Streit über den Euro: AfD-Jugend stellt sich gegen Weidel

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In der AfD ist ein offener Gegensatz über die Zukunft Deutschlands im Euro entstanden. Parteichefin Alice Weidel verteidigt weiterhin die Forderung ihrer Partei nach einem Austritt Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung. Die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland setzt dagegen auf eine Reform des Euro-Systems und lehnt einen deutschen Alleingang beim Ausstieg ab.

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Der Vorsitzende der Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, erklärte vor dem zweiten Bundeskongress der Organisation in Magdeburg ausdrücklich: „Wir wollen keinen deutschen Euro-Austritt.“ Stattdessen sollten nach seiner Darstellung bestehende Konstruktionsprobleme des Währungssystems behoben werden. Damit positioniert sich die Parteijugend bei einem zentralen europapolitischen Thema anders als die bisherige Linie der Bundespartei.

Die jüngsten Aussagen von Alice Weidel zum Euro-Austritt hatten die Diskussion wenige Tage zuvor neu angefacht. Im ZDF-Sommerinterview vom 23. August verteidigte die AfD-Vorsitzende die Position ihrer Partei und bezeichnete den Euro als instabile Währung. Deutschland sei es vor Einführung der Gemeinschaftswährung deutlich besser gegangen, sagte Weidel.

AfD fordert weiterhin deutschen Austritt aus dem Euro

Die Forderung nach einem deutschen Euro-Austritt ist keine neue Einzelposition Weidels. Sie steht ausdrücklich im Bundestagswahlprogramm der AfD von 2025. Darin heißt es, Deutschland müsse aus dem Euro-System austreten. Die Partei argumentiert, der gemeinsame Währungsraum verbinde Volkswirtschaften mit zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen und habe zu einer gemeinsamen Haftung für Schulden geführt.

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Auch das Grundsatzprogramm der AfD richtet sich gegen die bestehende Konstruktion der Währungsunion. Dort verlangt die Partei ein geordnetes Ende des bisherigen Euro-Systems beziehungsweise eine Volksabstimmung über Deutschlands Verbleib im Währungsverbund, falls der Bundestag einem Austritt nicht zustimmt.

Weidel stellte diese Linie im Sommerinterview nicht infrage. Sie kritisierte die Entwicklung der Gemeinschaftswährung und erklärte, der Euro habe nach ihrer Einschätzung zu Vermögensverlusten für Teile der Bevölkerung geführt. Ihre Behauptung, der Euro sei zu einer instabilen Währung geworden, ist allerdings politisch und wirtschaftlich umstritten.

Die Europäische Zentralbank verfolgt für den Euroraum ein Inflationsziel von zwei Prozent auf mittlere Sicht. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums lag die durchschnittliche Inflation in Deutschland seit Einführung des Euro-Bargelds bis 2024 bei rund 1,9 Prozent pro Jahr. Deutlich höhere Inflationsraten traten vor allem nach der Corona-Pandemie und infolge der Energiekrise auf.

Generation Deutschland setzt auf Reform statt Austritt

Die Generation Deutschland schlägt nun einen anderen Kurs ein. In einem Entwurf für eine Resolution, über die beim Bundeskongress am Samstag in Magdeburg abgestimmt werden soll, erkennt die Organisation dem Euro wirtschaftliche Vorteile für den europäischen Binnenmarkt zu. Zugleich kritisiert sie strukturelle Schwächen der Währungsunion.

Nach dem vorliegenden Entwurf will die Jugendorganisation Reformvorschläge unterstützen, die den Euro stabilisieren sollen, ohne die wirtschaftliche Einheit Europas aufzugeben. Ein Austritt Deutschlands ist darin nicht vorgesehen.

Der Unterschied zur Mutterpartei ist damit grundsätzlich. Während das Bundestagswahlprogramm der AfD ausdrücklich die Rückkehr zu nationalen Währungen vorsieht, will die Jugendorganisation Deutschland nach den bisher veröffentlichten Aussagen im gemeinsamen Währungsraum halten.

Hohm gehört zugleich dem AfD-Bundesvorstand an. Seine Position ist deshalb nicht nur die Äußerung eines politisch weitgehend unabhängigen Jugendverbandes. Die Generation Deutschland ist organisatorisch enger an die AfD gebunden als ihre Vorgängerorganisation Junge Alternative.

