
Bei Bauarbeiten an der B27 zwischen dem Göttinger Stadtteil Weende und der A7 sind zwei bezünderte Panzerfaustköpfe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Nach Angaben der Stadt Göttingen sollen die Kampfmittel am Donnerstag, 20. August 2026, vor Ort gesprengt werden. Dafür wird der Autobahnzubringer im Bereich der Leinebrücke ab 11 Uhr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Rund um die Fundstelle gilt während der Maßnahme grundsätzlich ein Sperrbereich mit einem Radius von 300 Metern.
Die Kampfmittel wurden nach Angaben der Stadt während der laufenden Baumaßnahme der niedersächsischen Straßenbauverwaltung gefunden. Vor Beginn der Sprengung soll der betroffene Bereich gemeinsam mit der Polizei geräumt und kontrolliert werden. Nur wenige Haushalte auf dem Holtenser Berg liegen in der Sperrzone. Für Betroffene steht ab 10.30 Uhr das Nachbarschaftszentrum Holtenser Berg als Aufenthaltsmöglichkeit zur Verfügung.
Die Hagenbergschule kann diesmal geöffnet bleiben. Der Sperrbereich wurde in Richtung der Schule verkleinert, weil die Lage der Fundstücke unterhalb der Brücke zusätzlichen Schutz bietet. Außerdem sollen mit Sand gefüllte Big Bags rund um die Fundorte zusätzlichen Schutz schaffen. Die Anpassung erfolgte nach Angaben der Stadt in Abstimmung mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen.
Nach der kontrollierten Sprengung soll die Brücke zunächst von Fachleuten untersucht werden. Erst danach ist eine Freigabe der B27 vorgesehen. Für den Fahrzeugverkehr werden Umleitungen ausgeschildert. Auch der Radweg entlang der Bundesstraße und über die südliche Brücke über Grone und Leine soll während der Räumung gesperrt werden.
Der Fund ist nicht der erste an diesem Abschnitt der B27. Bereits am 13. August wurden dort zwei deutsche Kleinbomben aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt. Der NDR bezeichnete die damalige Maßnahme als vierte Sprengaktion an der B27 seit Anfang Juli. Am 16. Juli waren acht Kleinbomben kontrolliert gesprengt worden. Bereits am 2. Juli war im Bereich der Leinebrücke eine Weltkriegsgranate gefunden und vor Ort gesprengt worden.
Bei den vorherigen Einsätzen blieb die B27 jeweils zunächst gesperrt, bis die Brücke nach den Sprengungen untersucht worden war. Am 2. Juli verzögerte diese Kontrolle die Verkehrsfreigabe um rund zwei Stunden. Auch nach der Beseitigung der acht Kleinbomben am 16. Juli wurde das Bauwerk zunächst auf mögliche Schäden geprüft.
Zu den beiden jetzt gefundenen Panzerfaustköpfen macht die aktuelle Mitteilung der Stadt keine näheren Angaben darüber, wie sie an den Fundort gelangten. Gesichert ist nach derzeitigem Stand lediglich ihre Einordnung als Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.
Bei der Kampfmittelbeseitigung in Deutschland gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Behördenstrukturen. In Niedersachsen ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung angesiedelt. Er ist für Bergung, Entschärfung, Transport und Vernichtung von Weltkriegsmunition zuständig. In Nordrhein-Westfalen unterstützen staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienste die örtlichen Ordnungsbehörden. In Berlin übernimmt die Polizei die Entschärfung und Beseitigung von Kampfmitteln.
Ein wichtiger Teil der Vorsorge beginnt bereits vor Bauarbeiten. Historische Luftbilder können Hinweise auf Bombardierungen, Einschlagstellen und mögliche Blindgänger liefern. In Niedersachsen wurden allein im Jahr 2025 insgesamt 5.764 Anträge auf Kriegsluftbildauswertung für geplante Bauvorhaben bearbeitet. Solche Erkenntnisse können anschließend Grundlage für gezielte Untersuchungen des Bodens sein.
Wird tatsächlich Munition entdeckt, entscheiden Fachleute anhand von Art, Zustand und Gefährlichkeit über das weitere Vorgehen. Auch die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen richten sich nach dem konkreten Fund. Eine Räumung von Wohnungen oder die Sperrung von Straßen kann notwendig werden, bevor Fachkräfte unmittelbar am Kampfmittel arbeiten.
Nicht jedes Kampfmittel kann sicher abtransportiert werden. Bei gefährlichen oder nicht transportfähigen Fundstücken kann deshalb eine kontrollierte Sprengung unmittelbar am Fundort erforderlich sein. Welche Schutzmaßnahmen gelten, hängt vom einzelnen Gegenstand und seiner Umgebung ab. Ein überall geltender einheitlicher Sperrradius lässt sich daraus nicht ableiten.
Das zeigt auch der bevorstehende Einsatz in Göttingen. Dort gilt grundsätzlich ein Radius von 300 Metern. In Richtung der Hagenbergschule wurde der Bereich jedoch nach Bewertung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst verkleinert. Dabei spielen nach Angaben der Stadt die abschirmende Wirkung der Brücke sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen eine Rolle.
Der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst beseitigte 2025 bei 1.349 Einsätzen rund 232 Tonnen Kampfmittel aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Bei 74 Einsätzen musste nicht transportfähige Munition direkt am Fundort gesprengt werden. Ein Jahr zuvor waren bei 1.216 Einsätzen rund 221 Tonnen Kampfmittel beseitigt worden.
Weltkriegsmunition wird mit zunehmendem Alter nicht automatisch ungefährlich. Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums können Alterungsprozesse und Korrosion die Gefahr einer plötzlichen Explosion, eines Brandes oder des Austritts giftiger Gase sogar erhöhen. Berliner Behörden weisen ebenfalls darauf hin, dass Erschütterungen, Lageänderungen und Temperaturschwankungen bei alten Kampfmitteln gefährliche Reaktionen auslösen können.
Für zufällig entdeckte munitionsähnliche Gegenstände gilt deshalb: Sie sollten weder berührt noch untersucht werden. Nach den Hinweisen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sollen Ordnungsbehörde, Feuerwehr oder Polizei umgehend informiert werden. Der Gegenstand soll am Fundort verbleiben. Die weitere Sicherung und Beseitigung gehört in die Hände entsprechend ausgebildeter Fachkräfte.
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