
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hat einen ungewöhnlichen Vorschlag in die wirtschaftspolitische Debatte eingebracht: Deutschland solle einen Teil seiner gigantischen Goldreserven verkaufen, um dringend benötigte Investitionen zu finanzieren. Die Bundesbank hält rund 3.350 Tonnen Gold im Wert von derzeit etwa 465 Milliarden Euro – eines der größten Goldlager der Welt.
Der DIW-Chef bezeichnete die deutschen Goldreserven als riesigen Notgroschen, der ungenutzt in Tresoren lagere, während das Land gleichzeitig unter einem massiven Investitionsdefizit leide. Fratzscher nennt einen Investitionsbedarf von rund 440 Milliarden Euro, der in den kommenden Jahren gedeckt werden müsse – für Infrastruktur, Energiewende, Bildung und digitale Transformation.
Sein Kernargument: Der Goldpreis ist in den vergangenen anderthalb Jahren regelrecht explodiert. Von rund 2.600 US-Dollar pro Feinunze Anfang 2025 kletterte er auf inzwischen rund 5.200 Dollar – einer Verdopplung des Wertes. Deutschland sitze damit auf einem unerwarteten Goldschatz, der für produktive Investitionen genutzt werden könnte. Fratzscher spricht offen davon, dass Deutschland bereit sein müsse, ein wirtschaftspolitisches Tabu zu brechen.
Allerdings räumt Fratzscher selbst ein, dass das Gold von der Deutschen Bundesbank verwaltet wird – und nicht der Bundesregierung gehört. Auch ein Bundeskanzler könne nicht einfach anordnen, die Reserven zu liquidieren. Das macht seinen Vorschlag politisch kompliziert, aber nicht unmöglich.
Mit 3.350 Tonnen verfügt Deutschland über die zweitgrößten Goldreserven der Welt, direkt nach den USA. Die Bundesbank lagert mehr als die Hälfte des Goldes, nämlich 1.710 Tonnen, in eigenen Tresoren in Frankfurt. Weitere 1.236 Tonnen befinden sich bei der US-Notenbank Federal Reserve in New York, und 405 Tonnen werden von der Bank of England in London verwahrt.
Der rasante Anstieg des Goldpreises hat den Wert der deutschen Bestände in kurzer Zeit deutlich erhöht. Ende 2024 war das Gold noch rund 270 Milliarden Euro wert – heute sind es schätzungsweise 465 Milliarden Euro. Damit hat allein der Preisanstieg rund 195 Milliarden Euro an Buchgewinnen erzeugt, ohne dass Deutschland eine einzige Unze verkauft hätte.
Für Anleger ist Gold ohnehin ein immer bedeutenderes Thema in unsicheren Zeiten – ebenso wie alternative Wertaufbewahrungs-Instrumente wie Bitcoin, dessen Kurs ebenfalls stark gestiegen ist.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich klar gegen einen Verkauf der Goldreserven ausgesprochen. Er betonte, die Reserven seien sicher aufbewahrt – auch die in New York. Angesichts der Trump-Ära in den USA war zuletzt die Frage aufgekommen, ob die in der Fed gelagerten deutschen Bestände als politisches Druckmittel eingesetzt werden könnten. Nagel erteilte solchen Befürchtungen eine Absage.
Die Europäische Zentralbank und die nationalen Notenbanken des Euroraums verfolgen traditionell eine konservative Goldpolitik. Goldreserven gelten als letzte Absicherung in extremen Krisen und als Vertrauensanker für die Währungsstabilität. Eine Teilveräußerung, so die Sorge, könnte das Vertrauen in den Euro untergraben und ein Signal der Schwäche senden.
Gleichzeitig hat die Bundesbank selbst gerade einen Milliardenverlust gemeldet und kann dem Bund keine Gewinne ausschütten. Das verschärft den Druck auf die Bundesregierung, nach anderen Finanzierungsquellen zu suchen – was Fratzschers Vorschlag zumindest als Diskussionsbeitrag politisch relevant macht. Ob Deutschland wirklich seinen Goldschatz antastet, bleibt jedoch höchst fraglich.
Quellen: Handelsblatt, Deutsche Börse Live, DIW Berlin, Bundesbank, Wirtschaftsticker, DWN, Finanznachrichten
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