Vier Spiele ohne Sieg: Warum der KSC trotzdem am Kurs festhält

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Der Karlsruher SC geht mit einer sportlich schwierigen Zwischenbilanz in die ungewöhnlich lange Länderspielpause. Nach sechs Spieltagen stehen in der 2. Bundesliga fünf Punkte zu Buche, zuletzt blieb die Mannschaft vier Ligapartien nacheinander ohne Sieg. Sportgeschäftsführer Mario Eggimann sieht deshalb allerdings keinen Anlass für einen grundlegenden Kurswechsel. Im Gespräch mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“, aus dem die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag berichtete und das unter anderem von SZ.de aufgegriffen wurde, stellte der 45-Jährige klar: „Wir werden keinen Millimeter abrücken von dem Weg, den wir eingeschlagen haben.“

Dabei unterscheidet Eggimann zwischen den Auftritten der Mannschaft und den Ergebnissen. Mit dem Auftreten sei er in den ersten Begegnungen überwiegend zufrieden gewesen, mit der Punkteausbeute dagegen nicht vollständig. Zugleich warnte er davor, die ersten Wochen überzubewerten. „Dennoch drehen wir, so wie auch im positiven Fall nach den ersten beiden Spielen, nun auch nicht im negativen Sinne durch“, sagte der Schweizer.

KSC wartet seit vier Ligaspielen auf einen Sieg

Nach einem zunächst vielversprechenden Start blieb Karlsruhe viermal in Folge ohne Erfolg. Nach sechs Spieltagen hat der KSC fünf Punkte gesammelt und verbringt die Länderspielpause auf Tabellenplatz 14. Das ist eine schwache Ausbeute, allerdings befindet sich die Saison noch in einer frühen Phase.

Eggimann verweist vor allem auf die Struktur des Kaders. Mehrere junge Spieler sammeln derzeit erstmals über einen längeren Zeitraum viele Einsatzminuten auf Zweitliganiveau. Deshalb komme die Unterbrechung des Spielbetriebs aus seiner Sicht günstig. „Diese Pause kommt zum richtigen Moment, weil die Jungs sich diese Power nun wieder holen können“, sagte der Sportgeschäftsführer.

In der Saison 2026/27 fällt die Herbstpause länger aus als in früheren Jahren. Statt zweier getrennter Länderspielfenster im September und Oktober gibt es erstmals eine zusammenhängende Unterbrechung über rund drei Wochen. Der KSC hatte bereits vor dem letzten Ligaspiel angekündigt, diese Phase mit individuellen Trainingsplänen und einem Testspiel zu nutzen.

Maximilian Senft ist der aktuelle KSC-Trainer

Die sportliche Situation betrifft Cheftrainer Maximilian Senft. Der Österreicher übernahm die Mannschaft zum 1. Juli 2026 und folgte auf Christian Eichner. Eichner hatte den KSC sechseinhalb Jahre als Cheftrainer betreut. Bereits im April hatten Verein und Trainer bekanntgegeben, die Zusammenarbeit mit Ablauf der Saison 2025/26 zu beenden. Der Klub begründete die Entscheidung damals mit dem Wunsch nach einem neuen Impuls.

Damit spielt Eichner bei der aktuellen Trainerfrage keine operative Rolle mehr. Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Trennung von Senft gibt es nicht. Eggimanns Aussage, keinen Millimeter vom eingeschlagenen Weg abrücken zu wollen, unterstreicht vielmehr die derzeitige Linie der sportlichen Führung. Eine ausdrückliche öffentliche Jobgarantie für Senft ist damit allerdings nicht verbunden.

Der neue Trainer soll einen aktiven und intensiven Fußball etablieren. Vor dem sechsten Spieltag hatte Senft selbst eingeräumt, dass sich die Entwicklung der Mannschaft bislang nicht ausreichend in Punkten widerspiegele. Entscheidend sei, die gemeinsame Spielidee weiter zu verinnerlichen und als Kollektiv stabiler aufzutreten.

Broschinski fehlt dem KSC voraussichtlich bis Jahresende

Erschwert wird die Situation durch Verletzungen. Besonders schwer wiegt der längerfristige Ausfall von Mittelstürmer Moritz Broschinski. Der 25-Jährige zog sich nach Angaben des Vereins einen Teilriss des hinteren Syndesmosebands zu. Nach medizinischen Untersuchungen und zusätzlichen ärztlichen Einschätzungen entschied sich der Angreifer für eine Operation am Sprunggelenk. Der KSC rechnet damit, dass Broschinski voraussichtlich bis zum Jahresende ausfallen wird.

Auch Kevin Wiethaup und Sebastian Jung standen dem KSC zuletzt nicht zur Verfügung. Bei beiden nannte der Verein einen leichten Muskelfaserriss im Oberschenkel. Bei Wiethaup hatte der Klub bereits Mitte September von einer Ausfallzeit von mehreren Wochen gesprochen.

Gerade Broschinskis Ausfall stellt die Kaderplanung erneut vor eine Aufgabe. Der Stürmer war erst im Sommer auf Leihbasis vom FC Basel nach Karlsruhe gekommen. Der KSC sicherte sich dabei eine Kaufoption. Nun prüft der Klub den Markt nach einer weiteren Lösung für das Sturmzentrum.

Eggimann machte zugleich deutlich, dass Karlsruhe keinen Spieler allein wegen des personellen Engpasses verpflichten will. Ein möglicher Neuzugang müsse kurzfristig helfen können. Fußballer, die lange ohne Spielpraxis seien und erst über viele Wochen aufgebaut werden müssten, seien angesichts der verbleibenden Zeit bis zur Winterpause kaum sinnvoll. „Das muss schon passen“, sagte Eggimann zur Stürmersuche.

Elf Neuzugänge und ein deutlicher Umbau im Sommer

Die personelle Situation ist auch vor dem Hintergrund eines größeren Umbruchs zu betrachten. Der KSC hatte seinen Kader im Sommer erheblich verändert und bis zum Ende der Transferperiode elf Neuzugänge verpflichtet. Der Klub wollte dabei jüngere und entwicklungsfähige Spieler mit einer weiterhin erfahrenen Achse kombinieren. Eggimann hatte vor dem Saisonstart erklärt, der neue Spielstil habe Veränderungen im Kader notwendig gemacht.

Zu den Verpflichtungen gehörten unter anderem Mittelfeldspieler Kevin Wiethaup vom VfL Osnabrück, Offensivspieler Jason Ponente Ramirez aus dem Nachwuchs des 1. FC Köln und Tim Civeja vom 1. FC Saarbrücken. Für die Defensive kamen unter anderem Viktor Bergh von Djurgardens IF, der vom FC Bayern München ausgeliehene Deniz Ofli sowie der französisch-madagassische Innenverteidiger Sandro Tremoulet.

Das zentrale Mittelfeld verstärkte Karlsruhe zusätzlich mit dem finnischen Nationalspieler Santeri Väänänen von Rosenborg BK. Kurz vor Schließung des Transferfensters folgte mit dem 30 Jahre alten brasilianischen Innenverteidiger Héliton ein erfahrener Spieler. Eggimann erklärte bei dessen Verpflichtung, der Kader sei in den vergangenen beiden Jahren bewusst verjüngt worden. Erfahrene Kräfte sollten den jüngeren Spielern Orientierung geben.

Auch im Sturm wurde investiert. Neben Broschinski band der Verein Shio Fukuda nach dessen vorheriger Leihe dauerhaft an sich. Der Japaner war von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen gewesen und hatte sich mit fünf Toren in den letzten acht Partien der Vorsaison für eine weitere Zusammenarbeit empfohlen.

Langfristiges Ziel bleibt die deutsche Top 20

Der KSC hatte seine sportliche Strategie bereits im Sommer klar umrissen. Eggimann formulierte bei der Vorstellung des neuen Trainers Senft das Ziel, innerhalb von vier Jahren zu den 20 besten Mannschaften Deutschlands gehören zu wollen. Kurzfristig sollte die Saison 2026/27 den Beginn dieses Weges markieren und die Entwicklung der Mannschaft nach einer wechselhaften Vorsaison wieder in eine positive Richtung führen.

Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld. Einerseits steht der KSC nach sechs Spieltagen mit fünf Punkten und vier Spielen ohne Sieg deutlich hinter einem überzeugenden Saisonstart zurück. Andererseits basiert die aktuelle Mannschaft auf einem größeren personellen und taktischen Umbau mit neuem Trainer, zahlreichen Neuzugängen und mehreren jungen Spielern.

Eggimanns Zwischenbilanz deutet deshalb nicht auf eine kurzfristige Abkehr von der im Sommer eingeschlagenen Strategie hin. Die sportliche Führung will die dreiwöchige Pause vielmehr nutzen, um Belastung zu reduzieren, verletzte Spieler näher an die Rückkehr zu bringen und Senfts Spielidee weiter zu festigen. Gleichzeitig muss der Klub entscheiden, ob der längerfristige Ausfall von Broschinski eine weitere Verpflichtung im Angriff notwendig macht.

Nach der Länderspielpause geht die Saison für Karlsruhe am 11. Oktober beim FC St. Pauli weiter. Spätestens dann beginnt für den KSC die nächste Phase der Bewährungsprobe für den im Sommer eingeleiteten Umbau.

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