KI-Chip-Aktien im Ausverkauf: SOX im Bärenmarkt

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Höhenflug der internationalen KI- und Halbleiteraktien ist vorerst gestoppt. Nach einer weiteren schwachen Börsenwoche ist der Philadelphia Semiconductor Index, kurz SOX, mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch vom Juni gefallen. Damit befindet sich der viel beachtete Branchenindex nach der gängigen technischen Definition in einem Bärenmarkt.

Im Mittelpunkt stehen erneut Zweifel an den hohen Bewertungen zahlreicher Chipkonzerne und an den Milliardeninvestitionen in neue KI-Rechenzentren. Zusätzlichen Druck erzeugte die Vorstellung des chinesischen KI-Modells Kimi K3 durch Moonshot AI. Gleichzeitig sorgte der erhöhte Investitionsbedarf des weltgrößten Auftragsfertigers TSMC für neue Diskussionen über die Rentabilität des globalen KI-Ausbaus.

Philadelphia Semiconductor Index verliert zehn Prozent

Der Philadelphia Semiconductor Index verbuchte in der Woche bis Freitag, 17. Juli 2026, einen Verlust von rund zehn Prozent. Es war der stärkste Wochenrückgang seit mehr als einem Jahr. Gegenüber seinem Rekordschlussstand vom 22. Juni lag der SOX zum Ende der Woche 20,2 Prozent niedriger. Allein seit Monatsbeginn summierte sich das Minus damit auf mehr als 18 Prozent. Reuters +1

Der Rückgang ist allerdings auch vor dem vorherigen Kursanstieg zu sehen. Trotz des Einbruchs lag der Halbleiterindex weiterhin fast 65 Prozent über seinem Stand vom Jahresbeginn. Die aktuelle Bewegung trifft damit einen Sektor, der zuvor besonders stark von der Begeisterung für generative künstliche Intelligenz und den Ausbau neuer Rechenzentren profitiert hatte. Reuters

Am Montag zeichnete sich zumindest vorübergehend eine Gegenbewegung ab. Der Halbleiterindex legte im US-Handel zeitweise um rund 2,1 Prozent zu. Damit wurde ein Teil der vorherigen Verluste ausgeglichen. Eine Rückkehr zum Juni-Hoch bedeutete diese Erholung jedoch nicht. Barron’s

Nvidia verliert auf Wochensicht rund elf Prozent

Besonders deutlich zeigte sich die Neubewertung bei den großen KI-Chip-Aktien. Nvidia verlor auf Wochensicht rund elf Prozent und belastete wegen seiner hohen Börsenbewertung auch den Nasdaq und den S&P 500. Der Konzern gilt als wichtigster Profiteur der bisherigen Investitionswelle in KI-Rechenzentren.

Überdurchschnittlich unter Druck standen zudem Hersteller von Speicherchips. Marktberichte nannten unter anderem Micron und Sandisk als besonders stark betroffene Werte. Auch Intel geriet in den Abwärtssog. In Europa traf der Ausverkauf beispielsweise den niederländischen Chipausrüster ASML, während in Asien Speicherchipproduzenten wie Kioxia zu den schwachen Titeln gehörten. Reuters +1

Die Verkäufe beschränkten sich somit nicht auf einzelne Nvidia-Zulieferer. Sie erfassten große Teile der Halbleiter-Wertschöpfungskette: Entwickler von Grafikprozessoren, Speicherhersteller, Auftragsfertiger und Anbieter der Maschinen, die für die Produktion moderner Chips benötigt werden.

Kimi K3 schürt neue Zweifel am KI-Geschäft

Als zusätzlicher Belastungsfaktor gilt die Veröffentlichung von Kimi K3 durch das chinesische Unternehmen Moonshot AI. Das Modell soll offen verfügbar und vergleichsweise flexibel einsetzbar sein. Dadurch kamen erneut Befürchtungen auf, leistungsfähige KI-Anwendungen könnten mit weniger teurer Rechenleistung oder günstigeren technischen Lösungen entwickelt werden als bisher angenommen.

