Glasfaserausbau in Münster wird zum Streitfall um doppelte Netze

Glasfaser für Pluggendorf und Schützenhof: Stadtwerke Münster starten Netzausbau und informieren Eigentümer über Voraussetzungen.
Foto: Katja Anokhina

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Der Glasfaserausbau in Münster kommt voran, doch die Dynamik bekommt eine neue Konfliktlinie. Während Stadtwerke Münster und Telekom bis 2030 rund 160.000 Haushalten einen direkten FTTH-Anschluss ermöglichen wollen, plant OXG parallel ein eigenes Netz für zunächst rund 41.800 Haushalte. Damit wächst in mehreren Stadtteilen die Sorge, dass Straßen und Gehwege mehrfach geöffnet werden und am Ende trotzdem nicht jeder gewünschte Internetanbieter verfügbar ist.

Zwei Ausbaupläne treffen auf dieselben Viertel

Nach Angaben der Stadtwerke-Tochter Stadtnetze Münster konzentrieren sich die Tiefbauarbeiten im Jahr 2026 unter anderem auf Aaseestadt, Rumphorst sowie Hiltrup Ost und Hiltrup West. Genau in solchen Ausbauphasen wird die Abstimmung zwischen den Netzbetreibern entscheidend, denn Glasfaser bedeutet nicht nur neue Technik, sondern auch Eingriffe in Straßen, Gehwege und Gebäudeanschlüsse.

OXG ist in Münster ebenfalls aktiv und wirbt mit einem kostenlosen Glasfaseranschluss. Das Unternehmen schreibt auf seiner Münster-Seite, der Ausbau sei 2026 gestartet und zunächst seien etwa 41.800 Haushalte vorgesehen. OXG bezeichnet sein Netz als offen, verweist aber zugleich darauf, dass Kundinnen und Kunden einen über das OXG-Netz verfügbaren Anbieter wählen können. Damit ist nicht automatisch garantiert, dass jeder bekannte Internetanbieter sofort über diesen Anschluss nutzbar ist.

Open Access löst nicht jedes Problem

Der Streit zeigt ein Grundproblem des Glasfasermarkts. Open Access soll eigentlich dafür sorgen, dass Netze von mehreren Anbietern genutzt werden können. In der Praxis braucht es dafür aber Vereinbarungen zwischen Netzbetreibern und Telekommunikationsunternehmen. Das Gigabitforum der Bundesnetzagentur arbeitet deshalb daran, solche Vereinbarungen und Standards zu erleichtern.

Für Haushalte in Münster ist das mehr als ein technisches Detail. Wer einen Glasfaseranschluss erhält, muss wissen, welche Anbieter darüber tatsächlich verfügbar sind. Die Kooperation von Stadtwerken und Telekom folgt dabei einem anderen Modell als der Ausbau von OXG. Die Stadtnetze Münster beschreiben das Vorhaben als gemeinsames Infrastrukturprojekt mit der Deutschen Telekom. OXG wiederum baut eigenwirtschaftlich und ohne Vorvermarktungsquote.

Münster steht vor einer bundesweiten Debatte

Doppelte Glasfasernetze sind kein rein lokales Thema. Die Bundesnetzagentur hatte eine Monitoringstelle für Doppelausbau eingerichtet. Bis zum 1. Juli 2025 lagen dort 539 geschilderte Fälle vor. Die Behörde beendete das Monitoring nach ihrem Abschlussbericht, will konkreten Wettbewerbsproblemen aber weiterhin nachgehen.

Für Münster bleibt damit eine praktische Frage offen: Wie lässt sich der dringend benötigte Glasfaserausbau beschleunigen, ohne Anwohnerinnen und Anwohner durch vermeidbare Doppelbaustellen zu belasten? Mehr Wettbewerb kann den Ausbau voranbringen. Ohne klare Abstimmung zwischen den Netzbetreibern drohen jedoch genau jene Reibungen, die viele Haushalte beim Wechsel auf Glasfaser verunsichern.

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