Streit um das Gasometer-Areal: Gazo-Kollektiv fordert Anerkennung

Die Stadtwerke Münster sind zuversichtlich für den geplanten Verkauf des Gasometers bis Ende des Jahres. Mit einer Gasometer-Börse hat der Wettbewerb um das beste Nutzungskonzept begonnen. Damit soll der Streit um die künftige Nutzung von Münsters größtem Industriedenkmal bald ein Ende haben.
Foto: Gasometer, Tim Cichon

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Münster. Die Zukunft des Gasometer-Areals am Albersloher Weg rückt erneut in den Mittelpunkt der Stadtpolitik. Anlass ist eine Bürgeranfrage des gazo-Kollektivs in der Ratssitzung vom 1. Juli 2026. Hintergrund sind überarbeitete Pläne des Eigentümers UTB, nachdem das ursprüngliche Konzept nach Darstellung in der Mitteilung wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei. Das gazo-Kollektiv widerspricht nun mehreren Aussagen aus der Ratsdebatte und fordert, das bestehende Nutzungskonzept stärker anzuerkennen.

Gasometer-Areal Münster: Kritik an Aussagen aus dem Rat

Das gazo-Kollektiv kritisiert vor allem zwei Punkte aus der Debatte. Zum einen geht es um die Frage, warum das Kollektiv kein Finanzierungskonzept vorgelegt habe. Nach Darstellung des Kollektivs habe Ratsherr Matthias Kersting genau dies bemängelt.

Karla Rother aus dem gazo-Kollektiv weist die Kritik zurück. „Das Kernproblem war die fehlende Zusage der Stadt während des laufenden Wettbewerbs. Unter diesen Bedingungen ließen sich verständlicherweise keine Geldgeber gewinnen.“ Aus Sicht des Kollektivs lag das Problem also nicht an fehlender Initiative, sondern an fehlender Planungssicherheit.

Kollektiv widerspricht Brache-Vorwurf

Auch der Darstellung, auf dem Gelände drohe eine Brache, widerspricht das gazo-Kollektiv. Laut Mitteilung habe Jörg Berens diese Sorge in der Debatte geäußert. Das Kollektiv verweist dagegen auf die laufende Nutzung des Areals.

„Während der Rat tagte, fand auf dem Gelände eine integrative Veranstaltung mit über 30 Menschen statt. Der Ort ist seit sechs Jahren keine Brache mehr.“ Damit macht das gazo deutlich, dass es das Gasometer-Areal bereits heute als aktiven sozialen und kulturellen Ort versteht.

Kein zweites Kulturzentrum, sondern offener Ort

Das gazo-Kollektiv beschreibt sich nicht als zweites Kulturzentrum. Vielmehr gehe es um einen offenen Ort für basisdemokratische, feministische und gemeinschaftliche Mitgestaltung. Diese Unterscheidung sei aus Sicht des Kollektivs in der Ratsdebatte nicht ausreichend verstanden worden.

Die Forderung richtet sich nun an die Ratsmitglieder: Sie sollen das bestehende Konzept in der weiteren Debatte anerkennen. Für das Kollektiv steht dabei nicht nur die bauliche Zukunft des Areals im Vordergrund, sondern auch die Frage, welche Art von Stadtentwicklung am Gasometer möglich sein soll.

Linksfraktion fordert Neustart der Debatte

Unterstützung erhält das gazo-Kollektiv von der Linksfraktion Münster. Diese begrüßt die Bürgeranfrage und fordert einen ehrlichen Neustart für das Gasometer-Areal. Die Fraktion kritisiert die frühere Vergabe an einen privaten Investor und sieht in der aktuellen Lage eine Chance, das bisherige Konzept neu zu prüfen.

Ratsherr Stefan Proske-Schuppelius erklärte, Münster brauche Räume, die von der freien künstlerischen Szene genutzt werden könnten, Jugendlichen Platz böten und als Safer Space für die queere Community dienten. Ratsfrau Lara Bösche forderte zudem, die bisherigen Planungen noch einmal kritisch zu beleuchten und zu prüfen, ob der Standort tatsächlich für Wohnbebauung geeignet sei.

Früheres Konzept sah Wohnen, Kultur und Gewerbe vor

Der Gasometer am Albersloher Weg ist ein ehemaliger Erdgasspeicher und gilt als technisches Baudenkmal. Errichtet wurde er 1954, genutzt wurde er bis 2005. Für das Areal hatte die Stadtwerke Münster GmbH 2022 ein zweiphasiges Konzeptvergabeverfahren ausgelobt. Den Zuschlag erhielt später die UTB Projektmanagement GmbH aus Berlin mit einem Entwurf von mei architects and planners aus Rotterdam und Peter Bastian Architekten aus Münster.

Vorgesehen war ein 14-geschossiger Holz-Hybridbau innerhalb der historischen Stahlstruktur. Geplant waren unter anderem Wohnformen mit gefördertem Wohnraum, Gewerbe, kulturelle Nutzungen, Ateliers, Kunstwerkstätten, ein Multifunktionsraum, ein Schwimmbad, eine Fahrradwerkstatt mit Café und eine Kita.

Zukunft des Gasometers bleibt offen

Wie es mit dem Gasometer-Areal Münster weitergeht, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Die politische Debatte wird nach der Bürgeranfrage neu geführt. Das gazo-Kollektiv nutzt das Gelände nach eigener Darstellung seit 2021 und will den Ort bis zu einem möglichen Baubeginn weiter als nicht-kommerziellen Raum für Austausch, Kultur und gemeinschaftliche Projekte erhalten.

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