An den Märkten erinnert die Diskussion an frühere Phasen, in denen neue chinesische KI-Modelle Zweifel am enormen Kapitalbedarf westlicher Anbieter ausgelöst hatten. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie leistungsfähig Kimi K3 tatsächlich ist. Für Anleger stellt sich vor allem die Frage, ob die hohen Ausgaben der großen Cloudkonzerne langfristig entsprechende Erträge erwirtschaften können. The Wall Street Journal +1

Barclays erklärte, die neue Runde von KI-Sorgen habe die Stimmung gegenüber risikoreicheren Anlagen belastet. Das Haus verwies insbesondere auf die Unsicherheit über die Investitionsausgaben der großen Technologiekonzerne. Gleichzeitig wertete Barclays die Marktbewegung bislang eher als Sektorrotation denn als umfassenden Rückzug aus Aktien. MarketWatch

TSMC-Ausgaben werden zum Belastungsfaktor

Auch die Zahlen und Planungen von TSMC konnten die Halbleiteraktien nicht stabilisieren. Der taiwanische Konzern hatte zwar erneut starke Geschäftszahlen vorgelegt und seinen Wachstums- und Investitionsausblick erhöht. An der Börse rückte jedoch die Kostenseite in den Mittelpunkt.

Höhere Investitionsausgaben zeigen einerseits, dass TSMC mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach modernen Chips rechnet. Andererseits verstärken sie die Sorge, dass die Branche immer größere Summen einsetzen muss, um zusätzliche Produktionskapazitäten aufzubauen und technologisch führend zu bleiben. Marktteilnehmer hinterfragen daher zunehmend, ob Umsatz und Gewinn schnell genug wachsen, um den Kapitaleinsatz zu rechtfertigen. Saxo Bank +1

Diese Diskussion betrifft nicht nur TSMC. Auch die großen US-Cloudkonzerne investieren hohe Beträge in Rechenzentren, Netzwerke und KI-Beschleuniger. Die kommenden Quartalsberichte von Unternehmen wie Alphabet sowie die Aussagen weiterer Technologiekonzerne zu ihren Investitionsplänen dürften deshalb nach Einschätzung von Marktbeobachtern besonders aufmerksam verfolgt werden. MarketWatch +1

Wall Street schließt am Freitag deutlich schwächer

Der Ausverkauf bei Chipaktien zog am Freitag den gesamten US-Markt nach unten. Der Dow Jones Industrial Average sank um 0,8 Prozent beziehungsweise 406,55 Punkte auf 52.146,42 Punkte. Der Nasdaq Composite verlor 1,4 Prozent oder 361,70 Punkte und schloss bei 25.520,24 Punkten.

Beim S&P 500 weicht der verifizierte Schlussstand von der in einigen Marktberichten genannten Marke von 7.458 Punkten ab. Der Index fiel am Freitag um 1,0 Prozent beziehungsweise 76,08 Punkte auf 7.475,69 Punkte. Auf Wochensicht verlor der S&P 500 damit 1,6 Prozent. Für den Nasdaq belief sich das Wochenminus auf 2,9 Prozent, während der Dow 0,9 Prozent abgab. AP News +1

Der Rückgang blieb damit zwar im Halbleiter- und Technologiesektor besonders ausgeprägt, erfasste zum Wochenschluss aber auch den breiteren US-Aktienmarkt. Neben den Bewertungsfragen rund um KI belasteten Gewinnmitnahmen und der Abbau stark frequentierter Momentum-Positionen.

DAX hält sich bei rund 24.876 Punkten

Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich am Montag zunächst deutlich stabiler als die US-Technologiebörse. Nach den vorliegenden Montagsdaten bewegte sich der DAX nahezu unverändert bei rund 24.876 Punkten.

Die vergleichsweise ruhige Entwicklung zeigt, dass der Verkaufsdruck bislang vor allem auf hoch bewertete Halbleiter- und KI-Aktien konzentriert ist. Der DAX enthält zwar Technologiekonzerne und Unternehmen aus der Halbleiter-Lieferkette, ist jedoch stärker über Industrie, Versicherungen, Banken, Chemie und Konsumwerte verteilt als der Nasdaq.

Für die weitere Entwicklung richten sich die Blicke nun auf die Quartalszahlen großer US-Technologieunternehmen und deren Aussagen zu Investitionen in KI-Infrastruktur. Marktbeobachter erwarten, dass insbesondere neue Angaben zu Rechenzentren, Chipbestellungen und der erwarteten Auslastung der Anlagen die Stimmung im Halbleitersektor bestimmen werden. Eine verlässliche Aussage über die Dauer des Ausverkaufs lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

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