
Im US-Bundesstaat Tennessee ist eine geplante Hinrichtung per Todesspritze kurzfristig abgebrochen worden. Betroffen war Tony Von Carruthers, dessen Hinrichtung am Donnerstag, 21. Mai 2026, im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville vorgesehen war. Nach Angaben des Büros von Gouverneur Bill Lee gewährte der republikanische Gouverneur Carruthers anschließend einen vorläufigen Aufschub für ein Jahr.
Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass medizinisches Personal rasch einen primären intravenösen Zugang herstellen konnte. Nach Angaben des Tennessee Department of Correction gelang es jedoch nicht, eine zweite geeignete Vene für die im Protokoll vorgesehene Backup-Leitung zu finden. Auch der Versuch, einen zentralen Zugang zu legen, blieb demnach erfolglos. Danach wurde die Hinrichtung abgebrochen.
Gouverneur Bill Lee veröffentlichte am frühen Nachmittag Ortszeit eine kurze Erklärung. Darin teilte er mit, dass er Tony Von Carruthers einen vorläufigen Aufschub der Hinrichtung für ein Jahr gewähre. Weitere Details nannte das Büro des Gouverneurs in der Erklärung nicht. Die Angaben des Justizvollzugs beschränkten sich auf die Probleme beim intravenösen Zugang und den anschließenden Abbruch.
Nach Darstellung der Nachrichtenagentur AP hatten die Verantwortlichen mehr als eine Stunde versucht, die für die Todesspritze erforderlichen Zugänge zu legen. Medienzeugen konnten die eigentliche Vorbereitung nach den Regeln Tennessees nicht vollständig beobachten, weil der Blick in die Hinrichtungskammer während des Legens der Zugänge versperrt blieb. Diese eingeschränkte Beobachtbarkeit ist in den USA seit Jahren Gegenstand journalistischer und rechtlicher Kritik.
Carruthers war nach Gerichtsangaben wegen Entführung und Mordes an drei Menschen im Jahr 1994 in Memphis zum Tod verurteilt worden. Der Tennessee Supreme Court hatte den Hinrichtungstermin für den 21. Mai 2026 festgelegt. Kurz vor dem Termin hatte Carruthers unter anderem weitere DNA-Untersuchungen beantragt. Das höchste Gericht Tennessees wies den Antrag am 19. Mai 2026 zurück und bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz.
Unklar blieb zunächst, welche Konsequenzen der Abbruch für die künftige Durchführung von Hinrichtungen in Tennessee haben wird. Offiziell bestätigt war zunächst nur der einjährige Aufschub in diesem konkreten Fall. Nach AP-Angaben hatte Tennessee nach einer mehrjährigen Pause erst im vergangenen Jahr wieder mit Hinrichtungen begonnen. Hintergrund der früheren Unterbrechung waren Probleme bei der Prüfung von für Todesspritzen vorgesehenen Substanzen.
Der abgebrochene Vorgang reiht sich in eine längere Debatte über Hinrichtungen per Todesspritze in den USA ein. Nach Angaben der AP unter Berufung auf das Death Penalty Information Center wurden seit 2009 in mehreren Bundesstaaten Hinrichtungen abgebrochen, weil kein geeigneter intravenöser Zugang gelegt werden konnte. Genannt werden unter anderem Fälle in Alabama, Idaho und Ohio.
International sorgt die Todesstrafe in den USA regelmäßig für Kritik, weil sie in einem Teil der Bundesstaaten weiterhin vollstreckt wird, während andere Bundesstaaten sie abgeschafft haben oder keine Hinrichtungen mehr durchführen. Der Fall in Tennessee macht erneut deutlich, dass sich die Debatte nicht nur auf die grundsätzliche Frage der Todesstrafe bezieht, sondern auch auf die konkrete Durchführung, Kontrolle und Transparenz der Verfahren.
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