Erdbeben am Semmering: Sieben Nachbeben bis Freitagmorgen

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Sieben Nachbeben haben das kräftige Erdbeben am Semmering begleitet, das in der Nacht auf Freitag die Grenzregion zwischen Niederösterreich und der Steiermark erschütterte. Die jüngste öffentlich dokumentierte Erschütterung der Serie wurde am Freitag, 24. Juli, um 7.16 Uhr registriert. Insgesamt zeichneten die Messgeräte nach dem Hauptbeben sieben weitere Erdstöße auf. Sie erreichten Magnituden zwischen 0,2 und 2,1 und blieben nach den vorliegenden Angaben für die Bevölkerung überwiegend unbemerkt. Das stärkste Nachbeben ereignete sich um 6.15 Uhr im Raum Gloggnitz und hatte Magnitude 2,1.

Das Hauptbeben war um 1.59 Uhr aufgetreten. Erste automatische Meldungen nannten zunächst eine Stärke von 4,5. Nach der genaueren Auswertung korrigierte die GeoSphere Austria den Wert auf Magnitude 4,4 ML. Das Epizentrum lag etwa neun Kilometer westsüdwestlich von Gloggnitz und östlich von Mürzzuschlag. Der Erdbebenherd befand sich in einer Tiefe von rund fünf Kilometern und damit vergleichsweise nah an der Erdoberfläche. Nach Einschätzung des Erdbebendienstes können in den folgenden ein bis zwei Wochen weitere schwache Nachbeben auftreten. Erwartet werden etwa zehn bis 20 messbare Erschütterungen, von denen möglicherweise ein oder zwei wahrgenommen werden.

Erschütterungen bis Krems und an die slowenische Grenze

Wegen der geringen Herdtiefe wurde das Beben über eine große Fläche deutlich wahrgenommen. Meldungen gingen aus weiten Teilen Niederösterreichs ein, nach Angaben der GeoSphere Austria bis in den Raum Krems. In der Steiermark reichte das Wahrnehmungsgebiet von Bruck an der Mur und Leoben bis in den Grenzraum zu Slowenien. Auch in Wien und im Burgenland spürten Menschen das Beben. Einzelne Berichte kamen zudem aus Oberösterreich.

Im Nahbereich des Epizentrums wurden zahlreiche Bewohner aus dem Schlaf gerissen. Menschen berichteten von wackelnden Möbeln, klappernden Türen und Fenstern sowie einem kurzen Knall oder tiefen Grollen. Die GeoSphere Austria stufte die maximale Intensität nach ersten Auswertungen mit Grad VI auf der zwölfstufigen Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98 ein. Bei dieser Intensität sind leichte Schäden an Gebäuden möglich, insbesondere an älteren oder bereits vorgeschädigten Bauwerken. Die geringe Tiefe verstärkte die Auswirkungen nahe dem Epizentrum, während die Stärke des Bebens insgesamt im moderaten Bereich blieb.

Mehr als 800 Meldungen und leichte Gebäudeschäden

Bis Freitagnachmittag gingen beim Österreichischen Erdbebendienst mehr als 800 Wahrnehmungsberichte ein. Darunter waren 35 Meldungen über leichte Schäden. Genannt wurden vor allem feine Risse im Verputz oder im Mauerwerk sowie heruntergefallene Gegenstände. Hinweise auf Schäden, die die Stabilität von Gebäuden beeinträchtigen, lagen nicht vor. Verletzte wurden ebenfalls nicht gemeldet.

Auf der Straße zwischen Schottwien und Breitenstein im Bezirk Neunkirchen lösten sich kleinere Felsbrocken. Die Feuerwehr räumte die Fahrbahn und gab die Verbindung anschließend wieder frei. Die gemessenen Bodenbeschleunigungen lagen laut GeoSphere Austria deutlich unter den Bemessungswerten der geltenden Norm für erdbebengerechtes Bauen. Erste Untersuchungen des Herdmechanismus deuteten auf eine Blattverschiebung hin, bei der sich Gesteinsblöcke seitlich gegeneinander bewegen.

Semmering zählt zu den aktiven Erdbebengebieten

Das Semmering-Wechsel-Gebiet gehört gemeinsam mit dem südlichen Wiener Becken zu den stärker erdbebengefährdeten Regionen Österreichs. In der Umgebung sind wiederholt kräftige Beben dokumentiert worden. Am Semmering ereignete sich 1964 ein Beben der Magnitude 5,3. Bei Maria Schutz wurde 1984 eine Magnitude von 4,9 erreicht. Das jüngste vergleichbare Ereignis traf die Region am 1. Februar 2024. Dieses Beben erreichte nach heutiger Auswertung etwa Magnitude 4,6, die maximale Intensität VI und verursachte ebenfalls leichte Gebäudeschäden.

Zu den bedeutenden historischen Ereignissen in Niederösterreich gehört das Erdbeben von Schwadorf am 8. Oktober 1927. Es erreichte Magnitude 5,2 und Intensität VIII, bei der schwere Gebäudeschäden auftreten können. Als stärkstes historisch bekanntes Erdbeben im Gebiet des heutigen Österreich gilt das Ereignis vom 15. September 1590 bei Ried am Riederberg. Es verursachte große Schäden im Tullnerfeld und im heutigen Wien.

Warum die Erde in Österreich immer wieder bebt

Erdbeben können grundsätzlich fast überall in Österreich auftreten. Besonders aktiv sind jedoch das Rheintal in Vorarlberg, das Inntal mit seinen Seitentälern, das Mur- und Mürztal, das Semmeringgebiet und das Wiener Becken. Ursache sind Spannungen in der Erdkruste, die sich entlang geologischer Störungszonen aufbauen und plötzlich lösen.

Das tektonische Spannungsfeld wird wesentlich von der Adriatischen Platte geprägt. Sie bewegt sich nach Norden und drückt gegen die Eurasische Platte. Diese anhaltende Kollision steht mit der Entstehung und weiteren Verformung der Alpen in Verbindung. In Niederösterreich werden im Durchschnitt etwa zehn Erdbeben pro Jahr von der Bevölkerung wahrgenommen. Beben, die leichte Gebäudeschäden verursachen, treten dort statistisch ungefähr alle acht Jahre auf. Ereignisse mit vereinzelt größeren Schäden werden in Abständen von etwa 30 bis 40 Jahren erwartet.

Die meisten registrierten Erdstöße bleiben allerdings so schwach, dass Menschen sie nicht bemerken. Im Jahr 2025 lokalisierte der Österreichische Erdbebendienst rund 1.100 Beben im Land, von denen 61 von der Bevölkerung wahrgenommen wurden. Die Nachbeben am Semmering entsprechen damit einem typischen Ablauf nach einem stärkeren regionalen Erdstoß und werden vom Erdbebendienst weiter ausgewertet.

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