
Die Vodafone-Aktie hat am Freitag einen deutlichen Kurssprung verzeichnet. Zeitweise gewann das Papier an der Londoner Börse 12,6 Prozent und führte damit den britischen Leitindex FTSE 100 an. Auslöser war der geplante Verkauf der gesamten Beteiligung des emiratischen Telekomkonzerns e& an ein Investmentvehikel der Familie des französischen Milliardärs Xavier Niel. Das Paket hat ein Volumen von knapp sechs Milliarden Dollar und würde Niel zum größten Einzelaktionär von Vodafone machen.
Der emiratische Telekomkonzern e& gab die Vereinbarung offiziell bekannt. Sie umfasst die vollständige Vodafone-Beteiligung. Die Anteile machen rund 16,21 Prozent der ausgegebenen Vodafone-Aktien beziehungsweise 15,49 Prozent der Stimmrechte aus. Käufer soll Vega werden, ein vollständig von der Niel-Familie kontrolliertes Akquisitionsvehikel. Die Vereinbarung ist bindend, muss jedoch noch die üblichen Abschlussbedingungen und regulatorischen Prüfungen durchlaufen.
Der Gesamtwert der Transaktion liegt bei etwa 5,95 Milliarden Dollar beziehungsweise rund 4,4 Milliarden Pfund. Je Vodafone-Aktie werden insgesamt 112,5 Pence angesetzt. Davon entfallen ungefähr 110,5 Pence auf die Barzahlung durch Vega und 2,02 Pence auf die noch auszuschüttende Schlussdividende für das Geschäftsjahr 2026. Gegenüber dem Vodafone-Schlusskurs von 97,76 Pence am Vortag entspricht die reine Barzahlung einem Aufschlag von etwa 13 Prozent.
e& war 2022 als strategischer Ankerinvestor bei Vodafone eingestiegen. Zunächst 9,8 Prozent an Vodafone erworben und die Beteiligung anschließend schrittweise ausgebaut. Zugleich schloss e& eine Vereinbarung mit Vodafone, die dem Großaktionär unter anderem Einflussmöglichkeiten und einen Sitz im Verwaltungsrat einräumte. Im Zuge des geplanten Verkaufs wurde diese Vereinbarung beendet. Der Vertreter von e& legte sein Mandat als nicht geschäftsführendes Vodafone-Verwaltungsratsmitglied nieder.
Analyst Kester Mann von CCS Insight wertete den Schritt als Rückzug von der bisherigen Strategie, sich stärker als internationaler Telekom- und Technologiekonzern zu positionieren. e& ging aus dem früheren Etisalat-Konzern hervor und verwendet den neuen Gruppennamen seit Februar 2022. Das Unternehmen ist inzwischen in 38 Ländern aktiv.
Xavier Niel ist Gründer und Kontrollaktionär des französischen Telekommunikationskonzerns Iliad, zu dem die Marke Free gehört. Über Vega wird Niel künftig zum größten Einzelaktionär von Vodafone. Das Investmentvehikel ist als reines Akquisitionsvehikel strukturiert, dessen Kapitalgeber die Familie stellt.
Vodafone hat seine Struktur unter Konzernchefin Margherita Della Valle deutlich vereinfacht. Das Unternehmen verkaufte seine Aktivitäten in Spanien und Italien und konzentriert sich stärker auf Deutschland, Großbritannien, die Türkei und Afrika. In Großbritannien wurde das Vodafone-Geschäft im Mai 2025 mit Three UK zusammengelegt. Im Mai 2026 kündigte Vodafone zudem an, den bislang von CK Hutchison gehaltenen Anteil an VodafoneThree für 4,3 Milliarden Pfund zu übernehmen.
Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 steigerte Vodafone den Umsatz um acht Prozent auf 40,46 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDAaL erreichte 11,35 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung belief sich zum Bilanzstichtag auf 25,41 Milliarden Euro. Der Einstieg Niels fällt damit in eine Phase, in der sich die europäische Telekombranche neu ordnet.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu