196 Steuerpflichtige in Münster haben Einkünfte von über einer Million Euro

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Münster. Münster gilt als wohlhabend und wirtschaftlich stark. Doch die Steuerdaten zeigen eine deutliche Spreizung. Im Jahr 2021 erzielten 196 Steuerpflichtige in Münster Einkünfte von mindestens einer Million Euro. Zusammen kamen sie auf rund 619 Millionen Euro und zahlten gut 206 Millionen Euro Lohn- und Einkommensteuer. Gleichzeitig lag mehr als die Hälfte der positiven Steuerfälle unter 35.000 Euro. Eine Einkommenskarte von Statistik.NRW zeigt zusätzlich, dass sich hohe Einkommen im Stadtgebiet nicht gleichmäßig verteilen.

Eine kleine Gruppe mit großem Gewicht

196 Steuerpflichtige sind in Münster nur ein sehr kleiner Teil der insgesamt 166.826 Steuerpflichtigen mit positivem Gesamtbetrag der Einkünfte. Ihr Anteil liegt bei rund 0,12 Prozent. Ihr wirtschaftliches Gewicht ist jedoch deutlich größer. Die Gruppe mit Einkünften von mindestens einer Million Euro kam 2021 auf rund 619 Millionen Euro. Das entspricht etwa 7,4 Prozent des gesamten positiven Einkommensvolumens in Münster.

Noch stärker fällt der Anteil beim Steueraufkommen auf. Die Millioneneinkommen standen für gut 206 Millionen Euro Lohn- und Einkommensteuer. Damit entfiel auf diese kleine Gruppe rund ein Achtel des entsprechenden Steueraufkommens. Die Zahlen zeigen, wie stark sehr hohe Einkommen das Gesamtbild einer Stadt prägen können.

Mehr als die Hälfte liegt unter 35.000 Euro

Der Kontrast zeigt sich am anderen Ende der Verteilung. 76.775 Steuerpflichtige lagen 2021 in Münster bei einem positiven Gesamtbetrag der Einkünfte von unter 30.000 Euro. Weitere 10.846 lagen zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Zusammengenommen entfiel damit mehr als die Hälfte der positiven Steuerfälle auf Einkünfte unter 35.000 Euro.

Auf der anderen Seite standen 51.379 Steuerpflichtige mit Einkünften von 50.000 Euro oder mehr. Diese Gruppe prägte das Einkommensvolumen der Stadt besonders stark. Münster hat damit nicht nur eine kleine Spitze mit Millioneneinkünften, sondern auch eine breite Gruppe höherer Einkommen und zugleich sehr viele deutlich niedrigere Steuerfälle.

Die NRW-Karte zeigt Unterschiede nach Wohnlage

Die Karte „Wohnortlage – Eine Frage der Einkünfte“ von Statistik.NRW ergänzt die Münsteraner Steuerzahlen um eine räumliche Perspektive. Sie zeigt den geschätzten Median des Gesamtbetrags der Einkünfte je 1 mal 1 Kilometer großer Gitterzelle. Grundlage ist ebenfalls die Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2021.

Für Münster ist der Befund klar: Im Stadtgebiet gibt es einzelne Rasterflächen mit Medianeinkommen von 50.000 Euro und mehr. Das ist die höchste Kategorie der Karte. Der NRW-weite Median liegt bei 35.731 Euro. Münster erreicht also in bestimmten Bereichen deutlich höhere mittlere Einkünfte als der Landeswert.

Gleichzeitig ist Münster keine flächendeckende Spitzenzone. In der Kernstadt liegen viele Rasterflächen eher in den Klassen unter 40.000 Euro. Höhere Werte treten stärker punktuell auf, vor allem in Außenlagen und am Rand des Stadtgebiets. Mit Blick auf die Stadtteilkarte lassen sich solche Bereiche grob in Richtung Gievenbeck, Sentrup, Mecklenbeck, Roxel, Albachten, Hiltrup, Angelmodde, Wolbeck, Gremmendorf, Mauritz-Ost und Handorf verorten. Eine exakte Stadtteilrangliste ist das nicht, weil die Karte mit Gitterzellen und nicht mit Stadtteilgrenzen arbeitet.

Keine reiche Innenstadt, sondern ein Mosaik

Der Kartenbefund ist deshalb interessanter als eine einfache Aussage über Wohlstand. Münster erscheint nicht als Stadt, in der die höchsten mittleren Einkünfte flächig im Zentrum liegen. Vielmehr zeigt sich ein Mosaik: In der Kernstadt dominieren viele mittlere und niedrigere Einkommensklassen, während einzelne höhere Werte stärker in bestimmten Wohnlagen und Außenbereichen sichtbar werden.

Das passt zu einer Stadt, in der unterschiedliche Wohnformen eng beieinanderliegen. Zentrale Lagen sind nicht automatisch die einkommensstärksten Bereiche der Steuerstatistik. Dort treffen Mietwohnungen, kleinere Haushalte, Studierende, Berufseinsteiger und gemischte soziale Strukturen aufeinander. Hohe Einkommen treten in Münster zwar deutlich auf, aber sie bündeln sich nicht überall gleichermaßen.

Was die Zahlen nicht zeigen

Die Daten bilden den steuerlichen Gesamtbetrag der Einkünfte ab. Das ist nicht dasselbe wie frei verfügbares Einkommen. Steuern, Sozialabgaben, Wohnkosten, Kredite oder Unterhaltspflichten verändern die tatsächliche finanzielle Lage erheblich. Auch Vermögen wird nicht erfasst.

Zudem ist ein Steuerpflichtiger nicht immer eine einzelne Person. Auch gemeinsam veranlagte Paare zählen als ein Steuerpflichtiger. Die Werte dürfen deshalb nicht mit Pro-Kopf-Einkommen oder Haushaltseinkommen verwechselt werden.

Der entscheidende Befund für Münster

Münsters Wohlstand ist real, aber ungleich verteilt. Eine sehr kleine Gruppe mit Millioneneinkünften trägt überproportional zum Einkommensvolumen und zum Steueraufkommen bei. Gleichzeitig liegt mehr als die Hälfte der positiven Steuerfälle unter 35.000 Euro. Die NRW-Karte zeigt dazu, dass hohe mittlere Einkünfte nicht überall im Stadtgebiet auftreten, sondern punktuell nach Wohnlage sichtbar werden.

Münster ist damit nicht einfach reich. Die Stadt hat starke Spitzen, eine breite Mitte und deutliche Abstände. Genau diese Abstände prägen die Frage, wer sich welche Lage in Münster leisten kann.

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