
Die Ölpreise haben eine ausgesprochen volatile Handelswoche hinter sich. Die Nordseesorte Brent beendete den Handel am Freitag, 24. Juli 2026, bei 96,78 US-Dollar je Barrel. Gegenüber dem Vortag entsprach dies einem Rückgang um 3,91 Dollar oder 3,88 Prozent. Auf Wochensicht blieb dennoch ein Plus von knapp zehn Prozent.
Die US-Sorte West Texas Intermediate, kurz WTI, fiel am Freitag um 2,87 Dollar oder 3,12 Prozent auf 89,31 Dollar je Barrel. Im Wochenvergleich verteuerte sich WTI um 8,27 Prozent. Damit blieben beide Referenzsorten trotz der deutlichen Verluste zum Wochenschluss erheblich teurer als eine Woche zuvor.
Am Donnerstag hatte Brent erstmals seit Mai wieder oberhalb von 100 Dollar geschlossen. Zeitweise war der Preis sogar bis auf rund 102 Dollar gestiegen. Bereits am Mittwoch hatte Brent mit 94,07 Dollar den höchsten Schlussstand seit fast sechs Wochen erreicht. WTI beendete den Mittwoch bei 86,83 Dollar. Die aktuelle Entwicklung des Ölpreises wurde damit vor allem von kurzfristig wechselnden Nachrichten über mögliche Lieferausfälle und diplomatische Initiativen geprägt.
Der wichtigste Preistreiber war die erneute Eskalation im Nahen Osten. Die Vereinigten Staaten und Iran tauschten Raketenangriffe aus. Gleichzeitig verlangsamte sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erheblich. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und zählt zu den wichtigsten Transportrouten für Erdöl und Flüssigerdgas.
Zusätzliche Unsicherheit entstand durch Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer. Die Gruppe drohte zudem mit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab. Diese Route verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist für Lieferungen zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten von hoher Bedeutung.
Am Freitag drehten die Ölpreise jedoch deutlich ins Minus. Auslöser waren Berichte über eine chinesische Initiative zur Wiederaufnahme festgefahrener Friedensgespräche zwischen den USA und Iran. Die Aussicht auf eine mögliche diplomatische Annäherung verringerte vorübergehend die am Markt eingepreiste Gefahr umfangreicher Lieferunterbrechungen. Der tatsächliche Schiffsverkehr durch die strategisch wichtigen Meerengen blieb zwar eingeschränkt, kam aber nicht vollständig zum Erliegen.
Neben dem Nahostkonflikt belasteten Störungen in Kasachstan das Angebot. Nach mutmaßlichen Drohnenangriffen musste das Caspian Pipeline Consortium die Annahme von Rohöl an seinem russischen Exportterminal am Schwarzen Meer zeitweise aussetzen. Über diese Verbindung werden normalerweise rund zwei Prozent des weltweiten Rohölangebots transportiert.
Kasachstan reduzierte daraufhin seine Förderung, um ein Überlaufen der Lagerstätten zu verhindern. Die landesweite Öl- und Gasproduktion sank nach Angaben des Energieministeriums von 2,07 Millionen auf 1,63 Millionen Barrel pro Tag. Am großen Tengiz-Feld fiel die Förderung zeitweise von durchschnittlich 925.000 auf 406.000 Barrel täglich.
Preisdämpfend wirkten dagegen neue Lagerdaten aus den USA. Die kommerziellen Rohölbestände stiegen in der Woche bis zum 17. Juli überraschend um 2,0 Millionen Barrel auf 411,7 Millionen Barrel. Erwartet worden war ein Rückgang. Die Bestände lagen allerdings weiterhin rund sechs Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Auch die Benzinvorräte erhöhten sich um 765.000 Barrel auf 211,3 Millionen Barrel. Die US-Rohölförderung sank geringfügig auf rund 13,8 Millionen Barrel pro Tag. Die Raffinerien arbeiteten mit einer hohen Auslastung von 96,1 Prozent.
Die OPEC und ihre Partnerländer wirken den geopolitischen Risiken mit einer vorsichtigen Ausweitung des Angebots entgegen. Sieben beteiligte Förderstaaten beschlossen Anfang Juli, ihre Produktion im August um insgesamt 188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Zu der Gruppe gehören unter anderem Saudi-Arabien und Russland.
Die Erhöhung ist Teil der schrittweisen Rücknahme zusätzlicher freiwilliger Förderkürzungen, die 2023 vereinbart worden waren. Die OPEC betonte, weitere Anpassungen vom Zustand des Ölmarktes abhängig zu machen. Die zusätzlichen Mengen fallen im Verhältnis zur weltweiten Nachfrage jedoch gering aus und können größere Ausfälle an wichtigen Exportwegen nur begrenzt ausgleichen.
Auf der Nachfrageseite liefern die jüngsten US-Daten ein gemischtes Bild. Der gesamte Verbrauch von Ölprodukten lag im Vierwochendurchschnitt bei rund 20,4 Millionen Barrel pro Tag und damit leicht unter dem Vorjahresniveau. Zugleich nahm die Nachfrage nach Benzin, Destillaten und Flugzeugtreibstoff zu. Schwächere chinesische Importe begrenzen ebenfalls den Preisanstieg, während die Reisesaison auf der Nordhalbkugel den Verbrauch von Kraftstoffen stützt.
Die höheren Rohölpreise sind bereits an deutschen Tankstellen angekommen. Nach der ADAC-Auswertung vom 22. Juli kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,146 Euro. Das waren 6,3 Cent mehr als eine Woche zuvor. Diesel verteuerte sich um 9,8 Cent auf durchschnittlich 2,168 Euro je Liter und war damit wieder teurer als Super E10.
Für eine Tankfüllung von 50 Litern bedeutete der Wochenanstieg rechnerisch Mehrkosten von 3,15 Euro bei Super E10 und 4,90 Euro bei Diesel. Neben dem Rohölpreis beeinflussen der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, Raffineriekosten, Transportkosten, Steuern und die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen die Beträge an den Zapfsäulen.
Hält sich Brent in der Nähe von 100 Dollar, könnten Kraftstoff-, Heizöl- und Transportkosten erhöht bleiben. Besonders Diesel reagiert häufig empfindlich auf Engpässe bei Mitteldestillaten, zu denen auch Heizöl und Flugtreibstoff gehören. Höhere Transportkosten können mit Verzögerung außerdem die Preise anderer Waren belasten.
Rohstoffpreise können aufgrund politischer Ereignisse, Konjunkturdaten und Veränderungen von Angebot und Nachfrage stark schwanken. Die genannten Kursstände beschreiben die Marktlage zum angegebenen Zeitpunkt und stellen keine Anlageberatung dar.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu