Beschäftigte sind betroffen. Die Produktion soll vorerst an beiden Werken weiterlaufen.

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Das Amtsgericht Heilbronn ordnete am 3. September 2026 für die Karl Kurz GmbH & Co. KG mit Sitz in Rosengarten vorläufige Sicherungsmaßnahmen an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Tibor Braun bestellt. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 30 IN 1104/26. Auch für die Pappenfabrik Trauchgau GmbH & Co. KG wurden am selben Tag durch das Amtsgericht Kempten vorläufige Maßnahmen angeordnet. Dort ist ebenfalls Braun eingesetzt.

Rund 90 Beschäftigte an zwei Standorten betroffen

Nach Angaben aus dem Unternehmen arbeiten an den beiden Produktionsstandorten jeweils rund 45 Menschen. Damit betrifft die Insolvenz von Tullau Pappen insgesamt etwa 90 Beschäftigte. Nach aktuellem Stand werden die Werke in Tullau bei Schwäbisch Hall und in Trauchgau in der Gemeinde Halblech weiterbetrieben. Die Vergütungsansprüche der Beschäftigten sind nach Angaben aus dem Verfahren bis einschließlich Oktober 2026 durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Das Unternehmen produziert Vollpappe und Karton für unterschiedliche industrielle Anwendungen. Auf der eigenen Internetseite bezeichnet sich Tullau Pappen als Hersteller mit zwei Produktionsstandorten und einer Kapazität von rund 40.000 Tonnen pro Jahr. Zu den Produkten gehören unter anderem Vollpappe, Graupappe und Karton als Rollen- und Formatware. Die Erzeugnisse werden beispielsweise in der Verpackungsindustrie und für technische Anwendungen eingesetzt.

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Energiekosten und Preisdruck belasten den Betrieb

Geschäftsführer Matthias Kurz nannte gegenüber dem SWR insbesondere stark gestiegene Kosten für Strom, Gas und Öl als Belastungsfaktor. Hinzu kämen Kosten im Zusammenhang mit CO2-Zertifikaten. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters steht die Papier- und Pappenbranche zugleich unter erheblichem Wettbewerbs- und Preisdruck. Höhere Produktionskosten könnten nur begrenzt an Kunden weitergegeben werden, weil steigende Verkaufspreise Absatzverluste nach sich ziehen könnten.

Damit trifft die Krise des Familienunternehmens auf ein ohnehin schwieriges Branchenumfeld. Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE zählt die Papier- und Zellstoffherstellung zu den energieintensiven Grundstoffindustrien. Nach Verbandsangaben machen Energiekosten im Branchendurchschnitt etwa zehn Prozent des Umsatzes aus.

Auch die jüngsten Branchenzahlen zeigen anhaltenden Druck. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Produktionsmenge der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie nach Verbandsangaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent auf 9,4 Millionen Tonnen. Der Umsatz ging um 7,1 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zurück. Verpackungspapiere blieben zwar die mengenmäßig größte Sparte, doch auch dort sorgten schwache Nachfrage und internationaler Preisdruck für schwierige Rahmenbedingungen.

Verkauf der gesamten Gruppe bleibt eine Möglichkeit

Der vorläufige Insolvenzverwalter will nach bisherigen Angaben den Geschäftsbetrieb stabilisieren und Arbeitsplätze möglichst erhalten. Als mögliche Lösung kommt auch der Verkauf der gesamten Unternehmensgruppe oder einzelner Teile infrage. Eine Entscheidung darüber ist bislang nicht gefallen.

Für die beiden Gesellschaften laufen derzeit lediglich die vorläufigen Verfahren. Damit prüfen die zuständigen Insolvenzgerichte und der Verwalter zunächst unter anderem die wirtschaftliche Situation und die Voraussetzungen für die Eröffnung eines regulären Insolvenzverfahrens. Für die Karl Kurz GmbH & Co. KG beschränkte das Amtsgericht Heilbronn die Verfügungsbefugnis des Unternehmens und übertrug Kontroll- und Sicherungsaufgaben auf den vorläufigen Insolvenzverwalter.

Unternehmen besteht seit 1878

Die Geschichte von Tullau Pappen reicht fast 150 Jahre zurück. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Pappenfabrik 1878 gegründet und befindet sich seither in Familienbesitz. Ausgangspunkt war eine Mühle in Tullau, deren Wasserkraft für die Produktion genutzt wurde. 1997 übernahm das Unternehmen die damals durch einen Brand beschädigte Pappenfabrik Trauchgau in Bayern. Nach Wiederaufbau und Modernisierung nahm das Werk dort im Frühjahr 1998 die Produktion auf.

In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen bereits mehrere Belastungen zu bewältigen. Während der Corona-Pandemie führte die schwierige Lage auf dem Altpapiermarkt zeitweise zu Kurzarbeit. 2024 kam es zudem zu einem größeren Brand in einer Produktionshalle in Tullau. Die aktuelle finanzielle Krise trifft den Betrieb damit nach einer Reihe wirtschaftlich und betrieblich schwieriger Jahre.

Wie es mit den beiden Werken weitergeht, hängt nun vom Verlauf der vorläufigen Insolvenzverfahren und möglichen Sanierungs- oder Verkaufslösungen ab. Bislang läuft die Produktion an beiden Standorten weiter.

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