Monte dei Paschi greift nach zwei Banken zugleich

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die italienische Großbank Monte dei Paschi di Siena versucht mit zwei parallelen Übernahmeangeboten, ihre Position im heimischen Bankenmarkt grundlegend zu verändern. Das Institut hat am Freitag Angebote für Banco BPM und den Vermögensverwalter Banca Generali gestartet. Zusammen werden die beiden Zielunternehmen mit rund 34 Milliarden Euro bewertet. Die Transaktionen sollen ausschließlich mit neu ausgegebenen Aktien von Monte dei Paschi bezahlt werden.

Die Monte dei Paschi Übernahmeangebote sind zugleich eine Reaktion auf den Versuch von Intesa Sanpaolo, die traditionsreiche Bank aus Siena selbst zu übernehmen. Damit entwickelt sich die seit Monaten laufende Neuordnung des italienischen Finanzsektors zu einem ungewöhnlich komplexen Geflecht aus Angeboten, Beteiligungen und konkurrierenden Interessen.

MPS bewertet Banco BPM mit 25,3 Milliarden Euro

Für Banco BPM bietet Monte dei Paschi 1,567 neu ausgegebene eigene Aktien je Aktie des Zielunternehmens. Daraus ergibt sich auf Basis der offiziellen Schlusskurse vom 19. August 2026 ein rechnerischer Angebotspreis von 16,729 Euro je Banco-BPM-Aktie. Das entspricht einem Gesamtwert von rund 25,3 Milliarden Euro. Einen Aufschlag auf den damaligen offiziellen Börsenkurs sieht die Offerte damit nicht vor.

Das Angebot für Banca Generali fällt anders aus. Dort sollen die Aktionäre 6,958 neue MPS-Aktien für jedes eingereichte Papier erhalten. Daraus ergibt sich auf Basis der Kurse vom 19. August ein Wert von 74,284 Euro je Aktie. MPS beziffert den Gesamtwert der Transaktion auf etwa 8,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem damaligen offiziellen Kurs entspricht dies einem Aufschlag von rund zehn Prozent.

Beide Angebote sind voneinander getrennt und sollen parallel durchgeführt werden. Sie richten sich jeweils auf sämtliche ausstehenden Stammaktien der Zielunternehmen.

Neuer Bankenkonzern könnte zu Italiens größten Gruppen gehören

Sollten beide Transaktionen vollständig umgesetzt werden, würde eine deutlich größere Finanzgruppe entstehen. Nach Angaben von MPS käme das kombinierte Unternehmen auf eine Bilanzsumme von rund 466 Milliarden Euro und auf mehr als 810 Milliarden Euro an verwalteten beziehungsweise betreuten finanziellen Vermögenswerten.

Monte dei Paschi erwartet aus der Zusammenführung zudem jährliche Synergien vor Steuern von rund 2,6 Milliarden Euro. Das Institut will seine traditionelle Banktätigkeit dabei stärker mit Vermögensverwaltung, Beratung und Investmentbanking verbinden.

Der Plan sieht außerdem eine außerordentliche Ausschüttung von insgesamt vier Milliarden Euro an die MPS-Aktionäre vor. Davon soll rund eine Milliarde Euro in bar gezahlt werden. Weitere etwa drei Milliarden Euro sollen durch die Weitergabe von Aktien des Versicherers Generali erfolgen.

Die dafür notwendigen gesellschaftsrechtlichen Schritte und Kapitalmaßnahmen müssen noch von den Aktionären sowie den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt werden. MPS strebt einen Abschluss der Übernahmen bis Mitte Februar 2027 an.

Intesa Sanpaolo will Monte dei Paschi selbst übernehmen

Die Doppelofferte steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Übernahmeversuch von Intesa Sanpaolo. Italiens größte Bank hatte am 8. Juni 2026 ein freiwilliges öffentliches Kauf- und Tauschangebot für sämtliche MPS-Aktien angekündigt.

Intesa bietet für jeweils zehn MPS-Aktien 16 neu ausgegebene Intesa-Aktien sowie zusätzlich zehn Euro in bar. Beim damaligen Börsenkurs entsprach dies nach Angaben von Intesa einem Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Schlusskurs von MPS vom 5. Juni und einem Gesamtwert von rund 30,6 Milliarden Euro.

Durch spätere Kursbewegungen wird das Angebot in aktuellen Marktberechnungen inzwischen deutlich höher bewertet. Wirtschaftsmedien bezifferten seinen Wert zuletzt auf rund 36 Milliarden Euro. Dieser Betrag ist deshalb nicht mit dem ursprünglichen Gegenwert zum Zeitpunkt der Ankündigung gleichzusetzen.

Der Verwaltungsrat von Monte dei Paschi hatte bereits im Juli Vorbehalte gegen die Intesa-Offerte geäußert. MPS kritisierte unter anderem die Bewertung und verwies auf mögliche wettbewerbsrechtliche Fragen sowie auf Unsicherheiten bei der geplanten anschließenden Neuordnung einzelner Geschäftsbereiche.

Banco BPM und Banca Generali sind strategisch wichtige Ziele

Banco BPM gehört zu den größten italienischen Geschäftsbanken und verfügt insbesondere im wirtschaftsstarken Norden des Landes über eine bedeutende Marktstellung. Eine Übernahme würde die Kundenbasis und das Filialgeschäft von Monte dei Paschi erheblich vergrößern.

Allerdings ist die Aktionärsstruktur ein wichtiger Faktor. Die französische Crédit Agricole hält einen bedeutenden Anteil an Banco BPM. Zuvor waren Gespräche über eine mögliche Verbindung von Banco BPM und MPS beendet worden. Die Zustimmung wichtiger Anteilseigner dürfte deshalb eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg des neuen Angebots sein.

Bei Banca Generali spielt wiederum der Versicherungskonzern Generali eine Schlüsselrolle. Er kontrolliert den Vermögensverwalter und müsste einer Übernahme entsprechend zustimmen. Zugleich bestehen durch Beteiligungen und die vorherige Übernahme von Mediobanca durch MPS weitere Verbindungen zwischen Monte dei Paschi und Generali.

Italiens Bankenmarkt wird grundlegend neu sortiert

Der aktuelle Machtkampf ist Teil einer größeren Konsolidierungswelle im italienischen Finanzsektor. Banken versuchen durch Übernahmen und Zusammenschlüsse, ihre Größe zu erhöhen, Kosten zu senken und ihr Geschäft mit Vermögensverwaltung und Versicherungen auszubauen.

Monte dei Paschi nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Die 1472 gegründete Bank musste nach schweren finanziellen Problemen in der vergangenen Dekade vom italienischen Staat stabilisiert werden. Der Staat hat seinen Anteil inzwischen erheblich reduziert. Gleichzeitig hat sich MPS unter Vorstandschef Luigi Lovaglio wieder zu einem aktiven Akteur bei Übernahmen entwickelt.

Mit den Angeboten für Banco BPM und Banca Generali dreht sich die Rollenverteilung nun erneut. Ein Institut, das selbst Ziel einer Milliardenofferte ist, versucht gleichzeitig zwei andere große Finanzunternehmen zu übernehmen. Ob beide Transaktionen zustande kommen, hängt vor allem von den Aktionären der drei Banken, den Großaktionären der Zielunternehmen und den Entscheidungen der Finanz- und Wettbewerbsaufsicht ab.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu