Preußen Münster stellt nach dem Abstieg die Trainerfrage neu

Gegen Fürth fehlt Preußen Münster wieder das erlösende Tor
Foto: Stefan Schwegmann

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Münster. Der Abschied war am Ende folgerichtig. Preußen Münster und Alois Schwartz gehen nach der Saison getrennte Wege. Was im März als Rettungsmission begann, endet nach wenigen Wochen mit dem Abstieg in die 3. Liga und der Erkenntnis, dass der Verein für den Neustart eine neue sportliche Führung an der Seitenlinie sucht. Der Vertrag des Trainers läuft zum Saisonende aus und wird nach Vereinsangaben nicht verlängert. Schwartz wird die Mannschaft damit nur noch im letzten Saisonspiel bei der SV Elversberg betreuen.

Eine kurze Amtszeit mit schwerem Auftrag

Alois Schwartz kam Ende März nach Münster, als die Lage bereits kritisch war. Der SCP stand zu diesem Zeitpunkt auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga, hatte aber noch Kontakt zu den rettenden Rängen. Der 58-jährige Trainer übernahm nach der Trennung von Alexander Ende und erhielt einen Vertrag bis Saisonende. Seine Aufgabe war klar umrissen: Stabilität herstellen, Punkte sammeln, Klassenerhalt schaffen.

Genau das gelang nicht. In sechs Spielen unter Schwartz blieb Preußen Münster ohne Sieg. Vier Unentschieden und zwei Niederlagen reichten nicht, um den Rückstand aufzuholen. Nach dem 1:1 gegen Darmstadt 98 war der Abstieg vor dem letzten Spieltag nicht mehr zu verhindern. Für den Verein endet damit die Rückkehr in die 2. Bundesliga früher als erhofft, für Schwartz endet ein Engagement, das von Beginn an unter enormem Zeitdruck stand.

Schwartz sollte stabilisieren, doch die Wende blieb aus

Die Verpflichtung von Alois Schwartz war keine romantische Entscheidung, sondern eine pragmatische. Preußen holte einen Trainer, der die 2. Bundesliga kennt, Abstiegskampf erlebt hat und Mannschaften kurzfristig ordnen kann. Schwartz stand zuvor unter anderem beim Karlsruher SC, beim 1. FC Nürnberg, beim SV Sandhausen, bei Hansa Rostock und beim 1. FC Saarbrücken an der Seitenlinie. Seine Vita passte zur Lage: Erfahrung, Ruhe, klare Ansprache.

Doch Erfahrung allein kann eine Saison nicht mehr drehen, wenn die strukturellen Probleme zu groß sind. Münster war unter Schwartz nicht chancenlos, aber zu selten zwingend. Die Mannschaft stabilisierte sich phasenweise, verwaltete Spiele jedoch häufiger, als sie sie entschied. Das Kernproblem blieb: Der SCP kam nicht ins Gewinnen. In einem Abstiegskampf, in dem jedes Unentschieden irgendwann zu wenig ist, wurde genau das zum entscheidenden Makel.

Das Darmstadt-Spiel als Sinnbild der Saison

Das 1:1 gegen Darmstadt 98 passte in vielerlei Hinsicht zu dieser Preußen-Saison. Münster ging früh durch Shin Yamada in Führung, hatte das Stadion kurzzeitig wieder auf seiner Seite und verlor dann durch die Rote Karte gegen Kapitän Jorrit Hendrix entscheidend an Kontrolle. Torwart Johannes Schenk hielt zwar noch einen Elfmeter, doch Darmstadt kam durch Isac Lidberg zum Ausgleich. Der Punkt war achtbar, aber wertlos. Weil Fortuna Düsseldorf parallel gegen Elversberg gewann, war Münsters Abstieg rechnerisch besiegelt.

Für Schwartz war dieses Spiel ein Spiegelbild seiner kurzen Zeit in Münster. Der Wille war da, einzelne Momente funktionierten, die Mannschaft wehrte sich. Aber es fehlte die letzte Durchschlagskraft, um aus ordentlichen Phasen entscheidende Siege zu machen. Am Ende stand nicht ein dramatisches Scheitern an einem einzigen Nachmittag, sondern das Ergebnis einer langen Negativserie.

Warum die Trennung sportlich nachvollziehbar ist

Die Entscheidung gegen eine Verlängerung mit Schwartz ist hart, aber sportlich nachvollziehbar. Preußen Münster braucht nach dem Abstieg keinen Übergangsmoderator, sondern einen Trainer, der den Neuaufbau in der 3. Liga prägen kann. Es geht um Kaderplanung, Spielidee, Belastungssteuerung, Nachwuchsintegration und die Frage, wie der Verein nach zwei Aufstiegen und einem Abstieg wieder Stabilität findet.

Schwartz wurde für eine kurzfristige Mission geholt. Diese Mission ist nicht erfüllt worden. Das bedeutet nicht, dass der Trainer allein für den Abstieg verantwortlich ist. Seine Ausgangslage war schwierig, die Zeit knapp, das Momentum bereits gegen Münster. Aber für einen glaubwürdigen Neustart braucht der Verein nun eine klare Zäsur. Genau diese Zäsur vollzieht der SCP mit der Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern.

Thomas Wörle als naheliegender Kandidat

In der Trainersuche fällt bereits der Name Thomas Wörle. Der frühere Trainer des SSV Ulm wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Wörle führte Ulm einst von der Regionalliga in die 2. Bundesliga und steht damit für ein Profil, das zu Münsters nächster Aufgabe passen könnte: Entwicklung, Aufbruch, klare Struktur und Erfahrung mit Aufstiegsdynamik. Bestätigt ist eine Verpflichtung bislang aber nicht.

Für Preußen Münster wäre ein solcher Trainertyp logisch. Der Verein steht nicht vor einem kosmetischen Wechsel, sondern vor einer Richtungsentscheidung. Die 3. Liga ist eng, körperlich, unberechenbar und teuer, wenn man sich dort zu lange einrichtet. Wer dort sofort wieder konkurrenzfähig sein will, braucht mehr als Namen. Er braucht eine Idee.

Ein Abschied ohne Schuldzuweisung

Alois Schwartz verlässt Münster nicht als gescheiterter Alleinverantwortlicher, sondern als Trainer einer misslungenen Rettungsmission. Der SCP hatte ihn geholt, um in höchster Not einen Impuls zu setzen. Dieser Impuls reichte nicht. Dass Verein und Trainer nun keine gemeinsame Zukunft anstreben, wirkt deshalb weniger wie ein Bruch als wie das Ende eines befristeten Versuchs.

Für Preußen Münster beginnt die wichtigere Arbeit jetzt. Der Abstieg ist sportlich schmerzhaft, aber er muss nicht dauerhaft lähmen. Entscheidend wird sein, ob der Verein aus den vergangenen Monaten die richtigen Schlüsse zieht. Die Trainerfrage ist dabei nur der erste große Baustein. Der nächste Trainer wird nicht nur Spiele gewinnen müssen. Er muss dem SCP wieder eine Richtung geben.

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