
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat am Mittwoch, 21. Oktober 2026, einen neuen Vorschlag für die Zukunft des Volkswagen-Werks in Zwickau vorgestellt. Der Standort soll in eine eigenständige Gesellschaft mit dem Arbeitstitel „AutoUnion Sachsen GmbH“ überführt werden. Volkswagen und weitere Partner sollen daran beteiligt sein. Das Konzept sieht neben einer veränderten Unternehmensstruktur auch flexiblere Arbeitszeiten, neue Vergütungsmodelle und zusätzliche Investitionen in moderne Produktionstechnologien vor. Die IG Metall reagiert auf Teile der Vorschläge kritisch.
Mit der geplanten AutoUnion Sachsen GmbH will Kretschmer die Fahrzeugproduktion am Standort Zwickau-Mosel langfristig ermöglichen. Volkswagen soll Gesellschafter des neuen Unternehmens bleiben, weitere Partner könnten sich beteiligen. Eine direkte Beteiligung des Freistaates Sachsen schloss der Ministerpräsident aus.
Das neue Unternehmen soll größere unternehmerische Freiheiten erhalten und Fahrzeuge zu Kosten herstellen können, die im internationalen Wettbewerb bestehen. Dafür sieht das Konzept eigenverantwortliche Produktionsteams, weniger Hierarchieebenen und eine flexiblere Organisation der Arbeit vor. Auch eine Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg ist vorgesehen.
Hintergrund sind die Sparmaßnahmen des Volkswagen-Konzerns und die unsichere Zukunft mehrerer deutscher Produktionsstandorte. Nach den bisher bekannt gewordenen Planungen könnte die Fahrzeugproduktion in Zwickau 2031 auslaufen. Eine endgültige Entscheidung über die Schließung des Werks ist damit jedoch nicht gleichzusetzen.
Nach Angaben von Volkswagen beschäftigte das Werk Ende 2025 rund 8.000 Stammmitarbeiter einschließlich Auszubildender und dual Studierender. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferunternehmen in der Region.
Zwickau gehört zu den bedeutenden europäischen Standorten für Elektrofahrzeuge. Die Fabrik wurde für rund 1,2 Milliarden Euro auf die Elektromobilität umgestellt. Im Jahr 2025 wurden dort nach Unternehmensangaben etwa 212.000 Fahrzeuge gefertigt. Dazu gehören Modelle der Marken Volkswagen, Audi und Cupra.
Besonders umstritten sind die arbeitsrechtlichen und tariflichen Bestandteile des Konzepts. Kretschmer möchte neue Arbeitszeitmodelle und einen eigenständigen tariflichen Rahmen ermöglichen, um die Produktionskosten zu verringern.
Die IG Metall begrüßt zwar das Engagement der Landesregierung für den Erhalt des Standorts, lehnt Eingriffe in die Tarifautonomie jedoch ab. Bezirksleiter Jan Otto stellte klar, dass längere Arbeitszeiten und geringere Löhne aus Sicht der Gewerkschaft nicht der richtige Weg seien, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Die Auseinandersetzung um Arbeitsbedingungen hatte sich bereits Anfang Oktober verschärft. Nach der Kündigung mehrerer Tarifverträge durch Volkswagen verließ ein Teil der Beschäftigten aus Protest eine Betriebsversammlung in Zwickau. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Mike Rösler forderte damals eine verlässliche Zukunftsperspektive für die Belegschaft. Eine ausdrückliche Zustimmung des örtlichen Betriebsrats zum jetzt vorgestellten Gesellschaftsmodell lag zunächst nicht vor.
Volkswagen Sachsen nahm den neuen Vorschlag zur Kenntnis. Unternehmenssprecher Christian Sommer wollte gegenüber der Ostdeutschen Allgemeinen nicht kommentieren, ob die vorgesehenen Arbeitsbedingungen mit dem Zwickauer Betriebsrat abgestimmt seien. Eine Zusage des Konzerns zur Gründung der Gesellschaft gab es zunächst nicht.
Bemerkenswert ist der Vorstoß auch wegen der bisherigen Unternehmensplanung. Volkswagen hatte 2021 vereinbart, die Volkswagen Sachsen GmbH bis 2027 vollständig in die Volkswagen AG einzugliedern und die Arbeitsbedingungen schrittweise anzugleichen. Kretschmers Vorschlag würde für Zwickau eine neue, eigenständige Gesellschaftsstruktur vorsehen.
Neben Veränderungen der Arbeitsorganisation setzt Kretschmer auf neue Technologien. Sachsen schlägt vor, gemeinsam mit dem Bund ein Exzellenzcluster für humanoide Robotik aufzubauen. Das VW-Werk könnte dabei als Standort für die Entwicklung und den praktischen Einsatz menschenähnlicher Industrieroboter dienen.
Zudem sollen Kompetenzen aus dem sächsischen Maschinenbau, der Mikroelektronik, der Softwareentwicklung und der Forschung einbezogen werden. Auf diese Weise könnte sich der Standort über die reine Fahrzeugfertigung hinaus weiterentwickeln.
Die Umsetzung ist bislang offen. Voraussetzung wären Vereinbarungen mit Volkswagen, möglichen weiteren Gesellschaftern und den Arbeitnehmervertretungen. Auch die künftige Auslastung des Werks durch neue Fahrzeugmodelle wäre zu klären. Kretschmer fordert deshalb zeitnahe Verhandlungen mit dem Konzern.
Der vorgesehene Name AutoUnion Sachsen knüpft an die 1932 gegründete Auto Union AG an. Damals schlossen sich die vier sächsischen Automobilmarken Audi, DKW, Horch und Wanderer zusammen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Chemnitz. Aus dieser Geschichte entwickelte sich auch das heute bekannte Vier-Ringe-Symbol von Audi.
Kretschmer hatte die Idee einer neuen Auto Union bereits im September im Sächsischen Landtag angesprochen. Mit dem jetzt vorgestellten Gesellschaftsmodell erhält der Vorschlag erstmals konkretere wirtschaftliche und organisatorische Konturen.
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