TSMC schürt mit Milliarden-Capex neue KI-Sorgen

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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TSMC hat mit Rekordzahlen und einem kräftig erhöhten Investitionsbudget zwei gegensätzliche Signale an den Halbleitermarkt gesendet. Der taiwanische Auftragsfertiger profitiert weiterhin massiv von der Nachfrage nach leistungsfähigen Chips für künstliche Intelligenz. Zugleich weckt die neue Größenordnung der geplanten Ausgaben Zweifel daran, ob die gesamte Branche ihre Kapazitäten schneller ausbaut, als sich KI-Anwendungen wirtschaftlich monetarisieren lassen.

Die Sorge vor einer nicht nachhaltigen Investitionswelle ist dabei eine Interpretation des Marktes. TSMC selbst begründet die höheren Ausgaben mit steigender Kundennachfrage, knappen Kapazitäten, neuen KI-Anwendungen und höheren Preisen für Produktionsanlagen.

TSMC meldet Umsatz- und Gewinnsprung

Nach Unternehmensangaben erzielte TSMC im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 1,27038 Billionen Taiwan-Dollar. Umgerechnet beliefen sich die Erlöse auf 40,20 Milliarden US-Dollar. Damit erreichte der Konzern das obere Ende seiner zuvor genannten Spanne von 39,0 bis 40,2 Milliarden Dollar.

Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg der Umsatz in Taiwan-Dollar um 36,0 Prozent. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 ergab sich ein Plus von 12,0 Prozent.

Der Nettogewinn erreichte 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar, rund 22 Milliarden US-Dollar. Das waren 77,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 23,4 Prozent mehr als im ersten Quartal. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 27,25 Taiwan-Dollar beziehungsweise 4,31 Dollar je in den USA gehandelter Hinterlegungsschein-Einheit.

Die Bruttomarge erhöhte sich auf 67,7 Prozent. Die operative Marge erreichte 60,3 Prozent, die Nettogewinnmarge 55,6 Prozent. Das Unternehmen führte die Verbesserung unter anderem auf Kostensenkungen, operative Skaleneffekte und eine höhere Kapazitätsauslastung zurück. TSMC +1

Investitionsbudget steigt auf bis zu 64 Milliarden Dollar

Der zentrale Belastungsfaktor für die Börse war nicht die Bilanz, sondern die neue Investitionsplanung. TSMC hob seine Spanne für die Kapitalausgaben 2026 auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar an.

Zu Jahresbeginn hatte das Unternehmen noch mit 52 bis 56 Milliarden Dollar gerechnet. Im April hatte das Management erklärt, die Ausgaben dürften eher am oberen Ende dieser alten Spanne liegen. Nun wurde sowohl die Unter- als auch die Obergrenze um jeweils acht Milliarden Dollar erhöht. Verglichen mit der bisherigen Obergrenze entspricht die neue Obergrenze einem Anstieg von rund 14 Prozent.

Im zweiten Quartal allein investierte TSMC 15,7 Milliarden Dollar beziehungsweise 496 Milliarden Taiwan-Dollar. Der operative Mittelzufluss betrug 783,36 Milliarden Taiwan-Dollar. Der freie Mittelzufluss sank dadurch gegenüber dem ersten Quartal von 348,21 Milliarden auf 287,36 Milliarden Taiwan-Dollar.

Nach der Unternehmensplanung sollen 70 bis 80 Prozent des Jahresbudgets in fortschrittliche Fertigungsverfahren fließen. Rund zehn Prozent sind für Spezialtechnologien vorgesehen. Weitere zehn bis 20 Prozent entfallen auf fortschrittliche Verpackung, Tests, Maskenfertigung und sonstige Bereiche. TSMC +2 TSMC +2

Auslastung steigt, genaue Quote bleibt offen

TSMC erklärte in der Bilanzvorlage, dass die gesamte Kapazitätsauslastung im zweiten Quartal leicht gestiegen sei. Eine konkrete prozentuale Auslastungsquote veröffentlichte das Unternehmen jedoch nicht. Eine exakte Zahl lässt sich daher aus den offiziellen Unterlagen nicht ableiten.

Als zusätzlicher Anhaltspunkt dienen die ausgelieferten Wafermengen. TSMC lieferte im zweiten Quartal 4,336 Millionen Wafer auf Basis des Zwölf-Zoll-Äquivalents aus. Das waren 3,9 Prozent mehr als im Vorquartal und 16,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das Management verwies zugleich auf eine sehr starke Nachfrage nach den modernsten Fertigungsverfahren. Engpässe bestehen laut Unternehmensführung nicht nur bei führenden Logikprozessen und fortschrittlichen Verpackungstechnologien. Auch bestimmte ältere Verfahren für Strommanagement-Chips seien knapp, weil KI-Rechenzentren große Mengen solcher Komponenten benötigten. TSMC +2 TSMC +2

Fortschrittliche Fertigung liefert 77 Prozent des Waferumsatzes

Die Umsatzstruktur zeigt, wie stark TSMC bereits vom KI- und Hochleistungsrechnen abhängig ist. Fertigungsverfahren mit sieben Nanometern oder weniger steuerten zusammen 77 Prozent zum Waferumsatz bei.

Auf die Drei-Nanometer-Technologie entfielen 30 Prozent, auf Fünf-Nanometer-Verfahren 33 Prozent und auf Sieben-Nanometer-Produkte elf Prozent. Die neu hochlaufende Zwei-Nanometer-Technologie erreichte bereits einen Anteil von drei Prozent.

Das Segment High Performance Computing, zu dem Chips für Rechenzentren und KI-Anwendungen gehören, wuchs gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent. Es stand für 66 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Smartphones kamen nach einem Rückgang um vier Prozent auf einen Anteil von 22 Prozent.

