„Mein lieb Herz“: Sensationsfund führt Droste-Brief zurück nach Münster

Unbekannter Droste-Brief aus 1843 kehrt nach Münster zurück und wird dem LWL-Archivamt übergeben.
Übergabe des bisher unbekannten Droste-Briefes im Erbdrostenhof am 22. Juni 2026.

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Münster. Ein bisher unbekannter Brief von Annette von Droste-Hülshoff ist nach Münster zurückgekehrt. Das Droste-Forum hat das vierseitige Schreiben gemeinsam mit der Droste-Forschungsstelle der Literaturkommission für Westfalen auf einer Auktion erworben. Unterstützt wurde der Ankauf durch die Kunststiftung NRW.

Der Brief wird dem Westfälischen Literaturarchiv im LWL-Archivamt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Damit ist das Dokument künftig auch für die Forschung nutzbar. Vorgestellt wurde die Neuerwerbung am Montag, 22. Juni 2026, im Festsaal des Erbdrostenhofs.

Brief beginnt mit persönlicher Anrede

Der Brief stammt aus dem Frühjahr 1843 und war an Droste-Hülshoffs Freundin Elise Rüdiger gerichtet. Bereits die Anrede zeigt den persönlichen Ton des Schreibens: „Mein lieb Herz“. Vom Rüschhaus wurde der Brief damals durch eine Botenfrau nach Münster gebracht. Begleitet wurde er von einem französischen Roman, den Rüdiger nach der Lektüre zurückerhielt.

Auf vier kleinen Seiten kommentiert Droste-Hülshoff literarische Projekte von Frauen, französische Gegenwartsliteratur und das Scheitern einer Frauenzeitschrift mit ausschließlich weiblichen Autoren. Auch Nachrichten aus dem Familienkreis und Hinweise auf ihre angegriffene Gesundheit finden sich in dem Schreiben.

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Einblick in literarische Netzwerke

Für die Droste-Forschung ist der Fund bedeutsam, weil seit Jahrzehnten kein bisher unbekannter Brief der Dichterin mehr auf dem Autografenmarkt aufgetaucht war. Das Schreiben ergänzt den handschriftlichen Nachlass Annette von Droste-Hülshoffs, der zu großen Teilen im Westfälischen Literaturarchiv aufbewahrt wird.

Das Droste-Forum setzt damit seine Arbeit zur Sicherung bedeutender Handschriften fort. Bereits zuvor konnten unter anderem das Romanmanuskript „Ledwina“ und eine Testamentsniederschrift erworben werden. Auch diese Dokumente befinden sich als Dauerleihgaben im Westfälischen Literaturarchiv.

Droste träumt von schneller Kommunikation

Ein besonders anschaulicher Abschnitt zeigt, wie sehr Droste-Hülshoff die langsamen Kommunikationswege ihrer Zeit beschäftigten. Sie entwirft darin die Vorstellung, sich über farbige Flaggen Nachrichten zu senden. In dem Brief heißt es dazu: „was meinen Sie, Elise, wenn wir es auch so haben könnten?“

Die Idee verbindet persönliche Sehnsucht mit einer beinahe modernen Vorstellung von schneller Fernkommunikation. Droste-Hülshoff beschreibt etwa eine grüne Flagge für die Nachricht „die Kranken sind besser“, eine blaue für „ich habe interessante Nachrichten“ und eine rote für „ich komme“. Der Brief gibt damit nicht nur Einblick in private Gedanken, sondern auch in literarische Netzwerke, weibliches Schreiben und Alltagskommunikation im 19. Jahrhundert.

Brief Annette von Droste-Hülshoffs an Elise Rüdiger, Frühjahr 1843 (S. 1); Droste-Forum, Depositum Westfälisches Literaturarchiv, Bestand 1030-5/136.

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