
Heute wird es bunt in Münster: Am Samstag, 15. August 2026, erreicht der Christopher Street Day seinen Höhepunkt. Rund 10.000 Menschen werden zur Demonstration durch die Innenstadt erwartet. Dazu kommen das Ständefest am Prinzipalmarkt und Michaelisplatz, Musik vor der Lambertikirche und am Abend die große CSD-Abschlussparty im Jovel. Wegen der Sicherheitslage gibt es in diesem Jahr allerdings eine Besonderheit: Die genaue Strecke des Demonstrationszuges wird vorab nicht veröffentlicht.
Bereits ab 12 Uhr beginnt die Aufstellung an der Himmelreichallee am Aasee. Um 13 Uhr soll sich der Demonstrationszug in Bewegung setzen, gegen 15 Uhr wird er am Prinzipalmarkt erwartet. Die Polizei rechnet nach aktuellen Angaben mit rund 10.000 Teilnehmenden. Die genaue Strecke durch Münster bleibt aus Sicherheitsgründen unter Verschluss.
Der Demozug ist in mehrere Bereiche aufgeteilt. Hinter dem Lautsprecherwagen und einer 25 Meter langen Regenbogenfahne folgen unter anderem ein FLINTA*-Block, ein offener Block sowie Bereiche für Familien, Jugendliche und internationale Teilnehmende. Außerdem gibt es einen Neurodivergenzblock und einen ruhigeren Bereich. Den Abschluss bildet der Regenbogenbus der Stadtwerke Münster. Eine Anmeldung ist für Einzelpersonen nicht erforderlich.
Der CSD steht 2026 unter dem Motto „Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.“ Zu den politischen Forderungen gehören eine dauerhafte Verankerung des CSD in den Strukturen der Stadt Münster, die Aufnahme der sexuellen Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes und ein besserer Schutz von Menschen, denen wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Identität Verfolgung droht.
Parallel zur Demonstration läuft von 12 bis 19 Uhr das Ständefest. Anders als zunächst angekündigt verteilen sich die Informationsstände in diesem Jahr auf Prinzipalmarkt und Michaelisplatz. Hintergrund sind Baustellen in der Innenstadt. Vertreten sind zahlreiche queere Vereine, Beratungsstellen und Initiativen, darunter das KCM, die Aidshilfe Münster, pro familia, SCHLAU, Livas und das Awarenessnetz NRW.
Gegen 15 Uhr beginnt vor der Lambertikirche die Abschlusskundgebung mit anschließendem Bühnenprogramm. Für etwa 15.20 Uhr ist ein Auftritt von Ohrenpost vorgesehen, gegen 16.15 Uhr folgt Maurice Conrad, ab etwa 17.30 Uhr steht Kammermusik auf dem Programm. Das Ständefest und das Bühnenprogramm sollen bis ungefähr 19 Uhr laufen.
Konzerte, Märkte, Partys, Familienangebote und weitere Termine für Münster und Umgebung.
Nach dem tödlichen Anschlag am Rande des Berliner CSD Ende Juli wurden die Sicherheitsmaßnahmen auch in Münster überprüft. Die Stadt hatte bereits angekündigt, dass die Polizei den heutigen CSD mit verstärkten Kräften schützen werde. Die Polizei bewertet die Lage fortlaufend und hat ihren Kräfteansatz gegenüber den ursprünglichen Planungen erhöht.
Auch der Veranstalter setzt auf zusätzliche Unterstützung. Gemeinsam mit dem Awarenessnetz NRW gibt es während der Demonstration, beim Ständefest und bei der späteren Party ein Awarenessangebot. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind an magentafarbenen Westen zu erkennen und können angesprochen werden, wenn sich Besucher unwohl oder bedroht fühlen.
Für Münster hat das Thema Sicherheit auch eine eigene Vorgeschichte. Beim CSD 2022 wurde der trans Mann Malte C. angegriffen, nachdem er eingeschritten war, als andere Teilnehmende beleidigt wurden. Er starb später an seinen Verletzungen. Seitdem stehen Polizei und queere Community nach Angaben der Polizei in einem intensiveren Austausch.
Nach dem Programm in der Innenstadt verlagert sich der CSD am Abend ins Jovel. Die offizielle Abschlussparty beginnt um 22 Uhr in der Jovel Music Hall am Albersloher Weg 54 und läuft bis 5 Uhr am Sonntagmorgen. Der Online-Vorverkauf ist inzwischen beendet, Tickets gibt es heute nur noch an der Abendkasse.
Gefeiert wird auf zwei Floors. Auf dem Mainfloor startet um 22 Uhr „gefressen und serviert“ mit Country Dance Pop und Queer Vibrations Pop, ab etwa 1 Uhr übernimmt Lara Liqueur mit Queerpop, Electropop und Queer-Hymnen. Auf dem zweiten Floor legt ab 23 Uhr Romy mvp auf, später folgt redfocks mit House und Techno sowie Dub- und Hip-Hop-Einflüssen.
Mit der Party endet das Pride-Wochenende noch nicht. Am Sonntag, 16. August, startet um 14 Uhr „Queer Waves“ auf der MS Günther. Von 14 bis 17 Uhr wird das Schiff auf dem Dortmund-Ems-Kanal zur schwimmenden Tanzfläche. Für Techno und House sorgt das Hamburger DJ-Duo FABLEX. Anschließend wird von 17 bis 20 Uhr bei einer kostenlosen After-Boat-Party in der B-Side am Hafen weitergefeiert.
Den offiziellen Abschluss der Pride Weeks bildet am Sonntagabend der ökumenische CSD-Gottesdienst. Er beginnt um 18 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche an der Metzer Straße und ist bis etwa 19.30 Uhr angesetzt. Damit gehen zwei Wochen mit Veranstaltungen, Workshops, Lesungen, Partys und politischen Aktionen zu Ende.
Der heutige Demonstrationstag knüpft an eine besondere Geschichte an. Münster war bereits 1972 Schauplatz einer der frühesten öffentlichen Demonstrationen homosexueller Menschen in der Bundesrepublik. Heute verbindet der CSD den Festcharakter mit politischen Forderungen nach Gleichstellung, Schutz und gesellschaftlicher Akzeptanz.
Dass der CSD diesmal bereits Mitte August stattfindet, hat einen organisatorischen Grund: Vom 28. bis 30. August richtet Münster den NRW-Tag aus. Deshalb wurde der Christopher Street Day in diesem Jahr rund zwei Wochen nach vorne verlegt.
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