
Bundesaußenminister Johann Wadephul ist am Samstag unangekündigt in die ukrainische Hauptstadt Kiew gereist. Kurz vor dem 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit bekräftigte der CDU-Politiker die weitere deutsche Unterstützung für das von Russland angegriffene Land. Im Mittelpunkt seines Besuchs stehen nach Angaben des Auswärtigen Amts militärische Hilfe, die Vorbereitung auf den kommenden Winter und eine engere deutsch-ukrainische Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.
Eine neue konkrete Summe für zusätzliche Hilfen oder ein neues Waffenpaket wurde zunächst nicht angekündigt. Wadephul in Kiew steht damit vor allem für die politische Bekräftigung einer bereits umfangreichen deutschen Unterstützung, die nach Angaben der Bundesregierung auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden soll.
Wadephul erreichte Kiew am Samstagmorgen mit einem Sonderzug. Die Reise war im Vorfeld aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht worden. Solche Besuche deutscher Regierungsmitglieder in der Ukraine werden seit Beginn des russischen Angriffskrieges häufig erst nach der Ankunft bekanntgegeben.
Für Wadephul ist es nach Angaben aus seinem Umfeld bereits der vierte Besuch in der Ukraine seit seinem Amtsantritt. Die Reise fällt unmittelbar vor den ukrainischen Unabhängigkeitstag am 24. August. Vor 35 Jahren erklärte das Land seine Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion.
Nach seiner Ankunft stellte Wadephul die fortgesetzte Unterstützung Deutschlands heraus. Zugleich verurteilte er die russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine. Die ukrainische Zivilbevölkerung sei in den Sommermonaten besonders schwer von den Angriffen betroffen gewesen.
Ein Schwerpunkt der Gespräche ist die militärische Unterstützung der Ukraine. Deutschland hat für 2026 rund 11,5 Milliarden Euro an Militärhilfe eingeplant. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, Munition und weitere militärische Ausrüstung.
Die Bundesregierung hatte zuletzt mehrfach angekündigt, die Unterstützung fortzusetzen. Nach ihren Angaben hat Deutschland seit Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 militärische Hilfe im Umfang von rund 57,6 Milliarden Euro geleistet oder für kommende Jahre bereitgestellt. Hinzu kommen nach Regierungsangaben mehr als 43 Milliarden Euro zivile bilaterale Unterstützung.
Diese Summen umfassen allerdings auch bereits zugesagte Mittel für künftige Jahre. Sie sind deshalb nicht mit zusätzlichen Zusagen anlässlich von Wadephuls aktuellem Besuch gleichzusetzen.
Neben der militärischen Unterstützung spielt bei Wadephuls Reise die Energieversorgung eine zentrale Rolle. Nach Angaben des Auswärtigen Amts geht es darum, die Ukraine auf den kommenden Winter vorzubereiten und ihre kritische Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen.
Deutschland unterstützt das Land unter anderem mit Generatoren, Ersatzteilen und Energietechnik. Hintergrund sind wiederholte russische Angriffe auf Kraftwerke, Stromnetze und andere Teile der ukrainischen Energieversorgung. Schäden an diesen Einrichtungen können insbesondere in den Wintermonaten weitreichende Folgen für Strom und Wärme haben.
Welche zusätzlichen Maßnahmen während des Besuchs konkret vereinbart werden, war zunächst nicht bekannt. Offiziell bestätigt war zunächst vor allem, dass die Wintersicherung zu den Schwerpunkten der Gespräche gehört.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die langfristige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Beide Länder hatten ihre Beziehungen im April 2026 zu einer strategischen Partnerschaft ausgebaut.
Nach Angaben des Auswärtigen Amts soll es unter anderem um militärische Fähigkeiten, den Erfahrungsaustausch und langfristige Sicherheitsstrukturen gehen. Deutschland sieht die Ukraine dabei nicht nur als Empfänger von Unterstützung, sondern auch als Sicherheitspartner, von dessen Erfahrungen mit moderner Kriegsführung, Drohnentechnologie und hybriden Bedrohungen deutsche und europäische Strukturen profitieren können.
Bereits vereinbart wurde außerdem eine stärkere Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien beider Länder. Deutschland unterstützt zudem den ukrainischen Weg in die Europäische Union.
Wadephul verband seine Unterstützung für die Ukraine mit der Forderung, den politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Ziel der deutschen Politik ist es, Moskau zu ernsthaften Verhandlungen über ein Ende des Krieges zu bewegen.
Der Außenminister machte deutlich, dass Deutschland die militärische Widerstandsfähigkeit der Ukraine als Voraussetzung für mögliche Verhandlungen betrachtet. Die Bundesregierung vertritt seit längerem die Position, dass ein dauerhafter Frieden nicht gegen den Willen der Ukraine vereinbart werden dürfe.
Parallel dazu stimmen sich europäische Staaten über weitere Unterstützung und mögliche Sicherheitsgarantien ab. Deutschland beteiligt sich unter anderem an der sogenannten Koalition der Willigen, in der mehrere Partner der Ukraine über langfristige Sicherheitszusagen beraten.
Der politische Kern des Besuchs liegt damit in der erneuten Zusicherung, dass Deutschland seine Unterstützung nicht zurückfahren will. Anders als die Formulierung weitere Unterstützung nahelegen könnte, war am Samstagvormittag zunächst keine zusätzlich beschlossene Geldsumme bekannt.
Auch neue einzelne Waffensysteme wurden im Zusammenhang mit Wadephuls Ankunft zunächst nicht angekündigt. Die Bundesregierung verfügt allerdings bereits über umfangreiche laufende Programme, darunter Hilfen für die Luftverteidigung und Projekte mit der ukrainischen Rüstungsindustrie.
Der Besuch kurz vor dem Unabhängigkeitstag soll damit sowohl die bestehende deutsch-ukrainische Partnerschaft unterstreichen als auch konkrete Gespräche über militärische Fähigkeiten, Energieversorgung und langfristige Sicherheitskooperation ermöglichen.
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