
Münsterland. Hohe Temperaturen belasten Kühe im Münsterland deutlich. Besonders Milchkühe erzeugen durch ihren Stoffwechsel viel Wärme und können diese bei schwüler Witterung nur schwer abgeben. Sie fressen weniger, trinken mehr und zeigen teilweise eine beschleunigte Atmung. Auch die Milchleistung und die Fruchtbarkeit können zurückgehen.
Kälber reagieren ebenfalls empfindlich. Das gilt sowohl für Jungtiere in aufgeheizten Unterkünften als auch für ungeborene Kälber, wenn hochtragende Kühe längere Zeit unter Hitzestress stehen. Eine bestätigte Häufung hitzebedingter Todesfälle bei Kälbern gibt es im Münsterland bislang jedoch nicht.
Das Thema betrifft die Region besonders stark. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden im Mai 2026 rund 94.500 Milchkühe in mehr als 1.100 Betrieben im Regierungsbezirk Münster gehalten.
Allein im Kreis Borken lebten mehr als 41.000 Milchkühe. Damit gehört das Münsterland zu den wichtigsten Milchviehregionen Nordrhein-Westfalens. Längere Hitzeperioden stellen deshalb zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe gleichzeitig vor ähnliche Probleme.
Ob eine Kuh unter Hitzestress leidet, hängt nicht nur von der Außentemperatur ab. Auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Luftbewegung spielen eine Rolle. Erste Belastungen können deshalb bereits bei Temperaturen um 20 Grad auftreten, wenn die Luft gleichzeitig sehr feucht ist.
Typische Anzeichen sind Hecheln, eine geringere Futteraufnahme und häufigeres Stehen. Viele Tiere suchen verstärkt die Tränken oder gut belüftete Bereiche im Stall auf.
Besonders aufmerksam werden hochtragende Kühe beobachtet. Fressen sie wegen der Hitze weniger, stehen weniger Energie und Nährstoffe für das ungeborene Kalb zur Verfügung.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass längerer Hitzestress während der späten Trächtigkeit das Geburtsgewicht und die Entwicklung des Immunsystems beeinflussen kann. Die Kälber kommen dadurch möglicherweise mit schlechteren Voraussetzungen zur Welt und sind anfälliger für Erkrankungen.
Auch nach der Geburt können hohe Temperaturen zum Problem werden. Vor allem Kunststoffiglus heizen sich in direkter Sonne stark auf. Die Kälber atmen schneller, verlieren Flüssigkeit und nehmen teilweise weniger Futter auf. Dadurch können die Gewichtszunahme und die körperliche Entwicklung beeinträchtigt werden.
Hitze ist jedoch nicht automatisch die direkte Ursache für den Tod eines Kalbes. Bei verendeten Tieren müssen auch Infektionen, Geburtsprobleme und andere Erkrankungen untersucht werden.
Auf zahlreichen Milchviehbetrieben gehört der Hitzeschutz inzwischen zum täglichen Stallmanagement. Ventilatoren über Liegeflächen, Fressplätzen und im Wartebereich vor dem Melkstand sorgen für zusätzliche Luftbewegung. Außerdem werden Stallseiten geöffnet, damit sich warme und feuchte Luft weniger stark staut.
Einige Betriebe nutzen zusätzlich Sprüh- oder Vernebelungsanlagen. Andere haben die Zahl und Größe der Tränken erhöht, damit auch rangniedrige Tiere jederzeit ausreichend Wasser erreichen können. An heißen Tagen kann eine Milchkuh deutlich mehr als 100 Liter Wasser aufnehmen.
Auch bei den Kälbern wurden die Unterkünfte vielerorts angepasst. Iglus stehen unter Schutzdächern, im Schatten oder werden mit Planen gegen direkte Sonneneinstrahlung abgeschirmt. Teilweise kommen zusätzliche Belüftung und reflektierende Abdeckungen zum Einsatz.
Die Maßnahmen zeigen, dass sich viele Landwirte längst auf längere Hitzephasen eingestellt haben. Dennoch bleiben extreme Temperaturen besonders für hochleistende Milchkühe, tragende Tiere und junge Kälber eine gesundheitliche Belastung.
Öffentlich zugängliche amtliche Zahlen über eine auffällige Zahl hitzebedingt gestorbener Kälber im Münsterland liegen bislang nicht vor. Dennoch kann Hitze die Widerstandsfähigkeit der Tiere schwächen und bestehende Gesundheitsprobleme verschärfen.
Bei auffälliger Atmung, Fressunlust oder Schwäche reagieren die Betriebe deshalb häufig frühzeitig und ziehen Tierärzte hinzu. Gerade während längerer Hitzeperioden werden Kühe und Kälber engmaschiger beobachtet.
Quellen: Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Landwirtschaftskammer NRW, Haus Riswick sowie Fachstudien zu Hitzestress bei Milchkühen und Kälbern
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