
Die Infineon-Aktie vor Quartalszahlen hat am Dienstag die Gewinnerliste im Dax angeführt. Auf Xetra schloss das Papier bei 63,72 Euro und damit 3,66 Prozent über dem Vortag. Im Tagesverlauf waren bis zu 64,27 Euro erreicht worden. Rückenwind erhielt der Münchner Halbleiterkonzern von der wieder erstarkten Nachfrage nach Technologiewerten und positiven Signalen aus der internationalen Chipbranche.
Infineon veröffentlicht die Ergebnisse für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres 2025/26 am Mittwoch, 5. August 2026. Die Präsentation ist nach Angaben des Unternehmens für 7.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit vorgesehen. Das Berichtsquartal umfasst die Monate April bis Juni. Der Infineon-Kalender weist für den Zeitraum bis zur Veröffentlichung eine sogenannte Quiet Period aus, in der sich das Unternehmen vor den Zahlen üblicherweise nicht zu seiner Geschäftsentwicklung äußert.
Die Erwartungen sind vergleichsweise hoch. Der von Vara Research im Auftrag von Infineon zusammengestellte Konsens von 21 Finanzhäusern geht von einem Quartalsumsatz von 4,128 Milliarden Euro aus. Das wäre ein Anstieg von rund acht Prozent gegenüber den 3,812 Milliarden Euro aus dem vorherigen Quartal. Beim Segmentergebnis rechnen die Analysten im Mittel mit 809 Millionen Euro und bei der dazugehörigen Marge mit 19,6 Prozent. Infineon selbst hatte rund 4,1 Milliarden Euro Umsatz und eine Marge im oberen Zehnerprozentbereich angekündigt.
Besonders im Blick steht das Geschäft mit Stromversorgungslösungen für Rechenzentren. Leistungsfähige KI-Systeme benötigen große Mengen elektrischer Energie, die innerhalb der Server möglichst effizient umgewandelt, verteilt und geregelt werden muss. Infineon liefert dafür unter anderem Leistungshalbleiter, Spannungsregler und integrierte Stromversorgungslösungen.
Der Konzern erwartet in diesem Bereich für das gesamte Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Für das folgende Geschäftsjahr werden bereits etwa 2,5 Milliarden Euro angestrebt. Um die Kapazitäten auszubauen, konzentriert Infineon einen Teil seiner Investitionen auf Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren und auf den Hochlauf des neuen Werks in Dresden.
Positive Signale kamen zuletzt auch vom US-Chiphersteller On Semiconductor. Das Unternehmen stellte für das dritte Quartal einen Umsatz über den bisherigen Markterwartungen in Aussicht und verwies dabei ausdrücklich auf die starke Nachfrage nach Komponenten für KI-Rechenzentren. Die Nachricht stützte am Dienstag auch europäische Halbleiterwerte. Sie sagt jedoch nicht unmittelbar etwas über die Geschäftszahlen von Infineon aus.
Das Automotive-Geschäft ist weiterhin der größte Unternehmensbereich. Für das dritte Quartal erwarten Analysten einen Umsatz von 1,904 Milliarden Euro nach 1,830 Milliarden Euro im Vorquartal. Das Segmentergebnis soll von 331 Millionen auf 376 Millionen Euro steigen, die Marge von 18,1 auf 19,8 Prozent.
Die Entwicklung ist allerdings uneinheitlich. Infineon profitiert von einer wachsenden Halbleiterausstattung moderner Fahrzeuge, etwa durch Fahrerassistenzsysteme, softwaredefinierte Fahrzeugarchitekturen, Komfortfunktionen und 48-Volt-Bordnetze. Belastend wirkte zuletzt dagegen das Geschäft mit Hochvoltkomponenten für Elektroautos. Niedrigere Erlöse und Kosten für die Neuausrichtung dieses Bereichs hatten die Automotive-Marge im zweiten Quartal deutlich gedrückt.
Für Green Industrial Power prognostiziert der Konsens einen Quartalsumsatz von 455 Millionen Euro. Im vorherigen Quartal waren es 403 Millionen Euro. Das Segmentergebnis soll von 47 Millionen auf 72 Millionen Euro steigen, die Marge von 11,7 auf 15,9 Prozent. Zu dem Bereich gehören unter anderem Leistungshalbleiter für erneuerbare Energien, Stromnetze, industrielle Antriebe, Klimatechnik und Haushaltsgeräte.
Noch stärker dürfte Power & Sensor Systems wachsen. Analysten rechnen hier mit 1,404 Milliarden Euro Umsatz nach 1,260 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis wird bei 323 Millionen Euro erwartet, was einer Marge von 23 Prozent entspräche. In diesem Unternehmensbereich werden große Teile des KI-Rechenzentrumsgeschäfts verbucht. Hinzu kommen Anwendungen für Smartphones, Radarsensoren und weitere Leistungselektronik.
Connected Secure Systems dürfte nach Einschätzung der Analysten einen Umsatz von 362 Millionen Euro erreichen. Erwartet werden ein Segmentergebnis von 35 Millionen Euro und eine Marge von 9,6 Prozent. Im Vorquartal hatte der Bereich 319 Millionen Euro umgesetzt. Wachstum bei Konnektivitätslösungen und Mikrocontrollern war damals durch eine schwächere Nachfrage nach Chips für staatliche Ausweisdokumente ausgeglichen worden.
Infineon hatte seine Prognose im Mai nach oben gesetzt. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern nun mit einem deutlichen Umsatzwachstum gegenüber den 14,662 Milliarden Euro des Vorjahres. Zuvor war lediglich ein moderater Anstieg vorgesehen. Die Segmentergebnismarge soll rund 20 Prozent erreichen, die bereinigte Bruttomarge im niedrigen bis mittleren 40-Prozent-Bereich liegen.
Das Unternehmen erwartet, dass Power & Sensor Systems deutlich schneller wächst als der Gesamtkonzern. Automotive soll sich dagegen unterdurchschnittlich entwickeln, Green Industrial Power moderat zulegen und Connected Secure Systems auf Jahressicht ungefähr stagnieren. Für Investitionen sind weiterhin rund 2,7 Milliarden Euro vorgesehen. Der bereinigte freie Mittelzufluss soll etwa 1,65 Milliarden Euro erreichen.
Seit Jahresbeginn hat die Infineon-Aktie trotz zwischenzeitlich starker Schwankungen rund zwei Drittel an Wert gewonnen. Im Mai war der Kurs zeitweise auf mehr als 80 Euro gestiegen. Danach setzte eine deutliche Korrektur ein. Am Dienstag lag die Aktie mit 63,72 Euro weiterhin rund 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 88,83 Euro, aber mehr als doppelt so hoch wie am 52-Wochen-Tief von 30,82 Euro.
Die Kursentwicklung zeigt, wie stark Infineon inzwischen mit dem internationalen Ausbau von KI-Infrastruktur verbunden wird. Die Zahlen am Mittwoch müssen deshalb nicht nur die Erholung in den klassischen Auto- und Industriemärkten belegen. Entscheidend für die Bewertung dürfte ebenso sein, ob der Konzern sein starkes Wachstum bei Stromversorgungslösungen für Rechenzentren bestätigt und seine angehobene Jahresprognose halten kann.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu