
US-Präsident Donald Trump hat eine weitreichende Lockerung der amerikanischen Verbrauchsvorgaben für Autos gebilligt. Die neuen CAFE-Standards sollen die Anforderungen an Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis zum Modelljahr 2031 erheblich reduzieren. Die formelle Finalisierung durch das US-Verkehrsministerium ist für Montag angekündigt. Kern der Reform ist ein deutlich niedrigerer Flottenverbrauchswert als unter Trumps Vorgänger Joe Biden.
Die National Highway Traffic Safety Administration, kurz NHTSA, hatte bereits im Dezember 2025 vorgeschlagen, die Vorgaben für die Modelljahre 2022 bis 2031 neu festzusetzen. Danach soll der rechnerische Flottendurchschnitt im Modelljahr 2031 bei rund 34,5 Meilen pro Gallone liegen. Das entspricht etwa 6,8 Litern je 100 Kilometer. Die Behörde führt auf ihrer aktuellen CAFE-Seite weiterhin genau diesen Wert für den Reformvorschlag auf.
Die bislang geltenden Biden-Regeln sahen für 2031 rechnerisch rund 50,4 mpg vor. Das entspricht etwa 4,7 Litern auf 100 Kilometer. Dieser Wert darf allerdings nicht direkt mit realen Verbrauchswerten auf der Straße gleichgesetzt werden. Die CAFE-Berechnung basiert auf regulatorischen Test- und Anrechnungsverfahren. Für die Biden-Regel wurde für 2031 ein realitätsnäherer Durchschnitt von etwa 38 mpg genannt.
Nach dem Trump-Vorschlag sollen die Anforderungen nur noch geringfügig steigen. Für verschiedene Modelljahre waren Zuwächse von lediglich rund 0,25 bis 0,5 Prozent vorgesehen. Die Biden-Regel hatte dagegen für Pkw zunächst jährliche Effizienzsteigerungen von zwei Prozent zwischen den Modelljahren 2027 und 2031 verlangt. Für leichte Trucks galt der Zwei-Prozent-Pfad ab 2029.
Trump begründet die Lockerung vor allem mit den Kosten für Autokäufer und Hersteller. In einem Beitrag vom Samstag erklärte er, die neuen Standards würden Fahrzeugpreise senken und amerikanischen Herstellern größere Freiheiten bei der Modellplanung geben. Verkehrsminister Sean Duffy kündigte die formelle Entscheidung für Montag an.
Schon beim ursprünglichen Vorschlag hatte das Weiße Haus argumentiert, die bisherigen Vorgaben ließen sich mit klassischen Benzin- und Dieselfahrzeugen nur schwer erreichen und wirkten deshalb wie ein indirekter Zwang zur Elektrifizierung. Eine gesetzliche Verpflichtung, ausschließlich Elektroautos zu verkaufen, enthielten die CAFE-Regeln allerdings nicht. Hersteller konnten die strengeren Flottenwerte unter anderem durch effizientere Verbrenner, Hybridmodelle und Elektroautos erreichen.
Die NHTSA kalkulierte für ihren Lockerungsvorschlag mit etwa 930 Dollar niedrigeren Anschaffungskosten pro Neuwagen. Gleichzeitig würde nach Berechnungen der Behörde bis 2050 rund 100 Milliarden Gallonen mehr Kraftstoff verbraucht. Auch die CO₂-Emissionen würden steigen.
Parallel zu den niedrigeren Verbrauchszielen wurde der Sanktionsmechanismus bereits erheblich verändert. Ein 2025 verabschiedetes Bundesgesetz setzte die zivilrechtlichen CAFE-Strafen für Modelljahre ab 2022 auf null Dollar. Hersteller müssen damit für entsprechende Flottenüberschreitungen keine bisherigen Geldbußen mehr zahlen.
Das ist wirtschaftlich relevant. In der Vergangenheit hatten Hersteller hohe Summen wegen nicht erfüllter Flottenziele gezahlt. Stellantis hatte beispielsweise mehr als 190 Millionen Dollar und General Motors mehr als 128 Millionen Dollar an entsprechenden Strafen entrichtet.
Zusätzlich hatte die NHTSA vorgeschlagen, den Handel mit CAFE-Gutschriften zwischen verschiedenen Herstellern ab dem Modelljahr 2028 zu beenden. Gerade Hersteller mit besonders effizienten beziehungsweise elektrischen Flotten konnten solche Credits bislang verkaufen.
Die großen US-Hersteller hatten den Kurswechsel bereits nach Vorlage des Entwurfs unterstützt. Der Branchenverband Alliance for Automotive Innovation erklärte im Dezember 2025, die bisherigen Regeln seien angesichts der tatsächlichen Nachfrage nach Elektrofahrzeugen außerordentlich schwer einzuhalten. Der Verband sprach sich für stabile und erreichbare Vorgaben aus, die weiterhin Effizienzsteigerungen ermöglichen.
