
Der Batteriehersteller Varta will die Produktion von Knopfzellen am Standort Nördlingen beenden. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers gegenüber Reuters hängt der Schritt mit dem Verlust des wichtigsten Kunden in diesem Bereich zusammen. Betroffen sind rund 350 Arbeitsplätze in Nördlingen sowie am Unternehmenssitz im nahe gelegenen Ellwangen. Der Vertrag mit dem nicht namentlich genannten Kunden läuft demnach Ende Oktober aus.
Für Varta ist die Entscheidung ein empfindlicher Rückschlag, weil der Konzern nach Jahren finanzieller Schwierigkeiten auf Stabilisierung setzt. Reuters berichtet unter Berufung auf eine Quelle, dass das Werk nahezu ausschließlich wiederaufladbare CoinPower-Zellen für Apples AirPods produziert habe und die Lieferung künftig von einem chinesischen Anbieter übernommen werde. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Varta selbst nannte den Kunden nicht.
Der Stellenabbau fällt in eine Phase, in der Varta erst vor kurzem eine weitreichende Restrukturierung durchlaufen hat. Das Unternehmen hatte 2024 eine Einigung mit Finanzgläubigern und strategischen Investoren erzielt. Teil des Sanierungskonzepts war ein Schuldenschnitt, frisches Kapital und eine Neuordnung der Eigentümerstruktur. Die Finanzverbindlichkeiten sollten deutlich reduziert und der Konzern bis Ende 2027 finanziell stabilisiert werden.
Besonders einschneidend war die Kapitalmaßnahme für die früheren Aktionäre. Im Zuge der Restrukturierung wurde das Grundkapital auf null herabgesetzt. Dadurch schieden die bisherigen Aktionäre ohne Kompensation aus, zudem wurde die Varta AG von der Börse genommen.
Parallel zur Sanierung hatte Varta Teile seines Geschäfts mit Hochleistungs-Lithium-Ionen-Rundzellen neu geordnet. Porsche übernahm zum 4. März 2025 die Mehrheit an der früheren V4Drive GmbH, die seitdem unter V4Smart firmiert. Varta blieb mit einer Minderheitsbeteiligung beteiligt, hat dort aber keinen operativen Einfluss mehr. Die Zellen kommen unter anderem als Booster-Zellen in Porsche-Modellen zum Einsatz.
Dieser Bereich ist von der aktuellen Meldung über die Knopfzellenproduktion zu unterscheiden. Während V4Smart auf Hochleistungs-Rundzellen ausgerichtet ist, betrifft der nun bekannt gewordene Einschnitt die Produktion wiederaufladbarer Knopfzellen in Nördlingen.
Der Fall macht deutlich, wie riskant eine starke Abhängigkeit von wenigen großen Abnehmern in der Batterieindustrie sein kann. Gerade bei kleinen Hochleistungszellen für Elektronikprodukte entscheiden Großaufträge über Auslastung, Standortperspektiven und Beschäftigung. Wenn ein zentraler Kunde seine Lieferkette verlagert, kann das unmittelbar Produktionslinien und Arbeitsplätze treffen.
Für Varta verschärft der Kundenverlust den Druck, nach der finanziellen Sanierung auch operativ wieder belastbare Geschäftsbereiche aufzubauen. Der Konzern verfügt weiterhin über Know-how in Mikrobatterien, Energiespeichern und kundenspezifischen Batterielösungen. Der Abbau in Nördlingen zeigt jedoch, dass die Restrukturierung Standorte und Beschäftigte direkt betrifft.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu