Nebelhorn weckt schlafenden Eisbären auf Spitzbergen

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Ein ungewöhnlicher Zwischenfall mit einem Eisbär auf Spitzbergen hat für einen Schiffsreisenden teure Folgen. Eine Person an Bord eines Schiffes weckte im August einen schlafenden Eisbären mit dem Schiffshorn. Der Sysselmester auf Svalbard verhängte dafür eine Geldstrafe von 50.000 norwegischen Kronen. Das entspricht je nach Wechselkurs etwa 4.550 bis 4.600 Euro. Die Strafe wurde nach Angaben der Behörde angenommen und bereits bezahlt.

Eisbär lag schlafend am Lomfjord

Der Vorfall ereignete sich im August im Lomfjord am Hinlopenstretet im norwegischen Svalbard-Archipel. Nach Angaben des Sysselmesters beobachteten Menschen von einem Schiff aus einen Eisbären, der an Land schlief. Eine Person an Bord betätigte daraufhin das Schiffshorn. Der Bär erwachte durch das Geräusch und bewegte sich anschließend an einen anderen Ort. Andere Menschen an Bord meldeten den Vorgang später der zuständigen Behörde. Weitere Angaben zur Identität der betroffenen Person veröffentlichte der Sysselmester nicht. Auch das Schiff wurde in der amtlichen Mitteilung nicht benannt.

Die Behörde wertete das Betätigen des Horns als vorsätzliche Störung des Tieres. Grundlage für die Sanktion ist Paragraf 30a des Svalbard-Umweltschutzgesetzes. Danach ist es verboten, Eisbären unnötig zu stören, anzulocken oder zu verfolgen. Der aktuelle Fall wurde mit 50.000 Kronen geahndet. Damit liegt die Sanktion deutlich über mehreren vergleichbaren Bußgeldern der vergangenen Jahre.

Strenge Regeln zum Schutz der Eisbären

Seit dem 1. Januar 2025 gelten auf Svalbard zusätzlich verbindliche Mindestabstände. Menschen müssen grundsätzlich mindestens 300 Meter Abstand zu einem Eisbären halten. Vom 1. März bis zum 30. Juni erhöht sich die vorgeschriebene Distanz auf 500 Meter, weil die Tiere in dieser Zeit als besonders störungsempfindlich gelten. Wer unvermittelt näher an einen Eisbären gerät, muss sich wieder auf die vorgeschriebene Entfernung zurückziehen. Ausnahmen gelten unter anderem innerhalb bewohnter Gebiete sowie für Menschen, die sich in Forschungsstationen, Hütten, Zelten oder vergleichbaren Einrichtungen aufhalten.

Die Regeln sollen nicht nur die Tiere schützen, sondern auch gefährliche Begegnungen verhindern. Das norwegische Klima- und Umweltministerium begründete die Verschärfung unter anderem damit, dass Eisbären ungestört nach Nahrung suchen, jagen, ruhen und ihre Jungen versorgen können müssen. Das Norwegische Polarinstitut nennt als Grundprinzip für Begegnungen mit Wildtieren, dass deren Verhalten durch die Anwesenheit von Menschen möglichst nicht verändert werden soll.

Jede unnötige Flucht kostet zusätzliche Energie

Störungen sind für Eisbären besonders problematisch, weil Bewegung zusätzliche Energie erfordert. Untersuchungen zum Energiehaushalt der Tiere zeigen, dass Fortbewegung energetisch aufwendig ist. Wird ein ruhendes Tier durch Menschen zum Aufstehen oder Weggehen gebracht, entsteht deshalb ein vermeidbarer zusätzlicher Energiebedarf. Gleichzeitig verschlechtern sich durch den Klimawandel die Bedingungen für die stark vom Meereis abhängigen Eisbären.

Svalbard gehört zu den Regionen der Arktis, in denen das Meereis besonders schnell zurückgeht. Weniger Eis verändert Jagdmöglichkeiten und Lebensräume. Zugleich werden bislang schwer erreichbare Gebiete für Schiffe und touristische Aktivitäten leichter zugänglich. Die norwegische Regierung sieht deshalb die Kombination aus Klimawandel und zunehmendem menschlichen Verkehr als wachsende Belastung für die Tierwelt des Archipels.

Frühere Fälle wurden mit bis zu 20.000 Kronen geahndet

Eine einheitliche Pauschalstrafe für die Störung eines Eisbären gibt es nicht. Wie hoch ein Bußgeld ausfällt, hängt vom jeweiligen Fall ab. Im Juni 2024 verhängte der Sysselmester gegen zwei Guides eines französischen Schifffahrtsunternehmens jeweils 20.000 Kronen. Sie hatten Gäste mit Schlauchbooten in der Mosselbukta in Richtung einer Eisbärin und ihres Jungen gebracht, die an einem Walkadaver fraßen. Beide Tiere zogen sich anschließend von ihrer Nahrungsquelle zurück.

Bereits 2022 erhielt ein ausländischer Guide wegen der Störung eines Eisbären ebenfalls eine Strafe von 20.000 Kronen. Auch andere geschützte Tiere fallen unter die strengen Umweltregeln. Im April 2024 musste ein Besucher 12.500 Kronen zahlen, nachdem er sich in der Adventbukta auf einer Eisscholle einem ruhenden Walross stark genähert und es gestört hatte.

Tourismus auf Svalbard ist stark gewachsen

Die Zahl der Menschen, die Svalbard auf dem Seeweg erleben, ist über Jahrzehnte deutlich gestiegen. Nach Daten des norwegischen Umweltmonitorings gingen 1996 außerhalb der Siedlungen und des Isfjords etwa 24.000 Menschen von Kreuzfahrt- und kleineren Touristenschiffen an Land. 2025 waren es rund 90.000. Den bisherigen Höchststand verzeichnete die Statistik 2019 mit etwa 109.000 Landgängen. Auch die geografische Reichweite des Tourismus nahm deutlich zu.

Besonders stark wuchs der Expeditionskreuzfahrtmarkt. Im Hafen von Longyearbyen nahm die Zahl touristischer Schiffsanläufe zwischen 2007 und 2023 um 162 Prozent zu. Die Zahl der dort registrierten Touristenpassagiere stieg im selben Zeitraum um 183 Prozent. Bei Expeditionskreuzfahrten betrug das Plus sogar 815 Prozent. Seit Anfang 2025 begrenzen neue Umweltregeln unter anderem Landgänge in großen Schutzgebieten.

Begegnungen zwischen Menschen und Eisbären bergen Risiken

Wie schnell Begegnungen mit Eisbären gefährlich werden können, zeigte ein Vorfall im August 2022. Damals drang ein Eisbär in ein Touristencamp auf der Sveasletta nördlich des Isfjords ein und verletzte eine französische Reisende am Arm. Der Bär wurde bei der Abwehr schwer verletzt und anschließend auf Entscheidung des Sysselmesters getötet. Zu dem Reiseverband gehörten nach Behördenangaben 25 Menschen.

Die verschärften Regeln auf Svalbard verfolgen deshalb zwei Ziele gleichzeitig. Wildtiere sollen vor vermeidbaren Störungen geschützt werden, während größere Abstände das Risiko gefährlicher Situationen zwischen Menschen und Eisbären senken sollen. Vor dem Hintergrund des wachsenden Tourismus und des schwindenden Meereises dürfte die Kontrolle menschlicher Aktivitäten in den arktischen Lebensräumen weiter eine zentrale Rolle spielen.

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