
Der sportliche Abstieg des TSV Havelse ist möglicherweise doch nicht das letzte Wort. Nach dem Lizenzversagen des TSV 1860 München rückt der niedersächsische Klub überraschend wieder in den Fokus der 3. Liga. Die Münchner konnten den erforderlichen Liquiditätsnachweis für die Saison 2026/27 nicht fristgerecht erbringen und müssen nach eigener Darstellung mit dem Absturz in die Regionalliga Bayern rechnen. Für Havelse, das die Saison auf Tabellenplatz 17 mit 35 Punkten beendet hatte, entsteht dadurch ein mögliches Rettungsszenario am Grünen Tisch.
Klar ist bisher: 1860 München hat die wirtschaftlichen Bedingungen für die Drittliga-Zulassung nicht erfüllt. Nach Angaben des Vereins hängt die Entwicklung mit einer nicht erfüllten Finanzierungszusage von Gesellschafter Hasan Ismaik und mit ihm verbundenen Unternehmen zusammen. Medienberichten zufolge ging es um eine Liquiditätslücke von rund 2,7 Millionen Euro. Der Traditionsverein hatte sportlich eigentlich den Klassenerhalt geschafft, verliert nun aber voraussichtlich seinen Platz im Teilnehmerfeld der kommenden Drittligasaison.
Für Havelse ist die Lage kompliziert. Der Klub aus Garbsen war sportlich abgestiegen und hatte sich bereits auf die Regionalliga Nord ausgerichtet. Durch den möglichen Wegfall von 1860 München könnte sich die Zahl der sportlichen Absteiger verändern. Havelse wäre als bestplatzierter Absteiger der erste Kandidat für einen Verbleib in der 3. Liga. Eine endgültige Entscheidung hängt jedoch von den formalen Zulassungsfragen und der weiteren Bestätigung durch die zuständigen Gremien ab.
Der Fall 1860 München ist sportlich und wirtschaftlich brisant. Der Klub hatte die vergangene Saison nicht auf einem Abstiegsplatz beendet, verfehlte aber die Voraussetzungen für die wirtschaftliche Zulassung. Entscheidend war der Liquiditätsnachweis, den Vereine im Zulassungsverfahren des Deutschen Fußball-Bundes erbringen müssen. Ohne diesen Nachweis fehlt die Grundlage für die Teilnahme an der 3. Liga.
Nach Darstellung des Vereins wurden zuvor eingeplante Finanzierungszusagen nicht umgesetzt. Damit geriet die KGaA des TSV 1860 München kurz vor Ablauf der Frist in eine Lage, die nicht mehr rechtzeitig geschlossen werden konnte. Für die Münchner wäre es der zweite Absturz aus wirtschaftlichen Gründen nach 2017. Damals musste 1860 nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga ebenfalls in der Regionalliga neu beginnen.
Für den TSV Havelse ändert sich die Ausgangslage schlagartig. Noch Anfang Mai war der Abstieg nach einer deutlichen Niederlage beim SC Verl vorzeitig besiegelt. Am Saisonende stand Havelse auf Platz 17. Die Bilanz lautete 35 Punkte, 57 erzielte Tore und 89 Gegentreffer. Damit lag der TSV zwar unter dem Strich, aber als bester Absteiger vor Erzgebirge Aue, dem SSV Ulm 1846 und dem 1. FC Schweinfurt 05.
Genau diese Position kann nun entscheidend werden. Sollte der Platz von 1860 München in der 3. Liga tatsächlich frei werden, spricht die sportliche Reihenfolge dafür, dass zunächst Havelse vom Lizenzversagen profitieren könnte. Für den Klub wäre das ein außergewöhnlicher Klassenerhalt. Der Verein hatte sich nach dem sportlichen Abstieg bereits auf einen Neustart in der Regionalliga Nord eingestellt und öffentlich zurückhaltend auf das Szenario reagiert.
Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Solange das Lizenzierungsverfahren nicht vollständig abgeschlossen ist, kann Havelse nicht belastbar für die 3. Liga planen. Kaderplanung, Vertragsfragen, Etat, Spielstätte und organisatorische Vorgaben unterscheiden sich erheblich zwischen Regionalliga und 3. Liga.
Besonders schwierig ist die Stadionfrage. Havelse trug seine Heimspiele in der vergangenen Drittligasaison im Eilenriedestadion in Hannover aus, weil das eigene Wilhelm-Langrehr-Stadion nicht drittligatauglich ist. Das Eilenriedestadion war für den Profibetrieb angepasst worden. Dazu gehörten provisorische Zusatztribünen, damit die Anforderungen an Kapazität und Infrastruktur erfüllt werden konnten.
Genau hier liegt nun das Problem. Die zusätzlichen Stahlrohrtribünen im Eilenriedestadion wurden nach dem sportlichen Abstieg bereits weitgehend zurückgebaut. Sollte Havelse kurzfristig in der 3. Liga bleiben, müsste die Spielstättenfrage erneut gelöst werden. Für einen Klub wie Havelse, der mit deutlich kleineren Strukturen arbeitet als viele Drittligisten, wäre ein kurzfristiger Kurswechsel anspruchsvoll.
Ein möglicher Verbleib von Havelse wäre kein gewöhnlicher Klassenerhalt. Auf dem Platz hatte der TSV den Abstieg nicht verhindern können. Erst das Lizenzversagen eines anderen Klubs öffnet nun die Tür zurück in die 3. Liga. Solche Fälle sind im Profifußball selten, aber nicht neu. Die 3. Liga hat in ihrer Geschichte bereits mehrfach erlebt, dass Vereine wegen finanzieller Probleme oder fehlender Zulassung aus dem Teilnehmerfeld fielen und dadurch andere Klubs profitierten.
Ob Havelse tatsächlich in der 3. Liga bleibt, entscheidet sich nun nicht allein auf Grundlage der Tabelle. Entscheidend sind die formalen Schritte nach dem Lizenz-Aus von 1860 München, die Zulassungsvoraussetzungen des möglichen Nachrückers und die schnelle Klärung der Stadionfrage. Für den TSV Havelse ist aus einem abgeschlossenen Abstiegskampf plötzlich ein Wettlauf gegen die Zeit geworden.
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