
Münster. Der erste Alternative Westfälische Friedenspreis wird an Connection e.V. aus Offenbach am Main verliehen. Die neu geschaffene Auszeichnung ist eine Reaktion auf die Entscheidung, den offiziellen Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu vergeben. Die Initiatoren des alternativen Preises wollen damit einen anderen friedenspolitischen Akzent setzen. Ausgezeichnet wird ein Verein, der sich international für Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und Menschen einsetzt, die wegen ihrer Ablehnung des Militärdienstes verfolgt werden.
Der Alternative Westfälische Friedenspreis wurde Anfang 2026 als Gegenentwurf zum etablierten Internationalen Preis des Westfälischen Friedens ins Leben gerufen. Anlass war die Entscheidung der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, den offiziellen Preis 2026 an die NATO zu vergeben. Diese würdigt das Verteidigungsbündnis als „Garant für Frieden und Stabilität“. Die Initiatoren des alternativen Preises sehen darin jedoch einen Widerspruch zum historischen Geist des Westfälischen Friedens.
Nach Darstellung der Jury soll der neue Preis friedenspolitisches Engagement sichtbar machen, das von zivilgesellschaftlichen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen ausgeht. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden.
Connection e.V. wurde 1993 in Offenbach am Main gegründet. Der Verein setzt sich international für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ein und unterstützt Menschen, die wegen Verweigerung oder Desertion verfolgt werden. Dazu gehört nach Angaben des Vereins auch Beratung für Betroffene, die Schutz suchen.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren aus Russland, Belarus und der Ukraine. Connection arbeitet dabei mit Gruppen in verschiedenen Ländern zusammen und engagiert sich auch auf internationaler Ebene, unter anderem im Rahmen von Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen.
Die Jury begründet die Auszeichnung damit, dass Connection die Perspektive von Kriegsgegnern, Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren sichtbar mache. Juryvorsitzender Prof. Dr. Alfons Kenkmann erklärte dazu: „Die Nato hat sich zuletzt nicht durch diplomatische Initiativen hervorgetan.“ Connection bringe dagegen eine Sichtweise in eine Debatte ein, die häufig militärisch geprägt sei.
Zur Jury gehören unter anderem Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Heribert Prantl und Margot Käßmann. Jury-Mitglied Meike Jacobs verwies auf die Solidarität mit Menschen, die in einer Kriegslogik zu „Kriegsmaterial“ gemacht würden. Die Vorsitzende des Trägervereins, Juliane Brüggemann, betonte, dass Organisationen ausgezeichnet werden sollten, die sich unter schwierigen Bedingungen für das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung einsetzen.
Die Verleihung des ersten Alternativen Westfälischen Friedenspreises ist für Freitag, 25. September 2026, um 18 Uhr im Historischen Rathaus Münster geplant. Vorher soll von 14 bis 18 Uhr auf dem Domplatz ein Friedens- und Kulturfest stattfinden.
Connection-Vorsitzender Franz Nadler bezeichnete die Auszeichnung als große Ehre und Anerkennung für die Arbeit des Vereins. Für Connection ist der Preis nicht die erste öffentliche Würdigung. Der Verein erhielt bereits 2024 den Bremer Friedenspreis und den Helga-und-Werner-Sprenger-Friedenspreis. Im Rahmen des Alternativen Westfälischen Friedenspreises ist Connection jedoch der erste Preisträger.
Der offizielle Internationale Preis des Westfälischen Friedens wird seit 1998 vergeben und erinnert an den Friedensschluss von Münster und Osnabrück im Jahr 1648. Er gilt mit 100.000 Euro als höchstdotierter deutscher Friedenspreis. 2026 soll die NATO ausgezeichnet werden, stellvertretend soll NATO-Generalsekretär Mark Rutte den Preis entgegennehmen. Der Jugendpreis geht an socioMovens.
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