
Alexander Klaws aus dem Münsterland steht in diesem Sommer erneut als Winnetou auf der Bühne der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung spricht der Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller über gesellschaftliche Debatten, Kritik an Karl May und die Bedeutung der Figur, die er 2026 zum sechsten Mal verkörpert.
Im Gespräch mit der NOZ beschreibt Klaws eine aus seiner Sicht geschwächte Diskussionskultur. Nach seiner Wahrnehmung fällt es der Gesellschaft schwerer, unterschiedliche Meinungen auszuhalten. Den Bezug stellt er zur Debatte um kulturelle Aneignung und Rassismusvorwürfe im Zusammenhang mit Karl May her. Klaws weist die Kritik an seiner Arbeit bei den Karl-May-Spielen zurück, spricht anderen aber nicht ab, diese Einschätzung zu vertreten. Damit rückt er weniger einen einzelnen Streitpunkt in den Vordergrund, sondern die Frage, wie über kulturelle Themen gesprochen wird.
Für Münster und das Münsterland hat das Thema einen regionalen Anknüpfungspunkt. Alexander Klaws wuchs im westfälischen Sendenhorst bei Münster auf. Bundesweit bekannt wurde er 2003 als Gewinner der ersten Staffel von Deutschland sucht den Superstar. Anschließend baute er sich eine zweite Karriere auf der Bühne auf. Nach seiner Musicalausbildung in Hamburg spielte er unter anderem in Tanz der Vampire, Tarzan und weiteren Produktionen.
Die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg zeigen 2026 das Stück Im Tal des Todes. Die Saison beginnt am 27. Juni und läuft bis zum 6. September. Nach Angaben der Veranstalter wird donnerstags, freitags und samstags jeweils um 15 und 20 Uhr gespielt, sonntags um 15 Uhr. Klaws übernimmt erneut die Rolle des Winnetou. Zum Ensemble gehören außerdem Florian Fitz als Roulin, Isabel Varell als Señorita Miranda und Heinrich Schafmeister als Sir John Raffley. Bastian Semm reitet erneut als Old Shatterhand an Winnetous Seite.
Die Diskussion um Karl May, Winnetou und kulturelle Aneignung ist seit Jahren präsent. Besonders sichtbar wurde sie 2022, als die Debatte über stereotype Darstellungen, Kinderbücher und den Umgang mit dem Winnetou-Stoff bundesweit geführt wurde. Klaws stellt sich in seinem NOZ-Interview auf die Seite derjenigen, die in den Geschichten weiterhin eine Botschaft von Verständigung und Respekt sehen. Gleichzeitig bleibt die Kritik an Karl May ein gesellschaftliches Thema, weil es dabei nicht nur um eine Bühnenfigur geht, sondern auch um Fragen von Darstellung, Erinnerung und kultureller Sensibilität.
Konkrete Pläne für ein Ende seiner Zeit als Winnetou werden aus dem NOZ-Interview nicht abgeleitet. Klaws macht jedoch deutlich, dass er sich einen großen Schlussmoment für die Figur grundsätzlich vorstellen könnte. Der Gedanke passt zur besonderen Stellung, die Winnetou bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg hat. Frühere Darsteller wie Pierre Brice und Gojko Mitić prägten das Bild der Figur über Jahrzehnte. Klaws sieht diese Tradition offenbar nicht als abgeschlossen, sondern als Teil einer Bühnengeschichte, die auch heute noch viele Zuschauer erreicht.
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