Neue Parteijugend ist enger an die AfD angebunden

Die Generation Deutschland wurde am 29. November 2025 in Gießen gegründet. Sie ersetzte die Junge Alternative, nachdem sich die AfD von der bisherigen Nachwuchsorganisation getrennt hatte und diese anschließend aufgelöst worden war.

Anders als die Junge Alternative ist die Generation Deutschland unmittelbar als Jugendorganisation der AfD organisiert. Mitglied können AfD-Mitglieder bis zu einer festgelegten Altersgrenze werden. Satzung und Strukturen sind enger mit der Bundespartei verzahnt. Die Parteiführung hatte bei der Gründung ausdrücklich den Anspruch formuliert, über die neue Organisation politischen Nachwuchs für Partei und Parlamente aufzubauen.

Weidel selbst hatte die Jugendorganisation bei ihrer Gründung als wichtigen Bestandteil der zukünftigen Personalentwicklung der AfD bezeichnet. Noch im März 2026 erklärte sie bei einem Parteitag in Nordrhein-Westfalen, die Partei stehe vollständig hinter der Generation Deutschland.

Der jetzige Widerspruch in der Euro-Frage gewinnt dadurch zusätzliches politisches Gewicht. Er zeigt, dass die organisatorisch engere Anbindung nicht verhindert, dass der Nachwuchs in einzelnen programmatischen Fragen von der Führungslinie abweicht.

Auch beim Schengen-Raum gibt es unterschiedliche Positionen

Die Differenzen beschränken sich nicht auf die gemeinsame Währung. Weidel hatte im ZDF-Sommerinterview im Zusammenhang mit der Migrationspolitik angekündigt, Deutschland solle aus dem Schengen-System aussteigen und seine Grenzen stärker selbst kontrollieren.

Auch in diesem Punkt widerspricht Hohm. Die Generation Deutschland wolle, dass Deutschland Teil des Schengen-Raums bleibe, erklärte der Vorsitzende. Gleichzeitig fordert die Jugendorganisation einen wesentlich stärkeren Schutz der EU-Außengrenzen und eine härtere europäische Migrationspolitik.

Damit verbindet die Organisation einen nationalstaatlich geprägten europapolitischen Kurs mit dem Ziel, zentrale europäische Strukturen wie Euro und Schengen nicht grundsätzlich aufzugeben. In der geplanten Resolution bekennt sich die Generation Deutschland nach den bisher bekannt gewordenen Passagen zur europäischen Idee, fordert aber eine deutliche Verlagerung politischer Kompetenzen zurück zu den Mitgliedstaaten.

Euro-Raum ist 2026 auf 21 Staaten gewachsen

Die Diskussion innerhalb der AfD fällt in eine Phase, in der sich der Euro-Raum zuletzt vergrößert hat. Bulgarien führte die Gemeinschaftswährung zum 1. Januar 2026 ein und wurde damit das 21. Mitglied des Euro-Raums. Zuvor war Kroatien Anfang 2023 beigetreten.

Ein deutscher Austritt wäre wegen der Größe der deutschen Volkswirtschaft von erheblich größerer Tragweite als frühere Veränderungen innerhalb der Währungsunion. Deutschland gehört zu den Gründungsmitgliedern des Euro und stellt die größte Volkswirtschaft des Währungsraums.

Welche wirtschaftlichen Folgen ein Austritt konkret hätte, hängt stark von seiner rechtlichen und technischen Ausgestaltung ab. Ökonomen verweisen unter anderem auf mögliche Auswirkungen auf Wechselkurse, Exporte, Finanzmärkte, Bankbilanzen, Staatsanleihen und grenzüberschreitende Verträge. Belastbare Berechnungen für ein hypothetisches aktuelles Austrittsszenario sind jedoch nur eingeschränkt möglich.

Der innerparteiliche Gegensatz ist dagegen eindeutig: Die Bundespartei hält bislang an der programmatischen Forderung nach einem deutschen Euro-Austritt fest. Ihre Jugendorganisation will den Euro reformieren und Deutschland im Währungsverbund halten. Beim Bundeskongress in Magdeburg soll diese Position nun auch formell in einer Resolution festgehalten werden.

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