
Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft verbessert sich erstmals wieder etwas deutlicher. Nach einer längeren Schwächephase sehen die Industrie- und Handelskammern Anzeichen für eine Stabilisierung. Von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung ist der Freistaat allerdings noch entfernt. Besonders die zurückhaltenden Investitionen und die weiterhin negativen Beschäftigungsaussichten bereiten den Unternehmen Sorgen.
Die BIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026, deren Ergebnisse am Donnerstag, 15. Oktober, vorgestellt wurden, zeigt einen Anstieg des Konjunkturindex um vier Punkte auf 105 Zähler. Im Frühjahr hatte der Wert noch bei 101 Punkten gelegen. Trotz der Verbesserung bleibt das Geschäftsklima unter seinem langjährigen Durchschnitt von 111 Punkten.
An der Befragung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) beteiligten sich mehr als 3.000 Unternehmen. Nach Einschätzung des Verbandes könnte die wirtschaftliche Schwäche ihren Tiefpunkt inzwischen erreicht haben. Eine breite Aufwärtsbewegung lässt sich aus den Ergebnissen jedoch noch nicht ableiten.
Die Verbesserung des Konjunkturindex geht vor allem auf eine günstigere Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftssituation zurück. Der entsprechende Saldo erreicht im Herbst plus 14 Punkte. Damit übersteigt der Anteil der Unternehmen mit einer positiven Lagebewertung den Anteil der Betriebe mit einer negativen Einschätzung um 14 Prozentpunkte.
Zurückhaltender fallen die Erwartungen für die kommenden Monate aus. Hier liegt der Saldo bei minus drei Punkten. Zwar hat sich die Stimmung auch bei den Zukunftsaussichten verbessert, weiterhin rechnen aber mehr Unternehmen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte.
Die unterschiedliche Entwicklung von Geschäftslage und Erwartungen verdeutlicht das zentrale Problem: Während sich die unmittelbaren wirtschaftlichen Bedingungen etwas entspannen, fehlt vielen Betrieben weiterhin die Zuversicht für größere Wachstumsentscheidungen.
BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl sieht deshalb noch keinen tragfähigen Aufschwung. Aus Sicht des Verbandes sind wirtschaftspolitische Veränderungen notwendig, um zusätzliche private Investitionen anzuregen.
Besonders deutlich wird die anhaltende Zurückhaltung bei den Investitionsentscheidungen. Obwohl die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas günstiger einschätzen, führt dies bislang nicht zu einer entsprechenden Ausweitung der Investitionsvorhaben.
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits frühere Konjunkturerhebungen geprägt hatte. Unternehmen investieren vorsichtig, obwohl zusätzliche Ausgaben für Maschinen, Produktionsanlagen, Digitalisierung und neue Kapazitäten langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken könnten.
BIHK-Präsident Peter Inselkammer bewertet den ausbleibenden Investitionsschub als problematisch für den Wirtschaftsstandort. Als Belastungen nennt der Verband insbesondere hohe Arbeitskosten, Energiepreise und regulatorische Anforderungen.
Wie zurückhaltend viele Unternehmen bleiben, zeigen auch die regionalen Ergebnisse der IHK Schwaben vom 13. Oktober. Dort planen 22 Prozent der befragten Betriebe höhere Inlandsinvestitionen, während 20 Prozent ihre Ausgaben reduzieren wollen. Weitere 15 Prozent sehen überhaupt keine Investitionen vor.
Bei den Investitionsmotiven steht die Erneuerung vorhandener Anlagen mit 62 Prozent im Vordergrund. Nur 24 Prozent der befragten Unternehmen nennen eine Erweiterung ihrer Kapazitäten als Ziel. Die regionalen Daten zeigen damit, dass der Erhalt bestehender Produktionsmöglichkeiten weiterhin eine größere Rolle spielt als der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten.
Bei den wirtschaftlichen Risiken für die kommenden zwölf Monate steht die Wirtschaftspolitik erneut an erster Stelle. 66 Prozent der in Bayern befragten Unternehmen nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als mögliche Belastung.
