
Der Boeing 787 Dreamliner könnte neue Aufträge aus Malaysia erhalten und zugleich einen bestehenden Auftrag von Emirates verlieren. Die Malaysia Aviation Group, Muttergesellschaft von Malaysia Airlines, steht laut Bloomberg vor einer möglichen Bestellung von rund zehn 787-10. Emirates prüft unterdessen, die 35 bestellten Dreamliner durch zusätzliche 777X zu ersetzen. Eine verbindliche Malaysia-Bestellung oder eine abgeschlossene Umbuchung durch Emirates war zunächst nicht bestätigt.
Bloomberg berief sich am 18. September auf Personen, die mit den Gesprächen vertraut seien. Demnach könnten die Lieferungen 2031 beginnen. Die Maschinen sollen dem Bericht zufolge sieben geleaste Airbus A350 ersetzen und zusätzliches Wachstum ermöglichen. Boeing habe frühere Lieferplätze als Airbus anbieten können. Eine unabhängige Bestätigung dieser Verhandlungsdetails lag zunächst nicht vor.
Malaysia Aviation Group reagierte zunächst nicht auf die Anfrage der Nachrichtenagentur. Boeing und Airbus lehnten eine Stellungnahme ab. Damit waren weder der Vertragsabschluss noch der endgültige Umfang und die Liefertermine einer möglichen Bestellung bestätigt.
Bei Emirates geht es dagegen um Flugzeuge, die bereits bestellt sind. Die Flottenübersicht der Airline vom 1. August 2026 führt 20 Boeing 787-8 und 15 Boeing 787-10 als ausstehende Lieferungen auf. Daneben stehen bereits 270 Flugzeuge der 777X-Familie in den Auftragsbüchern der Gesellschaft.
Operativchef Adel Al Redha beschrieb zwei Möglichkeiten: Emirates könnte die Dreamliner nach einem überarbeiteten Zeitplan übernehmen oder den Auftrag in zusätzliche 777X umwandeln. Ein Beschluss zur Änderung des Auftrags wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Unklar blieb zunächst, welche 777X-Variante und welche Stückzahl eine mögliche Umwandlung umfassen würde. Ein Austausch im Verhältnis eins zu eins ist damit nicht bestätigt.
Al Redha erwartet die ersten 787 für Emirates frühestens Ende 2029. Erste 777X sollen nach seiner Einschätzung dagegen ab Mitte 2027 eintreffen. Boeing bekräftigte in seinem Quartalsbericht vom Juli das Ziel, 2027 mit den 777X-Auslieferungen zu beginnen. Ursprünglich war der Start für 2020 vorgesehen. Der Zeitplan liegt damit sieben Jahre hinter der ursprünglichen Planung. Die genannten Termine bleiben Erwartungen und sind keine Garantie für die tatsächliche Übergabe.
Beim Dreamliner kommt der Produktionsausbau langsamer voran als geplant. Boeing-Chef Kelly Ortberg erklärte am 16. September, dass der Hersteller derzeit acht 787 im Monat fertige. Der angestrebte Anstieg auf zehn Maschinen verzögere sich wegen fehlender Triebwerke. Langwierige Zulassungen für Premiumsitze bremsten zusätzlich die Auslieferungen. Fertiggestellte Flugzeuge und an Kunden übergebene Maschinen sind deshalb nicht gleichzusetzen.
Ende Juni umfasste Boeings Auftragsbestand nach Unternehmensangaben mehr als 6.200 Verkehrsflugzeuge über alle Baureihen hinweg. Diese Zahl bezeichnet noch auszuliefernde Bestellungen, nicht ausschließlich verspätete Flugzeuge. Bei Emirates waren zum 1. August sämtliche 35 Dreamliner und 270 bestellten 777X noch ausstehend.
Die 787-10 ist die längste Variante der Dreamliner-Familie. Boeing nennt in seinen aktuellen Produktdaten 300 bis 375 Sitzplätze bei einer Aufteilung in zwei Reiseklassen. Die Länge liegt bei 68,3 Metern, die angegebene Reichweite bei bis zu 13.890 Kilometern. Die 777X ist dagegen eine Flugzeugfamilie mit den Passagiervarianten 777-8 und 777-9. Für die größere 777-9 nennt Boeing 375 bis 450 Sitze in zwei Klassen, 76,7 Meter Länge und bis zu 14.820 Kilometer Reichweite.
Auch bei Flügeln und Triebwerken unterscheiden sich die Modelle. Die Spannweite der 787-10 liegt bei 60,1 Metern. Die 777-9 erreicht im Flug 71,8 Meter, kann ihre Flügelspitzen am Boden jedoch hochklappen und die Spannweite dadurch auf 64,8 Meter verkleinern. Für die 787 stehen Triebwerke vom Typ GEnx-1B von GE Aerospace oder Trent 1000 von Rolls-Royce zur Wahl. Die 777X wird ausschließlich mit GE9X-Triebwerken ausgerüstet.
Die Sitzplatzspannen beschreiben Herstellerkonfigurationen und nicht die künftige Kabine von Malaysia Airlines oder Emirates. Auch die Reichweiten sind keine Zusage für einen bestimmten Flugbetrieb. Kabinenausstattung, Zuladung und Einsatzbedingungen beeinflussen, welche Strecken tatsächlich ohne Zwischenlandung möglich sind. Eine 777-9 bietet grundsätzlich mehr Kapazität als eine 787-10, ist aber nicht für jeden Einsatz ein gleichwertiger Ersatz.
Für Boeing hätte ein Malaysia-Auftrag eine andere Wirkung als eine Umbuchung durch Emirates. Malaysia würde dem Dreamliner-Programm zusätzliche Bestellungen bringen. Bei Emirates würden Aufträge dagegen innerhalb des Boeing-Angebots verlagert: Die 787 verlöre bestellte Maschinen, während die 777X zusätzliche erhalten könnte. Ein solcher Wechsel wäre kein automatischer Auftragsverlust an Airbus.
Der europäische Hersteller ist bei beiden Gesellschaften bereits vertreten. Malaysia Aviation Group bestellte im Juli 2025 weitere 20 A330neo und erhöhte damit die insgesamt vorgesehenen Maschinen dieses Typs auf 40. Emirates führte zum 1. August 2026 bereits 27 Airbus A350-900 in der Flotte und erwartete weitere 46. Al Redha verwies ausdrücklich darauf, dass die A350 bei Sitzplatzangebot und Reichweite ähnliche Aufgaben wie die 787 übernehmen könne.
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