Studie aus Münster: Narzissmus in Familien ist wohl vor allem genetisch geprägt

Studie aus Münster: Narzissmus in Familien ist wohl vor allem genetisch geprägt
Quelle: Pixabay, MabelAmber

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Eine neue psychologische Untersuchung mit Beteiligung der Universität Münster rückt die Ursachen narzisstischer Persönlichkeitszüge neu ins Blickfeld. Dabei kommt die Narzissmus Studie Münster zu dem Ergebnis, dass familiäre Ähnlichkeiten bei solchen Persönlichkeitsmerkmalen überwiegend genetisch erklärbar sind, während gemeinsame Bedingungen innerhalb der Familie offenbar nur eine geringe Rolle spielen.

Veröffentlicht wurde die Arbeit in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science. Wie die Universität Münster mitteilt, waren an der Untersuchung Forschende aus Münster und Bielefeld beteiligt. Grundlage waren Daten aus dem Langzeitprojekt TwinLife, das seit 2013 verschiedene Familienkonstellationen untersucht.

Was die Untersuchung aus Münster über Narzissmus in Familien zeigt

Im Zentrum der Studie stand die Frage, warum narzisstische Persönlichkeitszüge in manchen Familien gehäuft auftreten. Die Forschenden werteten dafür die Angaben von 6.715 Personen aus. Dazu zählten Zwillinge, deren nicht als Zwilling geborene Geschwister, Mütter, Väter sowie Partnerinnen und Partner. Berücksichtigt wurden nach Angaben der Universität Münster verschiedene Altersgruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Durchschnittsaltern von 15, 21 und 27 Jahren.

Nach den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich Unterschiede beim Narzissmus zu etwa gleichen Teilen durch genetische Faktoren und durch individuelle, nicht geteilte Lebenserfahrungen erklären. Die geteilte familiäre Umwelt, also etwa ähnliche Erziehungsbedingungen oder ein gemeinsames soziales Umfeld innerhalb einer Familie, leistete dagegen keinen nennenswerten Beitrag. Laut Mitteilung der Universität Münster widerspricht das einer weit verbreiteten Annahme, nach der vor allem der Erziehungsstil oder das Elternhaus die entscheidende Ursache für narzisstische Unterschiede seien.

Für die Psychologie Studie Münster ist das ein wichtiger Befund, weil damit ein vertrautes Erklärungsmuster an Gewicht verliert. Stattdessen rücken Faktoren in den Vordergrund, die Menschen außerhalb des eng geteilten Familienalltags machen, und die sich zwischen Geschwistern deutlich unterscheiden können.

Warum die Forschenden auf ein erweitertes Familiendesign setzen

Besonders relevant ist die Studie nach Angaben des Forschungsteams auch wegen ihres methodischen Aufbaus. Untersucht wurden nicht nur Zwillinge, wie es in klassischen Zwillingsstudien häufig der Fall ist. Vielmehr nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein erweitertes Zwillingsfamiliendesign, das Eltern und weitere Geschwister einbezieht und dadurch breitere Vergleiche innerhalb von Familien ermöglicht.

Wie die Universität Münster mitteilt, soll sich auf diese Weise genauer trennen lassen, welche Anteile auf genetische Einflüsse, auf ein gemeinsames familiäres Umfeld und auf individuelle Erfahrungen zurückgehen. Gerade dieser breitere Ansatz gilt als Stärke des zugrunde liegenden TwinLife Projekts. Nach Darstellung der Forschenden lassen sich damit Unterschiede zwischen Familienmitgliedern präziser analysieren als in Untersuchungen, die sich nur auf Zwillingspaare stützen.

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Die Universität Münster Narzissmus Forschung betont damit nicht nur ein Ergebnis, sondern auch einen methodischen Fortschritt. Denn wenn familiäre Ähnlichkeiten differenzierter betrachtet werden, lässt sich genauer bestimmen, an welcher Stelle verbreitete Annahmen über Persönlichkeitsentwicklung tatsächlich tragen und an welcher Stelle sie zu kurz greifen.

Welche Folgen die Ergebnisse für weitere Forschung haben könnten

Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden auch Konsequenzen für kommende Untersuchungen ab. Wenn das gemeinsame familiäre Umfeld narzisstische Unterschiede nur begrenzt erklärt, dann müssen andere Lebensbereiche stärker berücksichtigt werden. Genannt werden in der Mitteilung unter anderem Erfahrungen mit Gleichaltrigen, Partnerschaften, Bildungswegen oder dem Berufsleben.

Damit reagiert die Forschung auch auf eine grundlegende Debatte darüber, wie Persönlichkeitszüge entstehen und sich im Laufe des Lebens verändern. Ein genaueres Verständnis ist nicht nur für die Wissenschaft relevant. Narzisstische Merkmale können laut Universität Münster auch das persönliche Erleben, soziale Beziehungen sowie Bereiche wie Bildung und Arbeitswelt beeinflussen.

Die Studie liefert deshalb vor allem eine neue Einordnung, keine einfache Alltagsdiagnose. Sie zeigt, dass familiäre Häufungen nicht automatisch bedeuten, dass gemeinsame Erziehung oder das direkte Umfeld die Hauptursache sein müssen. Für die Narzissmus Forschung Münster ist das ein Hinweis darauf, Entwicklung stärker außerhalb des engeren Familienkontexts zu betrachten.

Quelle: nach Angaben der Universität Münster sowie der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Social Psychological and Personality Science

Originalstudie: Back, M. D. et al. (2026): Narcissism Runs in Families Due to Genetics: An Extended Twin Family Analysis, Social Psychological and Personality Science

Weitere Informationen: Arbeitseinheit Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie der Universität Münster

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