Stellantis begrüßte damals ebenfalls eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Marktbedingungen. Ford-Chef Jim Farley unterstützte die grundsätzliche Neuausrichtung ebenfalls. Trump erklärte am Samstag darüber hinaus, GM, Ford und Stellantis hätten seine Pläne unterstützt. Diese Darstellung stammt jedoch vom Präsidenten selbst und ist nicht mit gleichlautenden aktuellen Stellungnahmen aller drei Unternehmen vom Samstag gleichzusetzen.
Auch zahlreiche internationale Hersteller hatten sich im formellen Verfahren für eine deutliche Lockerung ausgesprochen. Dazu gehörten unter anderem Ford, Stellantis, Mercedes-Benz und Volkswagen. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen gehören zudem dem US-Branchenverband Alliance for Automotive Innovation an.
Für deutsche Hersteller bedeutet die Lockerung zunächst geringeren regulatorischen Druck bei der Zusammensetzung ihrer US-Flotten. Das betrifft insbesondere Unternehmen, die in den Vereinigten Staaten weiterhin zahlreiche große SUV, leistungsstarke Verbrenner und Hybridmodelle verkaufen.
Die Regel unterscheidet dabei grundsätzlich nicht danach, ob ein Fahrzeug aus Deutschland importiert oder in den USA produziert wird. Entscheidend ist die Fahrzeugflotte eines Herstellers auf dem amerikanischen Markt. BMW produziert beispielsweise einen großen Teil seiner X-Modelle in South Carolina, Volkswagen unter anderem in Tennessee und Mercedes-Benz SUV in Alabama.
Für reine deutsche Exporte in die USA ist die CAFE-Lockerung deshalb kein Zollvorteil. Sie kann aber die Produktplanung erleichtern, weil Hersteller weniger stark über den Flottenverbrauch dazu gedrängt werden, besonders viele Elektroautos oder extrem sparsame Modelle in den US-Verkaufsmix aufzunehmen.
Bereits nach Bekanntgabe des ursprünglichen Trump-Vorschlags im Dezember 2025 waren Aktien europäischer Autobauer deutlich gestiegen. Unter anderem Mercedes-Benz, Porsche und Stellantis legten damals zu.
Die niedrigeren CAFE-Werte verringern einen wichtigen Anreiz für Hersteller, den Anteil von Elektroautos in ihren Flotten zu erhöhen. Elektrofahrzeuge bleiben zwar weiterhin Teil der Modellprogramme und der langfristigen Investitionsplanung vieler Hersteller. Für das Einhalten der Verbrauchsvorgaben werden sie unter den deutlich niedrigeren Zielwerten aber weniger dringend benötigt.
Der Schritt ist Teil einer breiteren Neuausrichtung der amerikanischen Autopolitik. Bereits 2025 wurde die bundesweite Kaufprämie von bis zu 7.500 Dollar für Elektroautos abgeschafft. Gleichzeitig wurden weitere unter Biden eingeführte Klima- und Emissionsregeln zurückgenommen.
Demokratische Abgeordnete hatten die geplante Lockerung bereits während des Regelungsverfahrens scharf kritisiert. Im Februar forderten 80 Mitglieder des Kongresses unter Führung von Senator Ed Markey und der Abgeordneten Doris Matsui die Regierung auf, den Vorschlag zurückzuziehen. Sie argumentierten, geringere Effizienz führe langfristig zu höherem Kraftstoffverbrauch, mehr Luftschadstoffen und höheren Ausgaben an der Tankstelle.
Diese Kritik stützt sich teilweise auf Berechnungen der NHTSA selbst. Zwar erwartet die Behörde niedrigere Anschaffungskosten, gleichzeitig kalkulierte sie jedoch mit zusätzlichen Kraftstoffausgaben von insgesamt rund 185 Milliarden Dollar bis 2050.
Auch Umwelt- und Emissionsschutzorganisationen hatten sich gegen die starke Absenkung ausgesprochen. Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass die neuen Zielwerte nur noch wenig über dem bereits erreichten Flottenniveau liegen und damit deutlich weniger zusätzlichen Effizienzdruck erzeugen.
Die endgültigen technischen Tabellen und die verbindliche Fassung der neuen Standards sollen nach der Ankündigung der Regierung am Montag veröffentlicht werden. Bis dahin ist offiziell bestätigt, dass Trump die Neuregelung gebilligt hat und das Verkehrsministerium eine deutliche Absenkung der CAFE-Anforderungen bis 2031 finalisieren will.






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