Nach Angaben des BIHK ist dies der höchste Anteil seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 2012. Die Einschätzungen betreffen unter anderem die Planbarkeit wirtschaftlicher Entscheidungen und die Kostenbelastung der Unternehmen.
Weitere häufig genannte Risiken sind die Energie- und Rohstoffpreise, eine schwache Inlandsnachfrage sowie die Arbeitskosten. Auf diese Bereiche entfallen jeweils Werte zwischen 56 und 60 Prozent. Gegenüber der vorherigen Erhebung haben die entsprechenden Risikonennungen allerdings abgenommen.
Auffällig ist auch die Entwicklung beim Fachkräftemangel. Diesen nennen noch 35 Prozent der Unternehmen als Geschäftsrisiko. Damit erreicht der Anteil den niedrigsten Stand seit Beginn der entsprechenden Erhebung.
Der Rückgang bedeutet allerdings nicht, dass der Fachkräftebedarf dauerhaft gedeckt wäre. Bei einer schwachen Nachfrage und zurückhaltenden Personalplanung benötigen viele Unternehmen zunächst weniger zusätzliche Beschäftigte. Das kann den unmittelbaren Einstellungsdruck vermindern, ohne grundlegende Probleme bei der Fachkräftesicherung zu beseitigen.
Auch die Beschäftigungsaussichten zeigen, wie begrenzt die wirtschaftliche Erholung bislang ist. Der Saldo aus Unternehmen mit geplanten Neueinstellungen und Betrieben mit Abbauabsichten liegt bei minus neun Punkten.
Insgesamt rechnen 23 Prozent der befragten Unternehmen damit, Personal abzubauen. Zwar hat sich die negative Entwicklung gegenüber der vorherigen Umfrage etwas abgeschwächt, von einer breiten Rückkehr zu Neueinstellungen kann jedoch keine Rede sein.
Die Beschäftigungspläne sind ein wichtiger Indikator dafür, wie Unternehmen ihre wirtschaftlichen Perspektiven einschätzen. Betriebe, die mit steigenden Aufträgen und dauerhaft höherer Auslastung rechnen, haben eher Anlass, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.
Bleiben die Auftragsaussichten dagegen unsicher, können Unternehmen versuchen, ihre Kosten durch eine geringere Beschäftigtenzahl zu begrenzen. Ob und in welchem Umfang die angekündigten Personalmaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, lässt sich aus der Umfrage allein nicht bestimmen.
Die bayerischen Ergebnisse stehen vor dem Hintergrund einer insgesamt wieder wachsenden deutschen Wirtschaft. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom 24. September 2026 rechnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent im laufenden Jahr. Für 2027 erwarten sie ein Wachstum von 1,1 Prozent.
Nach Einschätzung der Institute unterstützen staatliche Ausgaben und eine robuste Weltkonjunktur die wirtschaftliche Erholung. Gleichzeitig dämpfen hohe Energiepreise und strukturelle Schwächen die Wachstumsmöglichkeiten.
Damit unterscheiden sich die Perspektiven für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Investitionsbereitschaft einzelner Unternehmen. Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt bedeutet nicht automatisch, dass Betriebe wieder in größerem Umfang neue Produktionskapazitäten schaffen oder ihre Belegschaften vergrößern.
Für Bayern ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Die aktuelle Geschäftslage verbessert sich, und die Erwartungen fallen weniger pessimistisch aus als noch im Frühjahr. Gleichzeitig bleiben die Unternehmen bei größeren Investitionen vorsichtig und rechnen unter dem Strich weiterhin mit einem Beschäftigungsrückgang.
Die Herbstumfrage markiert damit vor allem eine Stabilisierung nach der vorherigen Schwächephase. Für eine nachhaltige Belebung müssten sich die besseren Lageeinschätzungen zunehmend auch in Investitionen, zusätzlicher Nachfrage und einer günstigeren Beschäftigungsentwicklung niederschlagen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu