
Münster. Die Hayek-Tage Münster werden am Freitag und Samstag im Atlantic Hotel an der Engelstraße stattfinden. Parallel zur Tagung der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft ist für Freitag eine Kundgebung angekündigt. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ ruft ab 17 Uhr zu Protesten in unmittelbarer Nähe des Hotels auf. Aus einer wirtschaftspolitischen Veranstaltung ist damit eine lokale Debatte über Redner, Netzwerke und politische Abgrenzung geworden.
Nach Angaben der Veranstalter sind die Hayek-Tage 2026 als zweitägiges Treffen mit Vorträgen, Gesprächsrunden, Preisverleihungen und einer Mitgliederversammlung geplant. Die Gesellschaft bewirbt die Veranstaltung als „Fest der Freiheit“ und kündigt Debatten zu gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen an. Veranstaltungsort ist das Atlantic Hotel Münster.
Das Programm zeigt, dass es bei der Tagung nicht nur um klassische Wirtschaftsthemen geht. Der frühere Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn soll über europäische Verteidigungspolitik sprechen. Die Ökonomin Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft, soll mit der Hayek-Medaille ausgezeichnet werden und mit Sinn über wirtschaftswissenschaftliche Politikberatung diskutieren. Grimm ist nach Angaben des Sachverständigenrates seit April 2020 Mitglied des Gremiums und Professorin an der Technischen Universität Nürnberg.
Auch der frühere US-Kongressabgeordnete Ron Paul soll nach Angaben der Hayek-Gesellschaft international geehrt werden. Er wird demnach aus den USA live zugeschaltet. Zusätzlich kündigt der Hayek-Club Münsterland den Netzwerkpreis der Hayek-Gesellschaft für das Bündnis Redefreiheit an, vertreten durch Michael Esfeld und Andrea Seaman. Weitere Programmpunkte befassen sich mit Strukturreformen, Geldsystem, Rechtsstaat und einem liberalen Rentensystem.
Die angekündigte Kundgebung richtet sich nicht allein gegen das Hotel als Veranstaltungsort. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ kritisiert vor allem die politische Wirkung der Tagung und wirft der Hayek-Gesellschaft eine Scharnierfunktion zwischen konservativen und rechten Akteuren vor. Nach Angaben des lokalen Magazins „Alles Münster“ verweist das Bündnis dabei auch auf frühere Veranstaltungen des Hayek-Clubs Münsterland, unter anderem mit dem Klimawandelskeptiker Michael Limburg und dem früheren Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin.
Die Hayek-Gesellschaft und ihr Umfeld weisen solche Einordnungen seit Jahren zurück. In der öffentlichen Debatte steht die Vereinigung dennoch immer wieder wegen ihrer Abgrenzung nach rechts im Fokus. Lobbypedia verweist unter anderem auf frühere Auseinandersetzungen um AfD-Mitglieder und auf den Austritt von Alice Weidel aus der Gesellschaft im Jahr 2021. Zugleich wird der Vorsitzende Stefan Kooths dort mit der Position wiedergegeben, der Vorwurf einer AfD-Nähe werde aus seiner Sicht politisch als Kampfbegriff genutzt.
Für Münster ist deshalb weniger die Tagung als solche der Kern des Konflikts, sondern die Frage, welche Personen und Milieus durch solche Veranstaltungen zusammengeführt werden. Das Bündnis sieht darin ein politisches Problem. Die Veranstalter stellen dagegen wirtschaftsliberale Debatten, individuelle Freiheit und begrenzte staatliche Eingriffe in den Mittelpunkt.
Ein wesentlicher Streitpunkt ist die angekündigte Teilnahme des pensionierten Finanzwissenschaftlers Stefan Homburg. Laut Programm soll er mit Jan Schnellenbach von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg über wirtschaftspolitische Strukturreformen sprechen. Homburg war früher Professor für Öffentliche Finanzen an der Leibniz Universität Hannover und ist seit Jahren wegen öffentlicher Äußerungen umstritten.
Die Leibniz Universität Hannover distanzierte sich bereits 2020 öffentlich von Homburgs Äußerungen zur Corona-Krise. Senat, Präsidium und Hochschulrat erklärten damals, sie respektierten Meinungsfreiheit sowie Freiheit von Forschung und Lehre, distanzierten sich aber ausdrücklich vom Inhalt seiner Aussagen. Besonders kritisiert wurde eine Gleichsetzung der damaligen Verhältnisse in Deutschland mit dem Jahr 1933. Die Universität bezeichnete dies als unerträgliche Verharmlosung der Geschehnisse von 1933.
Hinzu kommt ein strafrechtliches Verfahren aus dem vergangenen Jahr. Nach Angaben von Legal Tribune Online verurteilte das Amtsgericht Hannover Homburg im Juni 2025 wegen Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen zu einer Geldstrafe von 10.400 Euro. Hintergrund waren Beiträge auf der Plattform X mit der SA-Parole „Alles für Deutschland“. Homburg bestritt demnach eine zustimmende Verwendung und sah seine Meinungsfreiheit verletzt.
Das Atlantic Hotel steht durch die Tagung ebenfalls im Fokus. Nach dem vorliegenden Faktenstand verweist die Hotelgruppe auf politische Neutralität und distanziert sich von extremen politischen Flügeln. Zugleich heißt es, man habe im Programm der Hayek-Tage keine extremen politischen Themen erkannt. Berichte, wonach das Hotel künftig keine Veranstaltungen der Hayek-Gesellschaft mehr zulassen werde, wurden aus dem Umfeld der Eigentümerin zurückgewiesen.
Damit bleibt die Lage vor Beginn der Veranstaltung zweigeteilt. Die Tagung ist formal eine privat organisierte wirtschafts- und gesellschaftspolitische Veranstaltung. Öffentlich diskutiert wird sie aber als politisches Signal, weil einzelne Redner, frühere Konflikte der Hayek-Gesellschaft und lokale Proteste zusammentreffen.
Die Hayek-Tage in Münster bündeln mehrere aktuelle Streitfragen. Es geht um wirtschaftsliberale Positionen, um den Umgang mit umstrittenen Rednern, um politische Abgrenzung und um die Verantwortung von Veranstaltungsorten. Dass bekannte Ökonomen wie Veronika Grimm und Hans-Werner Sinn im Programm stehen, macht die Tagung für das Publikum aus Wirtschaft und Wissenschaft attraktiv. Dass zugleich Personen wie Stefan Homburg auftreten, verschärft die politische Kritik.
Die Kundgebung am Freitag dürfte deshalb nicht nur ein Protest gegen eine einzelne Veranstaltung werden. Sie steht auch für eine breitere Auseinandersetzung darüber, wo legitime wirtschaftspolitische Debatte endet und wo nach Ansicht der Kritiker Normalisierung rechter Positionen beginnt. Für Münster wird diese Frage am Wochenende sichtbar vor dem Atlantic Hotel verhandelt.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu