Am Hafen entscheidet sich, wie weit Münsters Geothermie-Pläne tragen

Stadtwerke Münster prüfen am Hafen einen Standort für Geothermie. 2028 soll eine Bohrung zeigen, ob genug Wärme nutzbar ist.
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Die Geothermie in Münster wird konkreter. Nach der Auswertung der seismischen Messungen rücken die Stadtwerke Münster ein Gelände am Hafen als möglichen Standort für ein Tiefengeothermie-Heizwerk in den Fokus. Entscheidend ist dabei nicht nur die Frage, ob unter der Stadt heißes Wasser vorhanden ist. Genauso wichtig wird sein, ob es in ausreichender Menge gefördert werden kann. Genau das soll eine Tiefenbohrung zeigen, die für 2028 vorgesehen ist.

Stadtwerke sehen Hafen als aussichtsreichen Standort

Der Hafen erfüllt nach den bisherigen Erkenntnissen mehrere Bedingungen, die für ein Geothermie-Heizwerk wichtig sind. Die Fläche liegt in der Nähe des Fernwärmenetzes, und genau diese Anbindung ist entscheidend, damit die gewonnene Wärme später auch genutzt werden kann. Im Blick steht ein Stadtwerke-Gelände am Stadthafen neben dem DHL-Verteilzentrum. Dort müsste genügend Platz für Bohrungen und ein Heizwerk vorhanden sein.

Nach Angaben der Stadtwerke reicht ein geologisch interessanter Untergrund allein nicht aus. Ein möglicher Standort muss auch technisch, räumlich und genehmigungsrechtlich geeignet sein. Für den Bohrplatz können demnach bis zu 10.000 Quadratmeter erforderlich sein, für ein späteres Heizwerk bis zu 6000 Quadratmeter. Wasser- und Naturschutzgebiete kommen für ein solches Vorhaben grundsätzlich nicht infrage.

500 Terabyte Daten zeigen Münsters Untergrund genauer

Grundlage für die Standortsuche sind die 3D-seismischen Untersuchungen aus dem Jahr 2024. Damals waren Vibro-Trucks im Stadtgebiet unterwegs, die Schwingungen in den Boden abgaben. Aus den Messungen entstanden nach Angaben der Stadtwerke rund 500 Terabyte Rohdaten. Daraus wurde ein dreidimensionales Modell des Untergrunds erstellt, das bis in eine Tiefe von etwa 6000 Metern reicht.

Besonders wichtig sind dabei Kalkgesteinsschichten, in denen heißes Wasser vorkommen könnte. Zunächst richten die Stadtwerke den Blick auf Schichten der Oberkreide in rund 900 bis 1500 Metern Tiefe. Zusätzlich spielen tiefere Formationen wie Kohlenkalk und Massenkalk eine Rolle. Die Daten zeigen also deutlich besser als früher, wo sich eine Bohrung lohnen könnte. Sie beantworten aber noch nicht die zentrale wirtschaftliche Frage.

Das größte Risiko bleibt die Wassermenge

Der kritische Punkt heißt Fündigkeit. Das bedeutet: Eine Bohrung kann geologisch sinnvoll geplant sein und trotzdem nicht genug heißes Wasser liefern. Für ein Geothermie-Heizwerk ist aber nicht nur die Temperatur entscheidend, sondern auch die Menge des förderbaren Wassers. Nur wenn beides zusammenpasst, kann ein solches Projekt wirtschaftlich betrieben werden.

Für den Betrieb eines hydrothermalen Geothermie-Systems sind mindestens zwei Bohrungen erforderlich. Eine Förderbohrung bringt heißes Wasser an die Oberfläche. Dort wird ihm über einen Wärmetauscher Energie entzogen. Anschließend wird das abgekühlte Wasser über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. Der Geologische Dienst NRW beschreibt dieses Prinzip als typische Form der hydrothermalen Nutzung.

Millionenprojekt mit offenem Ausgang

Schon die Vorbereitung ist teuer. Nach den vorliegenden Angaben wurden bisher rund zwölf Millionen Euro in das Münsteraner Geothermie-Projekt investiert. Etwa die Hälfte tragen die Stadtwerke selbst, die andere Hälfte stammt aus Landesmitteln. Für die Entwicklung eines Geothermie-Heizwerks nennen die Stadtwerke Kosten von rund 40 Millionen Euro. Eine einzelne Bohrung kann demnach etwa fünf Millionen Euro kosten.

Gerade deshalb ist die Voranalyse so wichtig. Je genauer die Stadtwerke den Untergrund kennen, desto geringer wird das Risiko einer Fehlbohrung. Ausschließen lässt es sich aber nicht. Die geplante Tiefenbohrung im Jahr 2028 wird deshalb zum entscheidenden Moment des Projekts. Erst dann wird sich zeigen, ob der Hafenstandort tatsächlich genügend heißes Wasser liefern kann.

Münster ist Teil einer größeren NRW-Strategie

Das Projekt in Münster steht nicht isoliert. Nordrhein-Westfalen will die Geothermie deutlich ausbauen. Im Masterplan Geothermie des Landes wird das Ziel genannt, bis 2045 bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW durch Erdwärme zu decken. Damit gehört die Tiefengeothermie zu den Bausteinen, mit denen die Wärmeversorgung langfristig klimaneutraler werden soll.

Für Münster ist das relevant, weil die Stadtwerke mit ihrer großflächigen 3D-Seismik eine besonders umfangreiche Datengrundlage geschaffen haben. Nach Darstellung der Stadtwerke ist Münster dadurch geologisch besonders gut untersucht. Die Erfahrungen aus dem Projekt könnten deshalb auch für andere Kommunen in NRW wichtig werden, wenn dort ähnliche Vorhaben geplant werden.

Vergleich zeigt: NRW steht noch am Anfang

Ein Blick auf andere Projekte zeigt, wie früh die Tiefengeothermie in Nordrhein-Westfalen noch ist. Der Geologische Dienst NRW untersucht derzeit an mehreren Orten, welche Gesteinsschichten für die Nutzung von Erdwärme geeignet sein könnten. In Köln-Dellbrück ist beispielsweise eine Forschungsbohrung bis etwa 1000 Meter Tiefe geplant beziehungsweise angelaufen, um Kalkgestein genauer zu untersuchen. Diese Bohrung dient der Erkundung und noch nicht direkt der Wärmeerzeugung.

Genau darin liegt der Unterschied zu Münster. Während viele Projekte zunächst Grundlagenforschung liefern, verfolgen die Stadtwerke bereits einen konkreten Versorgungspfad: Ein Standort am Hafen, die Nähe zum Fernwärmenetz und eine mögliche Tiefenbohrung im Jahr 2028. Ob daraus ein tatsächliches Heizwerk wird, bleibt offen. Doch Münster gehört damit zu den Kommunen, in denen die Frage nach tiefer Erdwärme besonders konkret wird.

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