
Münster. Armin Papperger steht derzeit für den schnellen Umbau von Rheinmetall, aber auch für die Risiken dieses Kurses. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern profitiert weiter von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa, musste zuletzt aber einen schweren Rückschlag im Marinegeschäft verkraften. Das Aus für das F126-Fregattenprogramm belastete die Aktie deutlich. Gleichzeitig treibt Armin Papperger Rheinmetall in Richtung neuer Projekte bei Raketen, Flugabwehr, Satelliten und Marineplattformen voran.
Der wichtigste aktuelle Anlass ist die Entscheidung der Bundesregierung, das verzögerte F126-Fregattenprogramm zu stoppen. Rheinmetall hatte nach der Übernahme von Naval Vessels Lürssen darauf gesetzt, im Marinegeschäft eine größere Rolle zu übernehmen. Nach früheren Planungen galt der Konzern als möglicher Profiteur des Projekts, das wegen Verzögerungen und steigender Kosten politisch unter Druck geraten war.
Berlin will stattdessen auf kleinere Meko-A-200-Fregatten von TKMS setzen. Für Rheinmetall ist das ein empfindlicher Dämpfer, weil das Marinegeschäft ein zentraler Baustein der Expansion über Panzer, Munition und Luftverteidigung hinaus werden sollte. Die Entscheidung zeigt zugleich, dass hohe Verteidigungsbudgets nicht automatisch jeden erwarteten Großauftrag sichern.
Papperger führt Rheinmetall seit 2013 als Vorstandschef und hat den Konzern in den vergangenen Jahren stark auf Rüstung und Sicherheit ausgerichtet. Ein wesentlicher Schritt war die Übernahme von NVL, dem militärischen Bereich der Lürssen-Gruppe. Damit will Rheinmetall die Domäne See stärker besetzen und sich als Systemhaus für Land, Luft, See und Cyber positionieren.
Parallel trennt sich Rheinmetall vom zivilen Geschäft. Der vorläufige Kaufpreis liegt bei 350 Millionen Euro, der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Damit wird Rheinmetall strategisch nahezu vollständig auf das Verteidigungsgeschäft ausgerichtet.
Trotz des Rückschlags im Marinegeschäft bleibt Rheinmetall in mehreren Wachstumsfeldern aktiv. Mit Destinus plant der Konzern ein Gemeinschaftsunternehmen für moderne Flugkörpersysteme. Die Gesellschaft Rheinmetall Destinus Strike Systems soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 entstehen, ihren Sitz in Unterlüß haben und sich auf Marschflugkörper sowie ballistische Raketenartillerie konzentrieren. Rheinmetall soll 51 Prozent halten, Destinus 49 Prozent.
Auch bei der Flugabwehr und Weltraumaufklärung setzt der Konzern auf Ausbau. Der Skyranger gilt als wichtiges System für mobile Nah- und Nächstbereichsflugabwehr gegen Drohnen und andere Luftbedrohungen. Rheinmetall kündigte an, die jährliche Produktionskapazität schrittweise deutlich zu erhöhen. Bei der ILA in Berlin präsentierte der Konzern zudem Projekte rund um SAR-Satelliten, Drohnen, Loitering Munition und F-35-Komponenten aus der Produktion in Weeze.
Der politische Rahmen bleibt für Rheinmetall grundsätzlich günstig. Die NATO will bei ihrem Gipfel im Juli in Ankara neue Rüstungsverträge in Milliardenhöhe in den Mittelpunkt stellen. Zugleich sollen die Mitgliedstaaten ihre Ausgabenpfade in Richtung höherer Verteidigungsausgaben bekräftigen. Für Unternehmen wie Rheinmetall bedeutet das Chancen, aber auch wachsende Erwartungen an Lieferfähigkeit, Produktionsausbau und verlässliche Projektabwicklung.
Rheinmetall meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatzanstieg auf 1,938 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 224 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag bei rund 73 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern seine Prognose mit 14 bis 14,5 Milliarden Euro Umsatz und einer operativen Marge von rund 19 Prozent.
Am Montagabend notierte die Rheinmetall-Aktie wieder im Plus bei rund 974 Euro. Damit erholte sich der Kurs etwas von den Verlusten der Vorwoche. Der Einbruch vom 24. Juni blieb jedoch deutlich sichtbar: An diesem Tag verlor die Aktie nach dem F126-Aus im Xetra-Handel zeitweise stark und schloss deutlich unter dem Niveau der Vortage.
Der Kurs liegt weiterhin weit unter dem 52-Wochen-Hoch von mehr als 2.000 Euro. Das zeigt, wie stark die Erwartungen an Rheinmetall zwischen Rüstungsboom, Produktionsrisiken und Projektunsicherheiten schwanken. Für Papperger ist die Börsenreaktion ein Signal, dass Investoren neben großen Auftragsfantasien zunehmend auch Umsetzungsfähigkeit, Margen und Kapitalbindung bewerten.
Im Vergütungsbericht für 2025 weist Rheinmetall für Papperger eine gewährte und geschuldete Vergütung von 8,399 Millionen Euro aus. Einschließlich des Dienstzeitaufwands für die Altersversorgung ergibt sich eine Gesamtvergütung von 10,161 Millionen Euro. Die vertraglich vereinbarte Zielvergütung einschließlich Versorgung lag für 2025 bei 6,451 Millionen Euro.
Inhaltlich äußerte sich Papperger zuletzt auch zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in Waffensystemen. Er sprach sich dafür aus, dass bei Entscheidungen über den Waffeneinsatz weiterhin ein Mensch die letzte Instanz bleibt. Rheinmetall entwickelt zwar autonome Systeme, stellt die Verantwortung für den finalen Waffeneinsatz nach eigenen Angaben aber nicht vollständig auf Maschinen um.
Papperger bleibt eine der prägenden Figuren der europäischen Rüstungsindustrie. Rheinmetall profitiert von höheren Verteidigungsausgaben, vom Bedarf an Munition, Luftabwehr, Fahrzeugen und neuen Technologien. Gleichzeitig wird der Konzern stärker daran gemessen, ob angekündigte Großprojekte tatsächlich in Aufträge, Produktion und Ergebnisse übergehen.
Das F126-Aus hat diese Spannung offengelegt. Rheinmetall wächst, übernimmt neue Geschäftsbereiche und positioniert sich in fast allen militärischen Domänen. Doch je breiter der Konzern wird, desto größer werden auch die Risiken bei Kosten, Terminen und politischer Beschaffung. Für Papperger ist 2026 damit ein Jahr, in dem nicht nur die Auftragslage zählt, sondern vor allem die Umsetzung.
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