
Die US-Notenbank Federal Reserve entscheidet in der kommenden Woche über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Der Offenmarktausschuss FOMC kommt am Dienstag und Mittwoch, 28. und 29. Juli 2026, in Washington zusammen. Die Erklärung zum Fed Zinsentscheid soll am Mittwoch um 14.00 Uhr Ortszeit veröffentlicht werden. Das entspricht 20.00 Uhr deutscher Zeit. Eine halbe Stunde später beginnt die Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
Die Sitzung wird von ungewöhnlich großer Unsicherheit begleitet. Noch vor wenigen Wochen galt eine unveränderte Zinsspanne als nahezu sicher. Zuletzt stiegen jedoch die Erwartungen, dass die Notenbank ihren Leitzins möglicherweise um 0,25 Prozentpunkte anheben könnte. Hintergrund sind erneut zunehmende Inflationsrisiken, höhere Energiepreise und die Frage, ob die amerikanische Wirtschaft eine weitere Straffung verkraften kann.
Seit der Sitzung am 16. und 17. Juni liegt die Zielspanne für den Tagesgeldsatz zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Damals stimmten die Mitglieder des Offenmarktausschusses einstimmig für eine Beibehaltung des Zinsniveaus. Die Sitzung im Juli ist nicht mit der Veröffentlichung neuer Wirtschafts- und Zinsprojektionen verbunden. Diese folgen regulär bei der nächsten Sitzung am 15. und 16. September.
Am Terminmarkt blieb eine unveränderte Zinsspanne zum Ende der Woche das wahrscheinlichste Szenario. Auf Grundlage der Preise von Fed-Funds-Futures wurde die Wahrscheinlichkeit dafür am Freitag, 24. Juli, auf rund 63,5 Prozent beziffert. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent lag bei etwa 36,5 Prozent.
Damit hat sich die Einschätzung der Marktteilnehmer innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert. Eine Woche zuvor war die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung wesentlich niedriger gewesen. Steigende Ölpreise, höhere Renditen amerikanischer Staatsanleihen und Sorgen vor einem erneuten Inflationsschub führten dazu, dass Anleger ihre Erwartungen korrigierten.
Eine Zinssenkung wird für die Juli-Sitzung dagegen praktisch nicht eingepreist. Der Markt bewegt sich damit zwischen zwei Szenarien: Die Fed könnte die Zinsen zunächst konstant halten und weitere Daten abwarten. Sie könnte aber auch mit einer Erhöhung reagieren, um zu verhindern, dass sich die höheren Inflationsraten dauerhaft in den Erwartungen von Unternehmen und Verbrauchern festsetzen.
Die jüngsten Verbraucherpreisdaten liefern Argumente für beide Seiten. Der US-Verbraucherpreisindex sank im Juni saisonbereinigt um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem er im Mai um 0,5 Prozent gestiegen war. Im Vergleich zum Juni 2025 lagen die Verbraucherpreise jedoch weiterhin 3,5 Prozent höher. Damit blieb die Teuerung deutlich über dem langfristigen Inflationsziel der Federal Reserve von 2 Prozent.
Noch stärker fiel zuletzt der von der Fed besonders beachtete Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben aus. Die sogenannte PCE-Inflation betrug im Mai 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte am 13. Juli, die Inflation sei unabhängig von der gewählten Messgröße im Jahresverlauf gestiegen und liege auf einem Niveau, das nicht mit dem Zwei-Prozent-Ziel vereinbar sei.
Auch höhere Energiepreise beschäftigen die Notenbank. In den Protokollen der Juni-Sitzung wurde festgehalten, dass die internen Inflationsprognosen wegen höherer Energie- und anderer Produktionskosten angehoben worden waren. Zugleich erwarteten die Fachleute der Fed, dass die Gesamtinflation im zweiten Halbjahr nachlassen könnte, sofern die Kraftstoffpreise wieder sinken. Die Kerninflation dürfte nach dieser Einschätzung jedoch zunächst kaum zurückgehen.
Gegen eine schnelle Zinserhöhung spricht die nachlassende Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Im Juni entstanden außerhalb der Landwirtschaft lediglich 57.000 neue Stellen. Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,2 Prozent zwar weitgehend stabil, das Beschäftigungswachstum fiel jedoch gering aus.
Zusätzlich wurden die Werte für April und Mai zusammen um 74.000 Stellen nach unten korrigiert. Im April entstanden demnach 148.000 und im Mai 129.000 neue Arbeitsplätze. Die Erwerbsquote sank im Juni um 0,3 Prozentpunkte auf 61,5 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent.
Für die Fed ergibt sich daraus ein Zielkonflikt. Eine Zinserhöhung könnte die Nachfrage weiter bremsen und den Arbeitsmarkt belasten. Eine längere Zinspause könnte dagegen das Risiko erhöhen, dass die Inflation oberhalb des Zielwerts bleibt. Vorsitzender Kevin Warsh hatte nach der Juni-Sitzung betont, dass dauerhaft hohe Preise eine Belastung für die amerikanische Bevölkerung seien. Gleichzeitig verwies er auf die solide wirtschaftliche Aktivität, starke Investitionen und ein weitgehend stabiles Beschäftigungsbild.
Für die Finanzmärkte wird neben dem eigentlichen Beschluss vor allem die Wortwahl der Fed entscheidend sein. Eine überraschende Zinserhöhung könnte die Renditen amerikanischer Staatsanleihen weiter steigen lassen und zinssensible Aktien belasten. Eine unveränderte Zinsspanne mit einem deutlichen Hinweis auf mögliche spätere Erhöhungen könnte eine ähnliche, wenn auch schwächere Reaktion auslösen.
Auch der Dollar dürfte auf die Entscheidung reagieren. Höhere US-Zinsen können amerikanische Anlagen für internationale Investoren attraktiver machen und den Dollar gegenüber anderen Währungen stützen. Für Anleger aus dem Euroraum beeinflusst der Wechselkurs sowohl den Wert amerikanischer Aktien als auch die Preise vieler in Dollar gehandelter Rohstoffe.
Für Verbraucher in den USA bedeuten hohe oder weiter steigende Leitzinsen tendenziell teurere Kredite. Das betrifft variable Kreditkartenzinsen, Unternehmenskredite und indirekt die Finanzierung von Häusern und Autos. Gleichzeitig können Sparer von höheren Zinsen auf Tagesgeldkonten und kurzfristigen Anlagen profitieren. Für deutsche Verbraucher wirken sich Fed-Entscheidungen vor allem über Wechselkurse, Kapitalmarktzinsen, Aktienkurse und in Dollar abgerechnete Energie- und Rohstoffpreise aus.
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