
Migros Zürich hatte im März angekündigt, sich vollständig von Tegut zu trennen. Hintergrund sind anhaltende wirtschaftliche Probleme. Nach Angaben des Unternehmens reichten auch umfangreiche Sparmaßnahmen nicht aus, um die Supermarktkette dauerhaft wirtschaftlich und zukunftsfähig aufzustellen.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist besonders für ihr vergleichsweise großes Angebot an Biolebensmitteln, regionalen Produkten und nachhaltig hergestellten Waren bekannt.
Den größten Teil des Filialnetzes möchte Edeka übernehmen. Geplant ist der Erwerb von rund 200 Märkten. Zu dem Paket gehören außerdem weitere Unternehmensteile, darunter das Logistikzentrum im hessischen Michelsrombach, die Herzberger Bäckerei und die Gesellschaft hinter den kleinen Teo-Märkten.
Durch die geplante Übernahme könnten nach Angaben von Edeka rund 4.500 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Abgeschlossen ist der Verkauf allerdings noch nicht. Das Bundeskartellamt prüft derzeit, welche Auswirkungen die Übernahme auf den Wettbewerb in den betroffenen Regionen haben könnte.
Bei einer Genehmigung sollen die übernommenen Standorte in das Edeka-Netz integriert werden. Teilweise könnten auch selbstständige Edeka-Kaufleute einzelne Märkte führen.
Auch die Rewe-Gruppe möchte einen Teil des Tegut-Netzes übernehmen. Vorgesehen ist der Kauf von bis zu 40 Filialen. Die meisten dieser Standorte sollen künftig als Rewe-Märkte betrieben werden. Einzelne Geschäfte könnten auf die Discountmarke Penny umgestellt werden.
Welche Filialen genau betroffen sind, wurde bislang nicht vollständig veröffentlicht. Rewe kündigte jedoch an, den Beschäftigten der übernommenen Märkte Arbeitsangebote machen zu wollen. Auch diese Übernahme muss noch kartellrechtlich genehmigt werden.
Für 36 Tegut-Märkte gibt es bereits eine bestätigte Lösung. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme durch die Smart-Store-Kette Tante Enso genehmigt. Die betroffenen Standorte liegen in Hessen, Thüringen und Bayern.
Tante Enso betreibt vor allem kleinere Nahversorgungsmärkte. Das Konzept verbindet klassische Öffnungszeiten mit Personal und automatisierten Einkaufszeiten. Registrierte Kundinnen und Kunden können viele Märkte dadurch auch außerhalb der üblichen Bedienzeiten nutzen.
Die übernommenen Tegut-Filialen sollen schrittweise auf dieses Modell umgestellt werden. Daneben wird über ein Interesse von Aldi Nord an einzelnen Standorten berichtet. Konkrete Vereinbarungen oder eine Zahl möglicher Märkte sind bislang nicht bekannt.
Tegut beschäftigt rund 7.500 Menschen. Für einen großen Teil der Belegschaft könnten die geplanten Übernahmen eine Weiterbeschäftigung ermöglichen. Edeka, Rewe und weitere Interessenten haben angekündigt, zahlreiche Arbeitsplätze erhalten zu wollen.
Dennoch bleiben Unsicherheiten. Noch ist nicht für jede Filiale eine endgültige Lösung gefunden worden. Zudem stehen die großen Verkaufspakete an Edeka und Rewe weiterhin unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.
Die Gewerkschaft Verdi weist außerdem darauf hin, dass sich die Arbeitsbedingungen nach einem Betreiberwechsel verändern könnten. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob bestehende Tarifbindungen bei allen neuen Betreibern erhalten bleiben.
Nach Abschluss der Verkäufe dürfte Tegut als eigenständige Supermarktkette vom deutschen Markt verschwinden. Viele der bisherigen Standorte sollen jedoch weiterhin als Lebensmittelmärkte genutzt werden.
Für Kundinnen und Kunden können sich je nach Filiale der Name, das Sortiment und das Geschäftskonzept ändern. Auch Umbauten oder vorübergehende Schließungen während der Umstellung sind möglich. Wie es mit Standorten weitergeht, die bislang keinem der bekannten Verkaufspakete zugeordnet sind, bleibt offen. Wann die Umstellungen beginnen und welche Filialen unter welchem Namen weitergeführt werden, hängt vom Abschluss der Verkaufs- und Prüfverfahren ab.
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