Diese Zahlen sind Unternehmensangaben. Sie stützen die Einschätzung des Managements, dass der Investitionsanstieg durch reale Bestellungen und nicht allein durch langfristige Hoffnungen ausgelöst werde. TSMC +1

Prognose signalisiert weiter starkes Wachstum

Für das dritte Quartal 2026 erwartet TSMC einen Umsatz zwischen 44,6 und 45,8 Milliarden US-Dollar. Am Mittelpunkt der Spanne entspräche das einem sequenziellen Wachstum von rund zwölf Prozent und einem Anstieg von etwa 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Bruttomarge soll zwischen 65 und 67 Prozent liegen. Für die operative Marge stellt das Unternehmen 56 bis 58 Prozent in Aussicht. Beide Spannen liegen unter den Werten des zweiten Quartals.

Als Grund nennt TSMC vor allem den schnellen Produktionshochlauf der Zwei-Nanometer-Technologie. Dieser soll die Bruttomarge in der zweiten Jahreshälfte um drei bis vier Prozentpunkte belasten. Hinzu kommen die höheren Kosten der internationalen Werke. Das Unternehmen erwartet, dass neue Auslandsfabriken die Bruttomarge zunächst um zwei bis drei Prozentpunkte und in späteren Ausbauphasen um drei bis vier Prozentpunkte drücken könnten.

Für das Gesamtjahr rechnet TSMC nun mit einem Umsatzwachstum von etwas mehr als 40 Prozent in US-Dollar. TSMC +2 TSMC +2

Warum hohe Investitionen zwiespältig aufgenommen werden

Aus Sicht von TSMC sind steigende Kapitalausgaben ein Zeichen für künftiges Wachstum. Vorstandschef C.C. Wei erklärte, der wichtigste Grund für die Erhöhung sei die weiter steigende Nachfrage. Kunden drängten auf zusätzliche Kapazitäten. Als zweiten Faktor nannte er die Inflation, durch die Produktionsanlagen teurer geworden seien.

Für Anleger besitzt dieselbe Entwicklung jedoch eine Kehrseite. Fabriken und Maschinen müssen bezahlt werden, bevor sie nennenswerte Umsätze erwirtschaften. Hohe Ausgaben verringern kurzfristig den freien Mittelzufluss. Nach der Inbetriebnahme steigen zudem die Abschreibungen. Werke außerhalb Taiwans verursachen zunächst höhere Stückkosten, während neue Fertigungsverfahren während des Hochlaufs erfahrungsgemäß weniger profitabel sind.

Das größere Risiko entstünde, falls Cloudkonzerne ihre Investitionen in KI-Rechenzentren später reduzieren. Dann könnten neue Kapazitäten auf eine schwächere Nachfrage treffen. Preisdruck, niedrigere Auslastung und fallende Margen wären mögliche Folgen. Umgekehrt könnte TSMC Marktanteile oder Aufträge verlieren, falls der Konzern zu vorsichtig investiert und nicht genügend Kapazität bereitstellt.

Analysten sehen starke Nachfrage, aber wachsende Risiken

Die offiziellen Zahlen übertrafen die Erwartungen deutlich. Der von Reuters genannte Marktkonsens hatte mit einem Quartalsgewinn von 632,6 Milliarden Taiwan-Dollar gerechnet. Tatsächlich meldete TSMC 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar. Auch die von FactSet erfassten Analysten hatten beim Gewinn je US-Hinterlegungsschein mit 3,81 Dollar deutlich weniger erwartet als die erreichten 4,31 Dollar.

Analysten bewerteten laut Marktberichten die Nachfrage nach Drei- und Zwei-Nanometer-Chips sowie nach der CoWoS-Verpackung weiterhin als stark. Diese Einschätzung spricht dafür, dass TSMC seine neuen Kapazitäten zumindest kurzfristig benötigt.

Gleichzeitig konzentriert sich die externe Branchenanalyse zunehmend auf die Ausgabendisziplin der großen Cloudanbieter. Ein Rückgang ihrer Rechenzentrumsinvestitionen würde nicht nur Chipdesigner treffen, sondern über TSMC bis zu Anlagenherstellern und Zulieferern durchschlagen. Diese Risikoeinschätzung stammt von Marktbeobachtern und ist keine Prognose des TSMC-Managements. Reuters +2 Investor’s Business Daily +2

Markt interpretiert Capex als Warnsignal

Die Reaktion der Börse zeigte die derzeit hohe Erwartungshaltung. Trotz Rekordgewinn, angehobener Umsatzprognose und starker Margen gerieten die in den USA gehandelten TSMC-Papiere nach der Zahlenvorlage unter Druck. Marktberichte führten die negative Reaktion vor allem auf die höhere Investitionsspanne und die erwarteten Margenbelastungen zurück. Investor’s Business Daily +1

Für den gesamten Halbleitersektor ist TSMC ein wichtiger Frühindikator. Die zusätzlichen Milliarden versprechen hohe Bestellungen für Ausrüster, Materiallieferanten und Hersteller von Verpackungstechnik. Gleichzeitig zeigen sie, wie viel Kapital inzwischen erforderlich ist, um das erwartete KI-Wachstum zu ermöglichen.

Die Unternehmensangaben signalisieren weiterhin eine außergewöhnlich starke operative Nachfrage. Die Analystenerwartungen wurden klar übertroffen. Die Sorge vor Überinvestitionen, Überkapazitäten und einer späteren Abkühlung ist dagegen eine Marktinterpretation. Ob die zusätzlichen Fabriken zu dauerhaft höheren Erträgen oder zu einer zyklischen Belastung werden, hängt vor allem davon ab, wie lange die großen Technologiekonzerne ihre KI-Ausgaben auf dem derzeitigen Niveau fortsetzen.

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