
REWE verschärft in der Debatte über Lebensmittelpreise den Ton gegenüber großen Markenherstellern. Konzernchef Lionel Souque wirft Teilen der Industrie vor, sinkende Rohstoffkosten nicht ausreichend an Verbraucher weiterzugeben. Besonders deutlich wird der Konflikt bei Schokolade, wo hohe Kakaopreise in den vergangenen Jahren zu kräftigen Preiserhöhungen geführt hatten. Nach Darstellung des REWE-Chefs seien Entlastungen auf den Rohstoffmärkten aber nicht in gleichem Maß bei den Einkaufspreisen des Handels angekommen.
Der Konflikt trifft eine Branche, in der viele Kundinnen und Kunden weiterhin stark auf Preise achten. Nach Angaben aus dem REWE-Umfeld gewinnen Eigenmarken seit Jahren an Bedeutung. In den REWE-Supermärkten liegt ihr Umsatzanteil inzwischen bei fast 30 Prozent. 2025 legten diese Produkte überdurchschnittlich zu. Für Verbraucher ist das vor allem deshalb relevant, weil Eigenmarken häufig als günstigere Alternative zu klassischen Markenartikeln wahrgenommen werden.
REWE nutzt diese Entwicklung auch strategisch. Der Konzern versucht, sich im Wettbewerb mit Discountern stärker über Preiswahrnehmung, Bonusprogramme und Sortimentstiefe zu positionieren. Laut Souque stiegen die Preise in den REWE-Märkten zwischen März 2025 und März 2026 nur um ein Prozent. Zugleich beobachtet der Konzern nach eigenen Angaben laufend die Preise der Wettbewerber.
Die Preisdebatte fällt in eine Phase, in der die REWE Group wirtschaftlich weiter wächst, aber zugleich unter Kostendruck steht. Im Geschäftsjahr 2025 überschritt der Konzern erstmals die Umsatzmarke von 100 Milliarden Euro. Der Außenumsatz stieg um 4,0 Prozent auf 100,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei mehr als 1,5 Milliarden Euro, blieb aber unter dem Vorjahreswert. Als Gründe nennt der Konzern unter anderem Investitionen, steigende Personalkosten, höhere Sachkosten und den starken Wettbewerb im Lebensmittelhandel.
Auch international bleibt REWE ein bedeutender Handelskonzern. Die Gruppe ist in 21 europäischen Ländern aktiv und beschäftigt rund 380.000 Menschen. Neben REWE und PENNY gehören unter anderem BILLA, BIPA, ADEG, IKI, Lekkerland, toom und die DERTOUR Group zum Konzern. Damit ist REWE nicht nur im Lebensmittelhandel, sondern auch im Reisegeschäft und in weiteren Handelssegmenten präsent.
Parallel zur Preisdiskussion läuft bei REWE ein aktueller Produktrückruf. Betroffen ist Bratolivenöl aus Kreta 750ml der Ghorban Delikatessen Manufaktur GmbH mit der Lotnummer 250471 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 20. Februar 2027. Bei einer Qualitätskontrolle wurde festgestellt, dass Grenzwerte für MCPD-Fettsäureester überschritten wurden. Kundinnen und Kunden sollen das Produkt nicht verwenden und in die Verkaufsstelle zurückbringen.
MCPD-Fettsäureester gehören zu unerwünschten Stoffen, die unter anderem bei der Verarbeitung und Erhitzung von Fetten und Ölen entstehen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist darauf, dass solche Stoffe in Lebensmitteln unerwünscht sind und gesundheitsschädigendes Potenzial haben können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht bei 3-MCPD vor allem für bestimmte stärker belastete Verbrauchergruppen Anlass zur Vorsicht.
Für Verbraucher ist die Entwicklung bei REWE Teil einer größeren Verschiebung im europäischen Lebensmittelhandel. Markenhersteller, Supermarktketten und Discounter ringen um Preise, Margen und Marktanteile. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Handelsmarken, Rabattprogrammen und digitaler Kundenbindung. Der Streit um Schokolade und andere Markenartikel zeigt, dass der Handel Preiserhöhungen nicht mehr ohne Weiteres akzeptieren will.
Für REWE ist das eine Gratwanderung. Der Konzern muss konkurrenzfähige Preise anbieten, in Filialen, Logistik und digitale Angebote investieren und zugleich auf Lebensmittelsicherheit achten. Die jüngsten Entwicklungen zeigen deshalb zwei Seiten desselben Marktes: Verbraucher erwarten günstige Preise, aber auch verlässliche Kontrolle. Genau zwischen diesen Erwartungen bewegt sich der Lebensmittelhandel derzeit.
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